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Hausnummern im Cloppenburger Land feiern 250. Geburtstag

Vor genau 250 Jahren wurden die ersten Häuser im Cloppenburger Land nummeriert - aus gutem Grund. Johannes Bollen, Mitglied im Heimatverein Lindern, hat sich mit dem Thema auseinandergesetzt.

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Nicht nur für Postzusteller und Rettungsdienste wichtige Orientierung: Vor genau 250 Jahren wurden im Cloppenburger Land die Hausnummern eingeführt. Symbolfoto: Patrick Pleul/dpa

Nicht nur für Postzusteller und Rettungsdienste wichtige Orientierung: Vor genau 250 Jahren wurden im Cloppenburger Land die Hausnummern eingeführt. Symbolfoto: Patrick Pleul/dpa

Sie kamen schlagartig und flächendeckend im Jahr 1771 – und verschafften jedem Anwesen eine unverwechselbare Identität. Hausnummern sind eine besondere Art des Ausweises – und bis heute unverzichtbar, gewissermaßen ein ununterbrochenes Erfolgsmodell.

Fortschrittlich ­Denkende brachten Idee auf den Weg

Die Grundlage für die Vergabe von Hausnummern war das fürstbischöfliche Edikt, mit dem die Münsterische Brandsozietät eingerichtet wurde. Der regierende Landesherr Maximilian Friedrich (Amtszeit 1761 bis 1784) schaltete sich nur selten selbst in die Tagespolitik ein, und so hatten der Leitende Minister Franz von Fürstenberg und seine fortschrittlich denkenden Mitstreiter in Münster freie Bahn für dringend notwendige Veränderungen im rückständigen und hoch verschuldeten Fürstbistum – und damit auch in seinen nördlichen Ämtern Cloppenburg, Vechta und Meppen, die das „Niederstift“ bildeten.

Not und Verelendung drohten den Einwohnern, wenn eine Feuersbrunst ihre Häuser und ihr Hab und Gut vernichtete. In den städtischen Siedlungen standen die Häuser eng, auf dem Land flogen im Frühsommer die Funken, wenn die Bauern das Moor abbrannten, um Buchweizen zu pflanzen.

Jahre mit Feuerschäden bedeuteten hohe Belastung

Die münsterische Brandkasse von 1768 schuf für alle Hauseigentümer eine große Schutzgemeinschaft. Allerdings – niemand hatte die Wahl, jedem Gebäudeeigentümer wurde die Mitgliedschaft vorgeschrieben. Die Beiträge wurden jährlich nachträglich im Umlageverfahren erhoben. Jahre mit vielen Feuerschäden bedeuteten hohe, Jahre ohne Feuerschaden dagegen niedrige Belastungen für alle.

Im Jahr 1771 – vor genau 250 Jahren – war es auch im Cloppenburger Land soweit. Die Schätzer, Bürgermeister oder Vögte an der Spitze gingen in Stadt und Land von Haus zu Haus und Hof zu Hof, maßen Länge und Breite der Wohn- und Wirtschaftsgebäude und legten deren Wert fest. Jedes Anwesen erhielt eine Nummer im Brandregister – die ersten Hausnummern waren geschaffen.

Auch Kirchen- und Schulgebäude wurden erfasst, aber ihre Träger waren von Beiträgen zur Brandkasse befreit, ebenso wie die Vögte, Richter und Unterbeamten. Bürger und Bauern hingegen mussten zahlen – für sie bedeutete die Brandkasse zunächst eine weitere finanzielle Belastung neben den vielen ohnehin fälligen Steuern und Abgaben. Der Segen ihrer neuen Hausnummer aber zeigte sich im Brandfall.

Oldenburgische ­Landesherrschaft ­vergibt neue Nummern

Die im Jahr 1771 entstandenen Brandkataster, heute im Staatsarchiv in Oldenburg aufbewahrt, sind eine wichtige historische Quelle – und eine wahre Fundgrube für Heimatvereine und Familienforscher. Sie wurden auch in den folgenden Jahrzehnten kontinuierlich weitergeführt. Verbesserungen, Erweiterungen, Umbauten, neue Nebengebäude unter einer bestehenden Hausnummer, aber auch Abrisse mussten nachgetragen werden. Neue Anwesen wurden mit neuen Nummern aufgenommen – zum Beispiel die Katen und Häuser von Siedlern, denen ein Grundstück in der Mark zugewiesen worden war. Dabei setzte man die Zählung der Hausnummern einfach fort, ohne Rücksicht auf die Lage der Gebäude im Ort.

Die münsterischen Hausnummern blieben zunächst auch nach 1803, dem Ende des münsterischen Staates, noch in Gebrauch. Dann kam ein Bruch – die neue oldenburgische Landesherrschaft hatte ihre eigene Brandkasse und vergab ab 1816 überall neue Hausnummern, die von den alten münsterischen abwichen. Vielfach aber ist es möglich, beide Nummern miteinander zu identifizieren. So lassen sich im Zusammenspiel mit dem historischen Kartenmaterial aus der oldenburgischen Landesvermessung viele
Puzzleteile einer Grundstücks- und Gebäudegeschichte der Orte im Cloppenburger Land von 1771 bis ins 21.Jahrhundert ermitteln.

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