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Haushalte müssen in Vechta höhere Wassergebühr zahlen

Das Wasserwerk Vechta reagiert auf steigende Landesabgaben und umfangreiche Investitionen in das eigene Netz. Die Kommune bleibt dennoch unter dem Landesdurchschnitt.

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Trinkwasser hat seinen Preis: Um die finanziellen Herausforderungen zu stemmen, erhöht das Wasserwerk Vechta zum zweiten Mal innerhalb von vier Jahren die Gebühren. Foto: dpa / Pleul

Trinkwasser hat seinen Preis: Um die finanziellen Herausforderungen zu stemmen, erhöht das Wasserwerk Vechta zum zweiten Mal innerhalb von vier Jahren die Gebühren. Foto: dpa / Pleul

Der Großteil der Haushalte in der Stadt Vechta muss sich gleich zu Beginn des neuen Jahres auf eine Preissteigerung einstellen. Die Wassergebühr wird zum zweiten Mal innerhalb von vier Jahren erhöht. Laut vorliegender Kalkulation des Wasserwerkes Vechta steigen die Kosten von 0,95 auf 1,02 Euro inklusive Mehrwertsteuer pro Kubikmeter. Das bedeutet für einen 4-Personen-Haushalt eine jährliche Mehrbelastung von etwa 11 Euro.

Ein wesentlicher Grund für die Preissteigerung beruht auf der Verdoppelung des Wasserentnahmeentgeltes, wie Werkleiter Benjamin Kampers am Montagabend in der Sitzung des Betriebsausschusses erläuterte. Er verwies auf einen entsprechenden Beschluss des Niedersächsischen Landtags, der erheblichen Einfluss auf den Wirtschaftsplan hat und neben dem kommunalen Betrieb sicher auch andere Versorger in der Region treffen wird.

„Niedersächsischer Weg“ hat Konsequenzen

Dabei geht es um den „Niedersächsischen Weg“. Die Vereinbarung zwischen Landwirtschaft, Naturschutz und Politik verpflichtet die Akteure, konkrete Maßnahmen für einen verbesserten Natur-, Arten- und Gewässerschutz umzusetzen. Die entstehenden Mehrausgaben sollen über eine Anhebung der Gebühren für Wasserentnahmen gedeckt werden.

Nach Angaben der Stadtverwaltung zahlt der private Kunde bereits heute eine Wasserentnahmegebühr von 7,5 Cent pro Kubikmeter. Nach den Landesvorgaben werden es künftig 15 Cent sein. Somit muss das Wasserwerk Vechta rund 290.000 Euro pro Jahr, also doppelt so viel wie bisher, an Wasserentnahmegebühr zahlen. „Dies ist ein erheblicher Kostenaufschlag, der die Trinkwasserkunden kurzfristig im nächsten Jahr, zumindest anteilig, treffen wird“, erklärt Kampers.

Aber es gibt noch weitere Gründe für die Gebührenanhebung in der Stadt Vechta. Einfluss auf die neue Kalkulation hat auch, dass das Wasserwerk in den Jahren 2021 bis 2024 weitere Investitionen in Höhe von 14,89 Millionen Euro stemmen muss, unter anderem in den Teilneubau der Wasseraufbereitung, einen 2. Werksausgang sowie die Sanierung und Erweiterung des Verwaltungsgebäudes. Auch im Bereich Hausanschlüsse und Rohrnetz sind größere Ausgaben geplant. Um auch in Zukunft ausreichend Wasser liefern zu können, investiert das Wasserwerk zudem in Speicheranlagen und Flächenkauf.

Mit der Gebührenkalkulation für die Jahre 2021 bis 2023 hatte das Wasserwerk erneut die Mittelrheinische Treuhand GmbH mit Sitz in Essen beauftragt. Wirtschaftsprüfer Jürgen Dreßler war am Montagabend in der Videokonferenz zugeschaltet, um den Ausschussmitgliedern einen Einblick in das Zahlenwerk zu geben. Dabei diente die Nachkalkulation für das Jahr 2017 als Grundlage für die Erhebungen.

Steigender Wasserverbrauch schon eingepreist

Dreßler lenkte den Blick auf die Verzinsung des Fremdkapitals, das für die umfangreichen Investitionen erforderlich ist. Die Höhe des Zinssatzes war im Jahr 2017 auf 4,8 Prozent festgelegt worden. Aufgrund der Entwicklung am Kapitalmarkt wurde der Zinssatz nun auf 1,0 Prozent korrigiert. Hierdurch konnte in Absprache mit der Politik eine Gebührenstabilität für die nächsten 3 Jahre erreicht werden.

Im Vergleich zum Vorjahr wurde ein etwas erhöhter Wasserverbrauch von 1,85 Millionen Kubikmeter zugrunde gelegt. Im Ergebnis steht die neue Gebühr in Höhe von 1,02 Euro pro Kubikmeter. „Das ist immer noch ein sehr günstiger Wert“, meinte Dreßler. Zum Vergleich: Die durchschnittliche Gebühr auf Landesebene beträgt 1,31 Euro, auf Bundesebene sind es sogar 1,74 Euro inklusive Mehrwertsteuer.

"Das Wasserwerk ist echt gut aufgestellt."Claus Dalinghaus, Vorsitzender des Betriebsausschusses

Bürgermeister Kristian Kater (SPD) sprach von einem „vernünftigen Preis“, der in den nächsten Jahren trotz aller Herausforderungen stabil gehalten werden soll. Für die Stadt Vechta seien Trinkwasserqualität und Versorgungssicherheit wichtig. Mit der Erhebung der Gebühren werde den Bürgern das Versprechen gegeben, dass die erforderliche Sicherheit auch gewährleistet sei.

Das letzte Wort hat der Stadtrat

Der Betriebsausschuss stimmte der Gebührenkalkulation einstimmig zu. Das letzte Wort hat der Stadtrat in seiner Sitzung am 14. Dezember. Dies gilt auch für den ebenfalls behandelten Wirtschaftsplan 2021. Darin sind neben dem Wasserbereich auch die Sparten Blockheizkraftwerke und neuerdings Elektromobilität aufgeführt. Die Berechnungen für diese beiden Sparten werden bei der Kalkulation des Wasserpreises nicht angerechnet.

Gegen den Jahresabschluss 2019 gab es im Betriebsausschuss keine Einwände. Markus Willenborg von der Ecovis Audit AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft (Vechta) hatte das Zahlenwerk kurz beleuchtet. Der Gewinn in Höhe von knapp 300.000 Euro soll der allgemeinen Rücklage zugeführt werden. Mit dem Ergebnis zeigte sich Ausschussvorsitzender Claus Dalinghaus (VCD) sehr zufrieden: „Das Wasserwerk ist echt gut aufgestellt.“

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