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Hätten Sie’s gewusst?

Kolumne: Auf ein Wort – Am 17. November ist Buß- und Bettag! Braucht Deutschland heute Buß- und Bettage, an denen die Menschen, regierende und regierte, zur Besinnung kommen und Umkehr versprechen?

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Heute ist Buß- und Bettag! Hätten Sie’s gewusst? Eine Frage, die im (zahlenmäßig immer noch) mehrheitlich katholischen Südoldenburg viele Leserinnen und Leser wohl mit „nein“ beantworten werden! Bei Katholiken hatte dieser „evangelische Feiertag“ nie einen rechten Sitz im Leben. So wie umgekehrt Fronleichnam für evangelische Christen wohl immer ein „böhmisches Dorf“ war und ist. Ich erinnere mich, dass der Buß- und Bettag – als er noch gesetzlicher Feiertag war – für uns „halbstarke“ katholische Jugendliche hohe Attraktivität besaß. Da er mit keinerlei kirchlichen Verpflichtungen verbunden war, konnte man am Vorabend ausgiebig feiern und am Feiertag selbst bis „in die Puppen“ schlafen!

Als katholischer Dauer-Gag sprach man damals auch gerne vom Buß- und Bett-Tag! Die ganze Pracht endete, als dieser gesetzliche Feiertag – nahezu deutschlandweit – 1995 der Finanzierung der Pflegeversicherung „geopfert“ wurde. Die Wurzeln des Buß- und Bettages reichen bis in die Jona-Geschichte der Bibel. Es ist jene spannende Geschichte mit dem Wal, die auch nicht bibelkundigen Mitmenschen etwas sagt. 

"Bußgesinnung und Gebet. Das hat die Welt bitter nötig!"Karl Gierse

In der Stadt Ninive geht es drunter und drüber. Der Prophet Jona soll den Bewohnern verkünden, dass Gott diese schlimmen Zustände nicht länger ungestraft hinnehmen will. Jona versucht zunächst, sich dem unattraktiven Auftrag durch Flucht zu entziehen. Unter anderem mit Hilfe des Wals bekommt Gott den Flüchtling doch an die Arbeit. So zieht Jona durch Ninive und droht den Bewohnern harte Konsequenzen für ihr liederliches Leben an. Hier kommt nun endlich der Bezug zum Buß- und Bettag! Der König und die gesamte Bevölkerung von Ninive kommen durch die markigen Worte Jonas zur Besinnung. Sie begehen nicht nur einen Buß- und Bettag, sondern gleich 40! Am Ende versprechen sie, mit ihren üblen Taten aufzuhören und ein gottgefälliges Leben zu führen.

Zurück in die Gegenwart. Braucht Deutschland, braucht die Welt nicht auch heute Buß- und Bettage, an denen die Menschen, regierende und regierte, zur Besinnung kommen und Umkehr versprechen? In vielen Bereichen geht es – wie in Ninive – zurzeit drunter und drüber: bei der Bewahrung der Schöpfung, in der Bekämpfung der Pandemie, in der Flüchtlingspolitik, und, und, und! Die EKD (Evangelische Kirche in Deutschland) schreibt zur Bedeutung des Buß- und Bettages: „Er dient dem Nachdenken über gesellschaftliche Irrtümer. Versagen und Schuld, Versäumnisse und Fehlentscheidungen können im Gebet vor Gott gebracht werden!“ Dazu braucht es keinen gesetzlichen Feiertag! Aber Bußgesinnung und Gebet. Das hat die Welt bitter nötig! Nicht nur heute!


Zur Person:

  • Karl Gierse ist Subprior des Vechtaer Dominikanerkonvents.
  • Er wirkt in verschiedenen Bereichen der Seelsorge in Vechta und im Oldenburger Land.
  • Kontakt: redaktion@om-medien.de.

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