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Hat Visbeks Jugend Lust auf Kommunalpolitik?

Wie stehen die jungen Visbeker zu einem Jugendparlament? Das wollte der Gemeinderat bei Info-Veranstaltungen im Sommer herausfinden – allerdings kam niemand. Wie geht es nun weiter?

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Klassisch mit Sitzungen oder doch ganz anders? Ein Jugendparlament stößt in Visbek auf wenig Interesse. Doch wie können sich junge Visbekerinnen und Visbeker dann politisch einbringen? Symbolfoto: dpa/Gentsch 

Klassisch mit Sitzungen oder doch ganz anders? Ein Jugendparlament stößt in Visbek auf wenig Interesse. Doch wie können sich junge Visbekerinnen und Visbeker dann politisch einbringen? Symbolfoto: dpa/Gentsch 

Wie kann die Visbeker Jugend für die Kommunalpolitik begeistert werden? Diese Frage stellt man sich im Gemeinderat Visbek bereits seit geraumer Zeit. Antworten allerdings gibt es aktuell zumindest nicht.

Die FDP-Fraktion etwa hatte bereits im vergangenen Jahr ein Jugendparlament angestrebt. Um herauszufinden, ob die jungen Visbekerinnen und Visbeker überhaupt Interesse daran haben, hatte der Gemeinderat Unterstützung von der Universität Vechta in Anspruch genommen. Unter dem Motto „Jugend und Kommunalpolitik“ erarbeiteten einige Studierende ein Konzept. Grundsätzlich sahen diese Planungen vor, dass ein Treffen mit Kindern und Jugendlichen initiiert werden sollte, bei dem die Erarbeitung von Ideen für die Teilnahme an der Kommunalpolitik auf dem Programm stehen sollte. Zwischen Frühjahr und Sommer 2022 sollten die Aktionen anlaufen.

Jugendliche kamen nicht zur Veranstaltung

Die Auftaktveranstaltung sowie die geplanten weiterführenden Aktionen fanden allerdings nicht statt. Grund: Es gab keine Rückmeldungen von den Visbeker Jugendlichen. Woran könnte das gelegen haben? Anja Muhle, die Vorsitzende der FDP-Fraktion in Visbek, vermutet eine falsche Herangehensweise als Ursache. „Vielleicht hätte man das handwerklich anders angehen müssen“, so die Vorsitzende. Die Informationen zu den Veranstaltungen seien nicht richtig vermittelt worden.

Annette Hanken, Fraktionsvorsitzende der Grünen im Rat, sieht das ähnlich. „Es ist zu wenig publik gemacht worden“, gibt sie an. Von einigen Schülern habe sie gehört, dass diese von den geplanten Veranstaltungen gar nichts mitbekommen hätten. Auch Martin Rohe, SPD-Ratsmitglied, hat diesen Eindruck und zeigt sich enttäuscht: „Wir haben uns mehr erhofft.“ Der für die Studiengruppe zuständige Professor wollte sich auf Anfrage nicht dazu äußern.

Visbeks Bürgermeister Gerd Meyer will über die Gründe, weshalb es innerhalb der Zielgruppe offensichtlich zu wenig Interesse an der Veranstaltung gab, nicht spekulieren. Aber er könne festhalten, dass das mangelnde Interesse anscheinend nicht allein ein Problem in der Gemeinde Visbek ist: Beispiele hierfür seien die Stadt Cloppenburg, die im Sommer keine Bewerberinnen und Bewerber für das Jugendparlament finden konnte, und die Gemeinde Goldenstedt, deren Jugendparlamentswahl aufgrund von Bewerbermangel ebenfalls ausgefallen ist.

Jugend ist in Vereinen sehr engagiert

Sie habe sich mit ihrer Partei für den Einsatz der Jugend in der Kommunalpolitik stark gemacht und werde dies weiter tun, betont Anja Muhle. Ein Jugendparlament sei eine Idee gewesen. Sie sei allerdings auch für andere Formen der Beteiligung offen. „In Holdorf gibt es zum Beispiel ein attraktiv gestaltetes Jugendforum“, weiß Muhle.

Dass die Visbeker Jugend engagiert sei, sehe man zum Beispiel am lebhaften Vereinswesen, sagt die FDP-Fraktionsvorsitzende. Das stellt auch Ralf Stukenborg, Vorsitzender der CDU-Fraktion im Gemeinderat, fest, der darin auch den Grund für das mangelnde Interesse an der von der Uni organisierten Veranstaltung sieht: „Die Visbeker Jugend ist durch die tolle Vereinsarbeit hier sehr gut aufgenommen, und sie kann in den Vereinen schon ihre Sorgen oder Anregungen einbringen.“ Diese würden dann oft schon in Zusammenarbeit von Verwaltung, Politik und dem jeweiligen Verein behandelt.

Auch Annette Hanken betont das Engagement der Jugend in den Visbeker Vereinen. Es sei daher wichtig, nicht aufzugeben. „Die Jugendlichen müssen entscheiden, wie der Ort in der Zukunft aussehen soll“, stellt Hanken fest. „Sie sollen sich auch in 20 Jahren hier noch wohlfühlen.“ Auch Rohe sieht das ähnlich. Wobei: „Man kann die Jugendlichen natürlich auch nicht zwingen“, fasst er zusammen. Dabei sei die Visbeker Jugend „sehr interessiert an ihrer heimischen sowie an der Bundespolitik“, findet Stukenborg. Das stelle er immer wieder in Gesprächen mit Jugendlichen fest.

Jugendparlamentsarbeit kann funktionieren

Dass es beispielsweise mit einem Jugendparlament klappen kann, beweist die Gemeinde Goldenstedt. Bereits 2006 ist das Gremium eingerichtet worden. Zwar fiel die Wahl im Oktober aufgrund von Bewerbermangel aus, wie Sarah Becker von der Gemeindeverwaltung bestätigt, das Jugendparlament besteht aber weiterhin. 15 Mitglieder können es sein. Die 11 Interessierten sind schließlich ohne Wahl ins 7. Jugendparlament berufen worden und trafen sich kürzlich zur konstituierenden Sitzung.

Lilly Bramlage war bis vor Kurzem noch Vorsitzende. Seit 2014 war sie Mitglied im Jugendparlament, schied jetzt aufgrund ihres Alters aus. Sie habe durchweg positive Erfahrungen gesammelt, sagt sie. In dieser Zeit habe sich das Jugendparlament viel mit aktuellen politischen Themen beschäftigt, erklärt Bramlage. Beispielsweise habe man eng mit dem Flüchtlingsheim zusammengearbeitet oder sich an Aktionen zu „Black Lives Matter“ beteiligt. Aber auch Veranstaltungen, wie das Völkerballturnier bei „Sportler gegen Hunger“ oder einige Partys, seien vom Jugendparlament organisiert worden.

Die Beteiligung bringe eine Mischung aus politischer Aktivität und Freizeitgestaltung mit, so Bramlage. „Ich würde jeder Gemeinde ein Jugendparlament ans Herz legen“, sagt die 22-Jährige. „Politik wird so nicht nur für, sondern auch mit Jugendlichen gestaltet.“ Ein positives Fazit über das 1. Jahr mit dem Jugendparlament in der Stadt Dinklage zogen kürzlich auch die dort engagierten Jugendlichen.

Thema liegt in Visbek vorerst auf Eis

Und wie geht es nun in Visbek weiter? „Seitens der CDU wird die Weiterverfolgung eines Jugendparlaments aktuell nicht befürwortet, da wir gemerkt haben, dass dieses hier aktuell kein Interesse erfährt“, sagt Ralf Stukenborg. Trotzdem müsse man generell daran arbeiten, das Interesse an Politik zu wecken und den Jugendlichen Gehör zu schenken. Dafür müssten mit ihnen zusammen Ideen und Strategien entwickelt werden. Wie das geschehen soll: „Für Anregungen sind wir immer zu haben“, so Stukenborg.

Die Verwaltung habe sich gemeinsam mit der Politik darauf verständigt, das Thema vorerst nicht weiter zu behandeln, sagt Bürgermeister Gerd Meyer. Es soll zu einem späteren Zeitpunkt wieder aufgegriffen werden. Wann, sei allerdings noch offen. Da ist Anja Muhle von der FDP-Fraktion, die das Ganze ins Rollen brachte, schon konkreter: Bei der nächsten Haushaltsplanung werde wieder Geld eingeplant, um an dem Thema arbeiten zu können, sagt sie. „Das ist nicht vom Tisch, Jugendliche müssen auch weiterhin gefördert werden.“

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