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Hat mich der Vormieter um 80 Euro von Waldi bei "Bares für Rares" gebracht?

Meine Woche: Unheimliche Begegnung der dritten Art. Wenn der Vorbewohner Jahre nach dem Auszug an der Haustür klingelt und eine potthässliche Vase begehrt.

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Ich muss auf Schatzsuche gehen. Nicht irgendwo. In den eigenen vier Wänden. Die Verwandlung in Indiana Jones begann mit einer eher unheimlichen Begegnung der dritten Art an meiner Haustür am letzten Wochenende. Während ich mich unter Zeitdruck auf den Weg zu einem Familientreffen machen wollte, klingelte es an der Tür. 

Vor mir stand ein Herr. Er erklärte mir, dass er in dem Reihenhaus, in dem ich jetzt wohne, seine Kindheit verbracht habe. Bei seinem Auszug (der definitiv ein paar Jahre her sein muss, weil der Eigentümer des Hauses mehrmals wechselte) habe er irgendwo eine grüne Metallbox auf dem Dachboden oder im Keller stehen lassen. Und die wolle er jetzt abholen. Dann die Frage: "Darf ich mich ein bisschen umsehen?" - verbunden mit einem energischen Schritt in Richtung Haustür. Das äußere Erscheinungsbild, Anliegen und Verhalten - das war mir alles zu suspekt.

Reflexartig schiebe ich meinen Fuß vor die Tür, es bleibt nur noch ein Spalt offen. Höflich verweise ich auf meine familiäre Verabredung. Mein Tonfall entspricht aber eher dem von Gandalf, als der sich in "Herr der Ringe" dem Drachen in den Weg stellt: "Du! Kannst nicht! Vorbei!" Diese Metabotschaft muss ich mehrmals senden, bis sie endlich ankommt. Nach fünf Minuten wendet er sich ab, bleibt plötzlich stehen, dreht sich um und zeigt mit dem Finger neben die Haustür.

Eine Beleidigung für alle ästhetisch anmutenden Gefäße auf dieser Welt 

"Die Vase gehört übrigens mir." Mein Blick wandert zum besagten Objekt. Das potthässliche Ding stand dort schon bei meinem Einzug vor einem Jahr. Ich ließ es nur deshalb an besagter Stelle, weil irgendjemand auf die glorreiche Idee kam, für den sicheren Stand des Ungetüms aus Steinware ein Loch in die Bodenplatte zu fräsen. "Bitte!", flehte ich ihn regelrecht an. "Nehmen Sie es mit!" Ich sagte "Es". Ein "Die" für Vase brachte ich nicht über die Lippen. Es wäre eine Beleidigung für alle ästhetisch anmutenden Gefäße auf dieser Welt gewesen.

Der Mann faselte was von Kindheitserinnerungen, klemmte sich das Teil unter den Arm und stiefelte von dannen. Das wiederum ging mir dann doch etwas zu schnell. Jetzt bin ich mir nicht sicher, ob ich von Waldi bei "Bares für Rares" nicht vielleicht doch 80 Euro für das Ding bekommen hätte. Und rede mir ein: Die kostbare Antiquität einer königlichen Porzellan-Manufaktur aus der Belle Époque hätte wohl niemand vor die Haustür gestellt.

Jetzt fiel mir die ominöse grüne Metallbox ein. Vielleicht steckt sie unterm Dach oder im Keller. Womöglich eingemauert in einem Hohlraum in der Wand? Selbst wenn nichts Wertvolles drin sein sollte - irgendetwas muss ich schließlich auf das Loch in der Bodenplatte stellen. Hässlicher als das nunmehr verschenkte Ding kann die Metallbox wohl nicht sein.


Zur Person

  • Matthias Bänsch ist Mitglied der Chefredaktion der OM-Medien.
  • Den Autor erreichen Sie per Mail an: redaktion@om-medien.de.

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