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Handicaps werfen Kegelbrüder nicht aus der Bahn

Der Kegelclub "Glatte 7" aus Langförden hält schon seit 70 Jahren an seiner Tradition fest. Der Freizeitsport hat im Laufe der Zeit jedoch vielerorts an Reiz verloren.

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Eine eingeschworene Gemeinschaft: Der Kegelclub „Glatte 7“ tritt sich einmal im Monat im Gasthaus Sgundek in Vechta. Mit von der Partie sind Alfons Meyer, Udo Lübben, Jan Beneke, Hartmut Kurzbach, Dieter Scheele, Werner Kreinest, Karl-Heinz Moormann und Peter Finkeldey (von links). Foto: Duzat

Eine eingeschworene Gemeinschaft: Der Kegelclub „Glatte 7“ tritt sich einmal im Monat im Gasthaus Sgundek in Vechta. Mit von der Partie sind Alfons Meyer, Udo Lübben, Jan Beneke, Hartmut Kurzbach, Dieter Scheele, Werner Kreinest, Karl-Heinz Moormann und Peter Finkeldey (von links). Foto: Duzat

Das Gesellschaftskegeln ist aus der Mode gekommen. Viele Gastwirte haben ihre Bahnen abgebaut, noch mehr Gruppen haben sich aufgelöst oder anderen Hobbys zugewandt. Aber der Kegelclub „Glatte 7“ hält an seiner Tradition fest. Er besteht bereits seit mehr als 70 Jahren. Jeden 2. Freitag im Monat treffen sich die Männer aus dem Raum Langförden, um gemeinsam in die Vollen zu gehen.

Die Stimmung beim jüngsten Kegelabend ist bestens, von Ermüdungserscheinungen keine Spur. Nur das dienstälteste Mitglied leidet unter einem Handicap. Jan Beneke ist im Eifer des Gefechts eine Kegelkugel auf den Fuß gefallen und nun bis auf Weiteres zum Zuschauen verdammt. „Ich gehe trotzdem zu unseren Treffen“, lacht der lebenslustige Rentner, der am diesjährigen Gründonnerstag seinen 79. Geburtstag feiert.

Von Männern der ersten Stunde ist niemand mehr dabei

Beneke gehört dem Kegelclub schon seit 52 Jahren an, hat mit einigen Gründungsmitgliedern noch selbst auf der Bahn gestanden. Von den Männern der ersten Stunde ist niemand mehr dabei. Dazu zählt auch der inzwischen verstorbene Karl Knagge aus Schneiderkrug. In seiner früheren Wirtschaft steht die Wiege der „Glatten 7“. Hier haben sich die Mitglieder seit der Geburtsstunde im Jahr 1951, abgesehen von einem vorübergehenden Ortswechsel, durchgängig getroffen.

Mit Schwung in die Vollen: Jeder Kegelbruder hat pro Abend 60 Wurf zu absolvieren. Foto: DuzatMit Schwung in die Vollen: Jeder Kegelbruder hat pro Abend 60 Wurf zu absolvieren. Foto: Duzat

Als das alteingesessene Lokal vor 3 Jahren seine Türen schloss, mussten sich die Kegelbrüder um eine neue Heimat bemühen. „Wir haben erst Mal mehrere Bahnen getestet“, verrät Clubpräsident Hartmut Kurzbach. Ganz leicht sei die Suche nicht gefallen, denn in Vechta und Umgebung hätten inzwischen mehrere Wirte ihre Kegelbahnen aufgegeben oder den Betrieb sogar komplett eingestellt.

Ausflüge sind fester Bestandteil der Clubgeschichte

Die Wahl ist schließlich auf das Gasthaus Sgundek im Süden der Kreisstadt gefallen. Hier fühlen sich die Kegelbrüder pudelwohl. Den wöchentlichen Rhythmus aus der Anfangszeit haben sie ad acta gelegt, aber einmal pro Monat wird abgeräumt. Jedes Mitglied absolviert 60 Wurf am Abend. Die Ergebnisse werden feinsäuberlich notiert, um die besten Spieler ermitteln und natürlich auch ehren zu können.

Neben der körperlichen Betätigung pflegen die Kegelbrüder die Geselligkeit. Bei Bier und Schnaps wird über Gott und die Welt geplaudert. „Es wird auch mal heiß diskutiert, aber es bleibt immer freundschaftlich“, berichtet Kurzbach. Zwischendurch erklingen immer wieder altbekannte Kegellieder. In solchen Momenten ist die Stadt Vechta um einen Männergesangverein reicher.

Mit gut geölten Stimmen gehen die Herren auch auf Tour. Jahresausflüge sind ein fester Bestandteil der Clubgeschichte. Sie finden ebenso wie die Kegelabende ohne weibliche Begleitung statt. Die Trips finanzieren sich aus der Gemeinschaftskasse. Sie ist gut gefüllt, denn kleine Sünden werden sofort bestraft. Wer einen Pudel wirft, einen blöden Spruch macht oder – noch schlimmer – unentschuldigt fehlt, muss zahlen.

Kassenwart Karl-Heinz Moormann kümmert sich jeden Abend um die Abrechnung. Er führt genau Buch über die Aktivitäten und organisiert auch die Jahresausflüge, gemeinsam mit dem Präsidenten. Ihre Posten stehen jedes Jahr aufs Neue zur Disposition. Aber das Votum ist irgendwie immer dasselbe: Wiederwahl. „Ich glaube, ich bin jetzt schon 20 Jahre Präsident“, schmunzelt Kurzbach, der seit nunmehr 34 Jahren dem Club angehört.

Er habe sich damals sehr geehrt gefühlt, als er in die Runde aufgenommen worden sei, so Kurzbach. Neuzugänge seien schon damals keine Selbstverständlichkeit gewesen. Inzwischen haben sich die acht Mitglieder im Alter von 55 bis 79 Jahren dazu entschlossen, in der jetzigen Konstellation zusammenzubleiben. Wobei es vermutlich ohnehin schwer wäre, Leute fürs Kegeln zu begeistern.

In den 1960er und 1970er Jahre war die Situation vielerorts noch eine ganz andere. Damals erlebte das Kegeln einen wahren Boom. Wirte konnten sich vor Anfragen kaum retten, Bahnen waren restlos ausgebucht. „Das hat sich sehr reduziert. Einige Vereine treffen sich noch, aber Kegeln ist nicht mehr das Primäre“, sagt Gastwirt Hans Sgundek, der sich noch gut an Wettbewerbe auf Stadt-, Kreis- und Bundesebene erinnern kann.

„Es gibt kaum Nachwuchs, Hallen und Bahnen werden dichtgemacht. Wir sind eine aussterbende Sportart.“Herbert Stroppe, Schriftführer des Keglerverbands Niedersachsen

Nicht nur das Gesellschaftskegeln ist out, auch das Sportkegeln hat an Reiz verloren. Das zeigt die Entwicklung auf Landesebene ganz deutlich. Die Keglerverband Niedersachsen zählte im Jahr 2002 etwa 10.200 Mitglieder. Heute sind es 2100, also nur noch ein Fünftel, wie Schriftführer Herbert Stroppe aus Peine berichtet. „Es gibt kaum Nachwuchs, Hallen und Bahnen werden dichtgemacht. Wir sind eine aussterbende Sportart“, sagt er.

Auch die Tage des Kegelclubs „Glatte 7“ sind irgendwann gezählt. Aber bis es soweit ist, wollen die Herren an ihren geselligen Treffen festhalten, notfalls auch ohne Kugeln. „Wir halten durch bis zum Ende“, versichert Beneke. Ob und wann er mit seinem lädierten Fuß wieder in die Vollen gehen kann, weiß er nicht. Aber das Geburtstagskind versichert: „Beim nächsten Mal gebe ich eine Runde aus.“

Hat alles im Blick: Karl-Heinz Moormann notiert die Ergebnisse und führt zugleich die Finanzen. Foto: DuzatHat alles im Blick: Karl-Heinz Moormann notiert die Ergebnisse und führt zugleich die Finanzen. Foto: Duzat

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