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Häftling benahm sich total daneben – noch mehr als sonst üblich

Kolumne: Recht hat, wer Recht bekommt – Beleidigungen gegen Bedienstete kommen öfter mal vor. Doch dieser 24-Jährige schlug völlig über die Stränge.

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Das war schon heftig, was der Staatsanwalt in seiner Anklage dem 24-jährigen Häftling der Vollzugsanstalt Vechta vorwarf. Es ging um Sachbeschädigung und um Beleidigungen. Beides erfahren die Bediensteten schon mal öfter. Diesmal war es aber schon heftiger.

Der Angeklagte, aus Marokko stammend, war eigentlich über Frankreich nach Deutschland gekommen, um hier zu arbeiten. Er hatte seine Heimat verlassen, weil seine Mutter nach Frankreich geflüchtet war und sein Vater nach wie vor in der Heimat als Polizeibeamter tätig ist, was dem jungen Mann wohl nicht passte. Hier in Norddeutschland war er in der Drogenszene tätig, wurde straffällig, die Liste der Vorstrafen stieg an bis zum Raub, einer räuberischen Erpressung und Körperverletzung gegen einen Polizeibeamten.

"Er war noch nicht lange da, schon stieg die Zahl der Ärgernisse, die der Häftling mit Mitgefangenen, aber auch mit dem Justizpersonal sammelte."Klaus Esslinger

Als er nach Vechta in die Haftanstalt für Jungtäter kam, hatte er eine Strafe von 4 Jahren und 6 Monaten abzusitzen. Er war noch nicht lange da, schon stieg die Zahl der Ärgernisse, die der Häftling mit Mitgefangenen, aber auch mit dem Justizpersonal sammelte. Rund 100 Einträge habe der Mann, so wurde berichtet. Am 3. August 2021 um 7.15 Uhr schleuderte er in seiner Zelle einen Stuhl derart gegen die Zellentür, dass das Möbelstücke (Kosten 145 Euro) auseinanderfiel. Eine Justizbeamtin holte ihn schließlich aus der Zelle und ging mit ihm ins Büro, um die Sache zu hinterfragen und zu dokumentieren. Auf diesem Weg beleidigte der 24-Jährige die Frau viermal hintereinander mit den Worten, sie habe ihn sexuell belästigt.

"So was sei in ihrer langen Berufszeit noch nicht passiert, und sie habe sich sehr verletzt gefühlt, so die Frau als Zeugin. Auf Anraten seines Verteidigers wollte der Angeklagte sich bei der Zeugin entschuldigen, das nahm die Frau verständlicherweise aber nicht an. Da sein Aufenthalt an der Willohstraße in Vechta nicht mehr tragbar war, wurde er nach Sehnde verlegt, und dort laufe es besser, so der Angeklagte. Der Staatsanwalt beantragte gegen den Mann wegen Sachbeschädigung und Beleidigungen eine hohe Geldstrafe. Der Strafrichter entschied sich jedoch für eine Freiheitsstrafe, die er auf 4 Monate und eine Woche festlegte. Sie wird an seine jetzige Haftzeit angehängt, was möglicherweise noch nicht seine letzte Haftstrafe ist, wie aus dem Umfeld der Justizvollzugsanstalt vermutet wurde.


Zur Person:

  • Klaus Esslinger ist Gerichtsreporter und war viele Jahre Lokalchef der Oldenburgischen Volkszeitung.
  • Kontakt zum Autor erhalten Sie per E-Mail an redaktion@om-medien.de.

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