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Guten Tag, guten Tag, ich will mein Leben zurück

Kolumne: Das ganz normale Leben – Die Aufregung um Pater Karls Beitrag zum Impfen im Freizeitpark war groß. Aber bleibt uns wirklich eine Alternative, als uns impfen zu lassen?

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Ja, mein guter Freund und Kolumnenkollege Pater Karl blies an dieser Stelle bereits vor 2 Wochen ins gleiche Horn: "Ihr Impfmüden, auf zum Freizeitpark!" Ja, die Aufregung in den anschließenden Leserbriefen war groß. Und ja, ich bin erschüttert von der nach wie vor ungeahnt hohen Zahl impf­-unwilliger Bedenkenträger, die so gut wie alle ärztlich vorgetragenen Argumente zur Seite wischen und offenbar schlauer sind als der Rest der Welt.

Wie können im 21. Jahrhundert halbwegs progressiv aufgewachsene und mithin naturwissenschaftlich einigermaßen geschulte Zeitgenossen überhaupt den Erfolg dieser Impfung in Zweifel ziehen? Meiden sie den Blick in die Geschichtsbücher? Ignorieren sie, dass fast alle Geißeln der Menschheit ausschließlich durch Impfungen niedergekämpft wurden, dass noch vor 130 Jahren auch Südoldenburger reihenweise an Cholera starben, dass noch in den 1960ern Poliokranke auch über die Große Straße humpelten, dass schließlich die Pocken erst seit 1979 als überwunden gelten, weil man zuvor über fast 20 Jahre hinweg massenweise geimpft hat? Selbst Tetanus, Diphterie und die Masern sind allein dank wirksamer Impfung nahezu verschwunden – und nicht, weil wir dagegen schicke Globuli oder italienische Mineralwässer konsumierten.

Besonders eigenartig ist das zu Ende gedachte Impfgegner-Szenario eines Misserfolges: Angenommen, alle bis dato Geimpften stürben in den nächsten 10 Jahren an irgendwelchen Spätfolgen, blieben dann die heutigen Impfgegner als kleine intellektuelle Elite zurück, um ein neues Land aufzubauen wie in endzeitlichen Kinofilmen, mit post-kapitalistischer Wirtschaftsordnung, Tofuschnitten und hoheitlich verordneter Alternativmedizin?

"Nun, liebe Spinner, zurück an Bord, lasst Euch endlich impfen."Christian Bitter

Queen-Gitarrist Brian May brachte es kürzlich im britischen Independent auf den Punkt: "Anti-vax people, I’m sorry, I think they are fruitcakes". Fruitcakes sind in diesem Zusammenhang keine Obstkuchen, sondern entsprechen dem hiesigen Wort "Spinner", bezeichnen laut Duden also Personen, die "wegen ihres spleenigen Verhaltens auffallen und zuweilen als Außenseiter betrachtet werden".

Nun, liebe Spinner, zurück an Bord, lasst Euch endlich impfen, oder, um es mit einem alten deutschen Volkslied zu sagen: "Guten Tag, guten Tag, ich will mein Leben zurück". Und ich will nicht noch einen Stoppelmarkt darauf warten.


Zur Person:

  • Christian Bitter ist Chef der Werbeagentur Bitter & Co. in Calveslage.
  • Er studierte Germanistik und war Leiter der Werbe-Redaktion der OV.
  • Den Autor erreichen Sie per E-Mail an: redaktion@om-medien.de

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