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Grüß mal wieder!

Kolumne: Notizen aus dem wahren Leben – Früher war Grüßen selbstverständlich, heute existiert diese Umgangsform bei Vielen nicht mehr. Dabei gibt es gute Gründe fürs Grüßen.

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"Moin!" Dieser Gruß ist mir seit frühester Kindheit geläufig. Nicht zu grüßen, früher einfach undenkbar! Auf dem Land galt als Benimmregel Nummer 1 für Kinder: "Das Dorfkind grüßt immer und jeden!"

Nun war Cloppenburg zwar kein Dorf, aber diese Grußregel galt auch hier. Für mich war es daher ganz selbstverständlich, alle Menschen, die ich treffe, freundlich zu grüßen. Außer, mir kam die Lehrerin aus dem 1. Schuljahr entgegen. Dann sah die Sache anders aus. Sie verfolgte den missionarischen Auftrag, mich als Linkshänderin beim Schreiben in eine Rechtshänderin umzudressieren. Wie damals üblich, war sie nicht zimperlich, um dieses Ziel zu erreichen. Sobald ich sie von Weitem sah, habe ich alles getan, um aus ihrem Blickfeld zu kommen. Meistens ist mir das auch gelungen. Auf keinen Fall wollte ich für sie den Grüßaugust machen.

Heute hätte ich mir die Mühe gar nicht mehr machen müssen. Die Umgangsform zu grüßen, existiert bei Vielen nicht mehr. Ich bin immer wieder überrascht, was beim Grüßen passiert. So war ich vor Kurzem in einer Bank in Cloppenburg. Wie es sich für mich gehört, habe ich freundlich "Moin" gesagt. Der vor mir stehende Kunde am Geldautomaten und der Bankmitarbeiter hinter seinem Schalter sahen mich trotz eines mehr als hinreichenden Corona-Sicherheitsabstands verdattert an. Damit hatten beide nicht gerechnet. Der Bankmitarbeiter grüßte pflichtschuldigst mit einem "Moin" zurück. Im Blick des Kunden eher die bange Frage: Warum macht die das? Ist das ein Trick, mich auszuspionieren, um mein Bankkonto plündern zu können?

"Auch bei unseren neuen syrischen Nachbarn kam ein ,Moin' gut an."Elisabeth Schlömer

Auf der Straße läuft es in diesem Punkt auch nicht immer rund. Gegrüßt werde ich meist nur von Freunden, Bekannten und Nachbarn. Ansonsten eher Fehlanzeige. Offenbar uncool geworden! Wenn ich Fremde grüße, reichen die Reaktionen von Gruß zurück bis zum völligen Ignorieren meiner Person. Bei den Jüngeren oft auch noch der Ausdruck im Gesicht, was will die überhaupt von mir?

Aber es gibt auch versöhnliche Momente. Bei einem Spaziergang mit unserem Hund Amy in Dwergte ist ein einfaches "Moin" bei einer holländischen Familie auf eine erfreulich positive Resonanz gestoßen. Es entwickelte sich ein tolles Gespräch, gute Laune inbegriffen. Auch bei unseren neuen syrischen Nachbarn kam ein "Moin" gut an. Zuerst kam nur ein zögerndes Lächeln zurück. Aber schon nach kurzer Zeit: "Wie geht's Dir? Gut!" Strahlendes Lächeln. "Und Dir?" Daumen hoch und wieder ein strahlendes Lächeln.

Es geht um Respekt

Ja, ein Gruß kann so wichtig sein. Er zeigt, dass ich mein Gegenüber respektvoll wahrnehme und ist eine Einladung, ins Gespräch zu kommen. So werde ich auch weiterhin die Menschen, die mir begegnen, freundlich anlächeln und mit einem "Moin" grüßen. Und auch wenn sie meinen Gruß nicht erwidern: Wer weiß, vielleicht hat es sie doch gefreut! Daher mein Aufruf an alle: "Grüßt mal wieder!"


Zur Person

  • Elisabeth Schlömer (65) wohnt in Cloppenburg.
  • Sie war Leiterin des Ludgerus-Werkes Lohne bis zu ihrem Ruhestand 2019. Momentan ist sie ehrenamtlich tätig bei den "Machern – zu jung um alt zu sein" und beim SKF Cloppenburg.
  • Die Autorin erreichen Sie unter: redaktion@om-medien.de.

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