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Grundschülerinnen zeichnen Werte wie Liebe, Respekt oder Gleichbehandlung

Im Projekt "Wertekids" setzen sich die Kindern auf eine spielerische und künstlerische Art und Weise mit Themen wie Demokratie, Menschenrechte, Vorurteile und die eigene innere Haltung auseinander.

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Die Bedeutung von Zusammenarbeit erfahren die 11 Grundschülerinnen bei dem Spiel "Turmbau", denn nur gemeinsam können sie das Ziel erreichen. Foto: C. Fischer

Die Bedeutung von Zusammenarbeit erfahren die 11 Grundschülerinnen bei dem Spiel "Turmbau", denn nur gemeinsam können sie das Ziel erreichen. Foto: C. Fischer

Eine konzentrierte, künstlerische Stille herrscht an diesem Samstag in der Liebfrauenschule. Farben werden gemischt, Pinsel streichen über die Leinwand, und nach und nach nehmen die Bilder konkrete Formen an. Bei Emma ist auf der rechten Seite der Leinwand eine Schildkröte zu sehen, die durch ein Korallenriff schwimmt. Die 9-Jährige zeigt auf die andere Bildhälfte und erzählt,  sie wolle dort die Verschmutzung der Meere darstellen. Aus einem Kartoffelnetz will sie  ein Fischernetz basteln. Emma möchte mit ihrem Gemälde den Wert Naturschutz im Wasser künstlerisch darstellen.

Gemeinsam mit Fenja, Emma „2“, Sophie, Eva, Alexia, Isabelle, Greta, Marlene, Fiona und Evelin nimmt sie an dem Projekt „Werte-Kids“ teil. Die Schülerinnen der Overbergschule investieren dabei ihre Freizeit, und zwar jeweils 6 Stunden an 3 Samstagen.

In der Regel würden 80 Prozent Mädchen und 20 Prozent Jungen an dem Projekt teilnehmen, berichten die Organisatoren. Kerstin Dieker, die Leiterin der Overbergschule meint, das liege an der unterschiedlichen Freizeitgestaltung der Kinder, denn „wir haben durchaus kreative Jungs“. Viele davon seien aber während der Projektzeit einfach auf dem Fußballplatz.

Am ersten Projektsamstag ging es darum, herauszufinden, was Werte sind und wie wertvoll man selber ist. Was bedeutet es, wenn jemand als allerbeste Freundin bezeichnet und gewertet wird? Sind dadurch die anderen Freundinnen weniger wert? So wurden den Schülerinnen mit konkreten Beispielen aus ihrem Leben und anhand von Spielen Werte erfahrbar gemacht. Dazu diente beispielsweise das Spiel „Turm bauen“ - hier läuft es im Teamwork, aber was passiert, wenn der Turm zusammenbricht, gibt es dann einen Schuldigen, oder wie geht die Gruppe damit um.

Auf ganz praktische Weise verdeutlichten die Verantwortlichen die Herausforderungen und Voraussetzungen, um als Gesellschaft zusammenleben zu können. Bei den „Werte-Kids“ geht es darum, Grundschülern der 2. bis 4. Klasse demokratische Werte spielerisch und durch Kunst bewusst und erfahrbar zu machen. Pro Kalenderjahr werden 3 dieser Kurse mit jeweils 12 Teilnehmern veranstaltet. Eigentlich ist das Projekt schulübergreifend angelegt, sodass in jedem Kurs idealerweise 4 Mitglieder von den 3 beteiligten Schulen untergebracht sind.

2021 wirken Schüler der Lioba-, Overberg- und der Grundschule Hagen an dem Projekt mit

In diesem Jahr nehmen Schüler der Liobaschule, der Overbergschule und der Hagener Grundschule an dem Projekt teil. Coronabedingt wurden die Kurse jedoch nicht gemischt, sondern nach Schulen aufgeteilt. Diese entscheiden auch selbst darüber, wer ein „Werte-Kid“ wird. Emma „2“ erzählt, dass an ihrer Schule ganz viele an dem Kunstprojekt teilnehmen wollten und die Teilnehmer daher ausgelost wurden. „Werte-Kids“ wird für 3 Jahre (2020 bis 2022) gefördert, und zwar von der Stadt Vechta, der Bürgerstiftung Vechta, der Volksbank Vechta, der Welker-Stiftung sowie der Schulstiftung St. Benedikt. Die Liebfrauenschule stellt die Räumlichkeiten zur Verfügung. „Werte-Kids“ wurde nach Angaben der Verantwortlichen bereits erfolgreich 2018, 2019 und 2020 durchgeführt.

Geleitet wird „Werte-Kids“ von Catherine Herrgott und Melanie Fischer. Sie werden dabei von Christian Fischer und Julienne Herrgott unterstützt. Christian Fischer ist stolz auf seine Schützlinge und lobt ihre Reflexionsfähigkeit. Er spricht von einer Hochleistungsgruppe, mit der er als Pädagoge richtig tief inhaltlich arbeiten könne.

Den 11 Schülerinnen macht das Kunst- und Demokratieprojekt offensichtlich viel Spaß. Mit strahlenden Augen und voller Begeisterung erzählen sie von ihren Unternehmungen und Erlebnissen. Gleichzeitig erläutern sie mit großer Ernsthaftigkeit, warum sie sich für einen bestimmten Wert entschieden haben, welche Bedeutung dieser für sie hat und welche Konsequenzen sie daraus für ihr Leben ziehen.



Für Sophie hat der Wert Zusammenhalt eine große Bedeutung. Die 9-Jährige spielt bei SFN Vechta Handball und sagt: „Wenn du gewinnen willst, musst du als Team spielen und zusammenarbeiten.“ Ihr hat an dem Projekt besonders gefallen, dass Menschen um sie herum waren, die sie mag. Fenja sagt,  „Werte-Kids“ bedeute, andere Menschen zu respektieren. Emma ergänzt diese Aussage: „Wir sind alle gleich und sollten alle gleich behandelt werden.“

Am 17. Juli werden die 11 ihre Bilder fertigstellen. Natürlich würden sie gerne eine richtige Ausstellung zum Abschluss des Projektes im Vechtaer Rathaus veranstalten, doch das steht noch nicht fest. Daher wollen sie, wie bereits im letzten Jahr, einen kleinen Film drehen. In diesem werden die jungen Künstlerinnen ihre Werte und ihre Bilder vorgestellt. Aber mit ihrer Schulleiterin haben die Malerinnen bereits vereinbart, dass ihre Bilder später in der Schule aufgehängt werden. 

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