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Grundschüler erleben in Projekt Werte

In dem Vechtaer Projekt machen Pädagogen Werte spielerisch und durch Kunst erfahrbar. Ein zentrales Thema ist Demokratie.

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Ein Ergebnis intensiver Arbeit: Ihre Bilder zeigen die Teilnehmer ab dem 17. November bei einer eigenen Ausstellung im Rathaus. Fotos: Heinzel

Ein Ergebnis intensiver Arbeit: Ihre Bilder zeigen die Teilnehmer ab dem 17. November bei einer eigenen Ausstellung im Rathaus. Fotos: Heinzel

Es ist Samstag. Eigentlich hätten sie heute frei. Doch Maya, Svea, Ben, Jesse, Charlott, Marlene, Carlotta und Anni haben sich außerhalb des regulären Unterrichts im Kunstraum der Liebfrauenschule eingefunden um ihren Malereien den letzten Schliff zu geben. Die Stimmung ist entspannt und die Grundschüler sind mit Begeisterung bei der Sache. Die Vorfreude auf das spätere Eis essen schimmert hier und da natürlich auch durch.

Es ist der dritte Projektsamstag, an dem sie, als Teilnehmer des zweiten Kurses, sechs Stunden in das Kunstprojekt „Werte-Kids“ investieren. Die acht kommen von der Marienschule in Oythe und der Grundschule Langförden. Geleitet wird das Ganze von Catherine Herrgott und Melanie Fischer.

Das Team erklärt: Prinzipiell gehe es bei den „Werte-Kids“ darum Grundschülern der 2. bis 4. Klasse demokratische Werte spielerisch und durch Kunst bewusst und erfahrbar zu machen. Das Projekt ist schulübergeifend angelegt. Das heißt: Neben den bereits genannten Bildungseinrichtungen ist noch die Christopherusschule beteiligt. Pro Kalenderjahr werden drei Kurse mit jeweils zwölf Teilnehmern veranstaltet. In jedem Kurs sind idealerweise vier Mitglieder von den drei beteiligten Schulen, die selbst entscheiden, wen sie für das Projekt auswählen.

Stadt und Stiftungen finanzieren das Projekt

„Werte-Kids“ wird für drei Jahre (2020 bis 2022) gefördert und zwar von der Stadt Vechta, der Bürgerstiftung Vechta und der Welker-Stiftung Die Schulstiftung St. Benedikt und die Liebfrauenschule stellen die Räumlichkeiten zur Verfügung. „Werte-Kids“ wurde bereits erfolgreich 2018 und 2019 durchgeführt, so die Verantwortlichen.

Malen ist allerdings nur ein kleiner Teil des Projektes, erzählt Melanie Fischer. Die Pädagogin betont die spielerische Vorgehensweise, bei der die Kinder Werte ganz konkret erleben sollen.

Marlene hat nicht nur Fantasie, sie malte den Wert auch als Gemälde.
Foto: Heinzel
Maya hat sich für den Wert der Treue entschieden. Ihr Bild symbolisiert diese Eigenschaft.
Foto: Heinzel
Anni entschied sich für Kreativität und ihre Idee für die Umsetzung des Wertes in ein Bild zeigt sie auf diesem Bild.
Foto: Heinzel
Sveas Bild steht für den Wert Gesundheit
Foto: Heinzel
Charlott hat sich - genau wie Svea - mit dem Wert Gesundheit beschäftigt.
Foto: Heinzel
Ben spielt Fußball und hat sich den Wert der Fairness als Grundlage für sein Kunstwerk herausgesucht.
Foto: Heinzel
Carlotta bedeutet Freiheit sehr viel, daher zeichnete sie diesen Wert.
Foto: Heinzel
Jesse zeigt das Peacezeichen. Sein Bild steht für den Wert Frieden.
Foto: Heinzel

So geht es etwa beim Verstecken spielen in der Schule darum, fröhlich und glücklich zu sein. „Ganz wichtig dabei ist, das die Entscheidungen von der Gruppe gemeinsam getroffen werden“, berichtet sie. Catherine Herrgott sagt: „Erst einmal haben wir gesammelt was Werte sind.“ Denn eben diese Werte seien das Grundgerüst, dass unser Miteinander leite. Wichtig seien zudem Gefühle und Empfindungen, die Kinder mit bestimmten Werten verbinden.

Dabei sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Für Grundschülerin Marlene ist Fantasie ein zentraler Wert. Maya zeigt auf die Verbindungen in ihrem Bild, welche ganz viele Punkte aneinanderkoppeln und sagt: „Ich finde es wichtig, das Menschen zusammenhalten.“ Ihr Bild symbolisiert Treue. Ben bedeutet Fairness sehr viel. Der Neunjährige betont dabei die Bedeutung von Regeln und deren Einhaltung.

Lebenswelt der Kinder füllt die Leinwand

Hört man den Kindern zu, wie sie ihre Bilder und deren gezeigte Werte beschreiben, wird deutlich wie Haltungen und Orientierungen durch eigene Erfahrungen geprägt werden. Maya und ihre kleine Schwester Nina etwa helfen sich immer wieder gegenseitig und stehen einander bei. Ben kickt beim Sportverein Blau Weiß Langförden. Marlene hat gemeinsam mit ihrem Bruder aus einem Pappkarton ein Flugzeug gebaut und damit spannende Abenteuer erlebt – durch ihre Fantasie. Das spannende an den Kunstwerken ist für das Werte-KidsTeam und die Teilnehmer aber auch, dass sie Spielraum für Interpretationen lassen. Ben hat ein Netz in sein Bild integriert: „Wenn man hinfällt, soll es einen auffangen“ ist eine der Deutungen, die aus der aufgeweckten Schülerrunde kommen.

Maya, Svea, Ben, Jesse, Charlott, Marlene, Carlotta und Anni tauschen sich aus, reden, spielen und lernen von- und miteinander. Dabei werden sie von der Projektleitung unterstützt. Charlott war Teamwork und das Treffen gemeinsamer Entscheidungen während des Projektes sehr wichtig und dass man sich traut zu sagen was man nicht möchte. Das will sie in Zukunft während des Spielens mit ihrem Bruder und Cousin umsetzen.

Svea fasst ihre Erfahrung in die Worte: „Alle sind eine große Blüte und wir sind die einzelnen Blütenblätter“; oder wie Jesse es für sein Bild „Frieden“ formuliert: „Alle Menschen sind unterschiedlich, aber gleich viel Wert."

Die Arbeiten der acht- und neun Jahre alten Künstler werden ab dem 17. November 2020 im Vechtaer Rathausfoyer zu sehen sein. Die acht sind gespannt auf die Reaktionen der Besucher. Dabei wirken sie durchaus abgeklärt. Maya etwa sagt selbstbewusst: „Es ist mein Bild und mein Geschmack.“

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