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Gründer und Investor nehmen "Pinky Gloves" vom Markt

Irene Keller, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Cloppenburg, wirbt für eine weitere Enttabuisierung des Themas Menstruation. Sie hält das Produkt für überflüssig.

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Ralf Dümmel war bei den Gründern eingestiegen. Nun ist das Produkt vom Markt genommen worden. Foto: dpa

Ralf Dümmel war bei den Gründern eingestiegen. Nun ist das Produkt vom Markt genommen worden. Foto: dpa

Online kamen Nutzer kaum an dem Thema vorbei: Pinke Gummihandschuhe aus der Sendung "Höhle der Löwen" haben eine große Debatte um das Thema Menstruation und die Stigmatisierung dieser ausgelöst. 2 Männer stellten sich in der Sendung mit ihrem Produkt "Pinky Gloves" als "Frauenversteher" vor, die ein Problem gelöst hätten: Mit Latexhandschuhen inklusive Klebestreifen könnten Perioden-Einwegprodukte hygienisch, sicher, geruchsneutral und diskret entsorgt werden.

Ralf Dümmel investierte in die Idee der Gründer, die Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten: Das vermeintliche Problem, scheint es für die meisten Frauen gar nicht zu geben. Stigmatisierung der Periode, Sexismus, unnötiger Plastikmüll… - die Liste der Vorwürfe ist lang. Am Montagabend haben die Gründer, die einer enormen Hasswelle ausgesetzt sind, reagiert. Sie verkündeten, das Produkt vom Markt zu nehmen. Die Debatte um die Stigmatisierung der Menstruation hält aber an.

Irene Keller. Foto: Stadt Cloppenburg  PenningIrene Keller. Foto: Stadt Cloppenburg / Penning

Irene Keller, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Cloppenburg, stellte im Gespräch mit OM online klar: "Dieses Produkt ist ein Rückschritt in der Aufklärung über Menstruation." Ihr Job sei nicht einfach. Keller werde häufig mit der Frage konfrontiert, ob man 2021 diese Stelle überhaupt noch brauchen würde. "Gleichstellung ist immer noch absolut notwendig, das merke ich in meiner Arbeit." Keller setzt sich für Frauen ein, sei es bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie, ungleicher Bezahlung oder häuslicher Gewalt.

Keller sagte zu den pinken Handschuhen: "Ich finde es grundsätzlich gut, dass sich Männer mit dem Thema Menstruation beschäftigen." Das Produkt an sich empfindet sie jedoch als ziemlich sinnlos und nicht besonders innovativ. "Dass die Menstruation als ein Problem  beziehungsweise als ekelig dargestellt wird, ist sehr abwertend", erklärte Keller. Die Gründer hatten zu ihrer Ideenfindung erklärt, dass sie Periodenprodukte der Mitbewohnerin im Badezimmermülleimer entdeckt haben und "verwundert" waren.

Thema Müll ist ein weiterer Aspekt 

Das Thema Müll ist ein weiterer Aspekt, mit "Pinky Gloves" wird mehr Abfall als bisher produziert, obwohl es mit der Menstruationstasse und Periodenunterwäsche mittlerweile viele nachhaltige Alternativen gibt. Den Umweltaspekt kritisiert Keller auch. Genauso wie die Farbe – das Produkt samt Werbung und Name bestimmt die Farbe Pink, Keller sagt dazu: "Das ist sehr fragwürdig. Damit wird gesagt, dass das nur für Frauen ist und alle Frauen Pink toll finden." Dabei könnten gewöhnliche Latexhandschuhe in anderen Farben, günstiger erworben und genauso für diesen Zweck verwendet werden.

Keller wünscht sich, dass in der Zukunft in der Gesellschaft mit dem Thema Menstruation offener umgegangen wird. "Das ist nichts, wofür man sich schämen müsste. Mehr als die Hälfte der Menschheit menstruiert. Das ist ganz natürlich und kein Problem." Um jungen Menschen das deutlich zu machen, könnte das Thema besser ausgestaltet im Schulunterricht eingebunden werden, schlägt Keller vor. "Es tut gut, wenn das in einer Sendung zur Prime Time behandelt wird. Durch die Diskussion wird darüber gesprochen, die Menschen beschäftigen sich damit und das Thema wird mit Leben gefüllt."


Kommentar zu diesem Thema von Fenja Hahn (Volontärin):

2 Männer nehmen sich eines Frauenproblems an, das es gar nicht gibt: Lange und hart wurde daran gearbeitet, das Tabu des Themas Menstruation zu brechen. Die Gründer suggerierten mit "Pinky Gloves", dass alles möglichst diskret ablaufen muss und es eines weiteren Wegwerf-Produktes bedarf. Das Gegenteil ist der Fall, das war ihnen offenbar gar nicht bewusst. Das riesige Medienecho und die Debatte darüber zeigt, wie weit wir unserer Gesellschaft mit der Enttabuisierung der Periode schon sind. Es zeigt aber auch, dass weiterhin noch viel Aufklärungsarbeit geleistet werden muss. Deutlich wird jedoch einmal mehr, dass Mobbing und Gewaltandrohungen in sozialen Netzwerken leider kein Einzelfall sind. Die Gründer sehen sich teils mit Morddrohungen konfrontiert. Ein Missstand der Debattenkultur im Netz, den es zu verurteilen gilt.

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