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Grünabfallentsorgung sorgt auf Vördens Friedhof für Frust

Bürger beklagen die komplizierten Möglichkeiten der Müllentsorgung auf dem Gelände. Besonders für ältere Menschen sei das eine Herausforderung. Die Gemeinde verteidigt ihre Strategie.

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Überall auf dem Friedhof stehen nun Schubkarren, mit denen der Grünabfall zu einem Container gefahren werden kann. Bürger beklagen, dass dies für Ältere nur schwer möglich sei. Foto: Scholz

Überall auf dem Friedhof stehen nun Schubkarren, mit denen der Grünabfall zu einem Container gefahren werden kann. Bürger beklagen, dass dies für Ältere nur schwer möglich sei. Foto: Scholz

Die Eingangsmauer ist saniert. Die Gräber ordentlich gepflegt. Der sogenannte "alte" Friedhof in Vörden macht einen friedlichen und ordentlichen Eindruck. Diesen haben auch die Vördener von ihrem Friedhof. Wäre da nicht ein kleines Problem: die Grünabfallentsorgung. Diese gestaltet sich nämlich etwas kompliziert.

Wer sein zu pflegendes Grab nahe dem Eingangsportal hat, muss einen ganz schön weiten Weg auf sich nehmen, um eventuellen Grünabfall zu entsorgen. Zunächst einmal eine Schubkarre geschnappt, die - wie ein Einkaufswagen im Supermarkt auch - mit einem 2-Euro-Stück gelöst werden kann. Die Karre beladen geht es auf dem Friedhofsgelände entlang auf die andere Seite. Entweder über einen relativ schmalen Weg hinter der Kapelle vorbei oder über die Rasenfläche, die besonders jetzt im Winter oft durchnässt ist. Dann, endlich angekommen, kann der Grünabfall aus der Schubkarre gehoben und über einen Zaun in ein Auffangbecken geworfen werden. Für Restmüllabfall, wie etwa Grablichter, steht ein Container hinter dem Zaun bereit. 

Eine ordentliche Tortur, die den Vördenern hier zugemutet wird. Dementsprechend groß ist der Frust bei einigen Bürgerinnen und Bürgern. Sie beklagen, dass besonders für den älteren Teil der Bevölkerung das nicht zu bewältigen sei. Mehrmals hätten sie schon auf diesen unglücklichen Umstand hingewiesen - allerdings recht erfolglos, berichtet eine Vördenerin, die anonym bleiben möchte. Die älteren Menschen seien es halt meist, die die Gräber pflegen würden.

Friedhofsbesucher nehmen teils Grünabfall mit wieder nach Hause

Hinter dem Zaun kann sowohl der Restmüll, als auch der Grünabfall entsorgt werden. Die Gemeinde möchte an dieser Stelle aber noch nachbessern. Foto: ScholzHinter dem Zaun kann sowohl der Restmüll, als auch der Grünabfall entsorgt werden. Die Gemeinde möchte an dieser Stelle aber noch nachbessern. Foto: Scholz

Und so kommt es, dass einige Friedhofsbesucher sich mittlerweile Tüten mitbringen würden, um die Abfälle wieder mit nach Hause zu nehmen. Schlussendlich, um sich die Tortur zu ersparen. Großes Unverständnis herrscht auch über die Tatsache, dass zwischenzeitig aufgestellte Mülltonnen auf dem Gelände kurzerhand wieder entfernt worden seien und durch Chip-Schubkarren ersetzt worden sind. 

Norbert Rechtien, der für die Instandhaltung des Vördener Friedhofs mit verantwortlich ist, hat das Problem auch von meherern Bürgern geschildert bekommen und versteht auch deren Kritik. "Nicht alle fahren ihren Grünabfall nach hinten. Einige schmeißen ihn vorne in den Mülleimer vor dem Friedhof oder sonst wohin", berichtet der 71-Jährige. Er könne es nachvollziehen, dass es besonders für die Älteren schwierig sei, den Grünschnitt bis ans andere Ende des Friedhofes zu karren. 

Wäre nicht dann die Lösung, auf dem gesamten Gelände Körbe für Grünabfälle aufzustellen? Nein, meint Rechtien. Diese müssten dann nämlich regelmäßig geleert werden, was für ihn mit seinen nur begrenzten Stunden kaum möglich sei. Zudem sei es in der Vergangenheit immer wieder zu Missbrauch der vorhandenen Müllentsorgungsmöglichkeiten gekommen. Zu Grünabfällen hätten sich oft auch alte Grablichter und ähnliches gesellt. Das Ganze ist laut Rechtien ein Dilemma. "Wenn du das eine machst, hast du schnell das andere Problem", berichtet Rechtien. Die Müllentsorgung über den Zaun sehe er aber auch als problematisch an.

In der Vergangenheit hat es öfter Probleme mit der Mülltrennung gegeben

Auch der Friedhofspfleger habe bereits mit der Gemeinde gesprochen. Was sagt diese eigentlich zu dem geschilderten Problem? Dazu erklärt Bürgermeister Ansgar Brockmann: "An die Gemeinde Neuenkirchen-Vörden ist bislang vereinzelt der Wunsch herangetragen worden, auf dem ,alten' Friedhof eine Entsorgung der Grünabfälle zu ermöglichen." In der Vergangenheit habe die Gemeinde deshalb bereits Mülleimer aufstellen lassen.

Einen ziemlich langen, unbefestigten, Weg müssen die Vördener zurücklegen, um an die Abfallstation auf dem Friedhof zu gelangen. Am Rande befindet sich nur ein schmaler gepflasterter Weg. Foto: ScholzEinen ziemlich langen, unbefestigten, Weg müssen die Vördener zurücklegen, um an die Abfallstation auf dem Friedhof zu gelangen. Am Rande befindet sich nur ein schmaler gepflasterter Weg. Foto: Scholz

Das stellte sich laut Brockmann aber schnell als Problem dar. "Leider wurde der dort eingebrachte Abfall nicht getrennt und musste somit als gemischter Abfall teuer entsorgt werden. Aus diesem Grund haben wir uns dazu entschieden, die Mülleimer wieder abzubauen", erläutert Brockmann. Alternativ seien nun die Schubkarren aufgestellt worden. Die von einigen Bürgerinnen und Bürgern vorgeschlagene Variante mit Körben auf dem gesamten Gelände würde einen hohen Personalkostenaufwand mit sich bringen, da es zu einer regelmäßigen Leerung kommen müsste.

Ich weise darauf hin, dass an anderen (kirchlichen) Friedhöfen in der Gemeinde nur noch Grünabfälle entsorgt werden können."Ansgar Brockmann, Bürgermeister Neuenkirchen-Vörden

Der Bürgermeister betont auch, dass durch die Umstrukturierung der Abfallentsorgung die Kosten dafür um 45 Prozent gesenkt worden sind. Zudem sagt Brockmann: "Ich weise darauf hin, dass an anderen (kirchlichen) Friedhöfen in der Gemeinde nur noch Grünabfälle entsorgt werden können." Das Problem mit dem Zaun vor dem Container sehe Brockmann aber auch. Demnächst solle die Kapelle saniert werden und in diesem Zuge auch die Zuwege zur Entsorgungsstation überarbeitet werden. Auch der Zaun solle verschwinden. Die Gemeinde denke über eine ebenerdige Lösung nach. 

Bis es so weit ist, wird es aber noch einige Zeit dauern. Aktuell seien Förderanträge gestellt worden. Brockmann rechnet mit einer Umsetzung der Maßnahmen frühstens im Jahr 2022. Der angesprochene Teil der Vördener Bürger sieht das als richtigen Schritt in die richtige Richtung. Doch es besteht weiter der Wunsch, mehr Entsorgungskörbe auf dem Friedhof auszustellen. "Da wird sich sicherlich eine Lösung finden, wie die Entleerung aussehen kann", sagt eine Vördenerin. Diese sieht die Gemeinde zurzeit aber nicht.

Deutliche Hinweisschilder auf dem Friedhof. Foto: Scholz
Die Wege sind teils ganz schön weit auf dem Vördener Friedhof. Foto: Scholz
Immer wieder quillt der Mülleimer vor dem Friedhof über. Foto: Scholz

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