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"Grauer Lappen" ade: Gerhard Mastall hat seinen Führerschein umgetauscht und erinnert sich zurück

Bis zum 19. Januar 2022 müssen die Jahrgänge 1953 bis 1958 ihre alten Führerscheine umtauschen. Der Cloppenburger Gerhard Mastall hat schon acht Autos gefahren und nun seinen neuen Schein aus Plastik.

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Hat sich an die Frist gehalten: Gerhard Mastall mit seinem neuen EU-Führerschein. Foto: Niemeyer

Hat sich an die Frist gehalten: Gerhard Mastall mit seinem neuen EU-Führerschein. Foto: Niemeyer

Nur drei Fahrstunden, 300 D-Mark und zwei bestandene Prüfungen brauchte es und schon hatte Gerhard Mastall aus Cloppenburg seinen Führerschein in der Tasche. Kein Problem, das habe er locker geschafft, erklärt der 67-Jährige. 50 Jahre später hat er acht Autos, einen Beinahe-Zusammenstoß sowie ein paar Punkte in Flensburg hinter sich – und zwei Führerscheine.

Den alten hat er bereits fristgerecht gegen den neuen EU-Führerschein eingetauscht.  Denn bis zum 19. Januar 2022 müssen Autofahrer der Geburtsjahre 1953 bis 1958 ihren alten Führerschein gegen den neuen umtauschen, teilt der Landkreis Cloppenburg mit. "Durch den Umtausch der Führerscheine soll erreicht werden, dass alle noch in der EU befindlichen Führerscheine ein einheitliches Muster erhalten, das aktuelle Anforderungen an die Fälschungssicherheit erfüllt", so der Kreis. Etwa 7700 Cloppenburgern steht dieser Schritt noch bevor. 

Alte Motoren waren einfacher aufgebaut

Die meisten von ihnen sind seit Jahrzehnten auf den Straßen unterwegs, in der Zeit hat sich viel verändert. "Früher konnte man noch selber an den Autos schrauben", sagt der technisch versierte Mastall. Die Motoren seien einfacher aufgebaut gewesen. Auspuffanlage oder Zündkerze: Wenn mögliche, habe er defekte Teile selber ausgetauscht, erzählt der Cloppenburger. 

Foto: NiemeyerFoto: Niemeyer

Den "grauen Lappen" hatte Mastall 1971 als 17-Jähriger bekommen. "Ich musste noch zwei Wochen bis zu meinem 18. Geburtstag warten, bis ich auch fahren durfte", sagt er heute. Zuerst saß er im Auto seines Vaters hinter dem Steuer.  Sein erstes eigenes Auto war schließlich ein Renault R4. Als 19-jähriger Wehrdienstleistender fuhr er damit regelmäßig zur Bundeswehr-Kaserne nach Eckernförde. 

Beinahe-Unfall als Fahranfänger

Auf einer Fahrt war der Fahranfänger allerdings ziemlich unkonzentriert, wie Mastall heute zugibt. Bei strömendem Regen fuhr er auf einer Landstraße. "Ich dachte aber, ich wäre auf einer Autobahn unterwegs", sagt Mastall. Als er zum Überholen ansetzte, übersah er ein entgegenkommendes Fahrzeug. Zu seinem Glück hatte er einen aufmerksamen Beifahrer. "Er griff mir ins Lenkrad." Ansonsten hätte es wohl einen schweren Unfall gegeben. 

Heute hätte ihn sein neues Auto vielleicht vor dem Überholmanöver gewarnt, denn es ist mit allerlei Assistenzsystemen ausgestattet, unter anderem mit einem Spurhaltesystem. Nicht nur die Autos, auch der Führerschein hat sich verändert: Der "Lappen" aus Papier von früher ist der Plastikkarte gewichen.

Sobald der alte Führerschein umgetauscht wurde, bekommt er den Stempel Ungültig. Symbolfoto: HermesSobald der alte Führerschein umgetauscht wurde, bekommt er den Stempel "Ungültig". Symbolfoto: Hermes

Wer den alten Führerschein nicht fristgerecht bis zum 19. Januar 2022 abgibt, der fährt sein Auto lediglich ohne gültiges Ausweisdokument, teilt der Landkreis mit. "Die betreffende Person ist aber weiterhin im Besitz der Fahrerlaubnis", heißt es weiter. Wer also nach Fristende noch mit seinem alten Führerschein unterwegs ist, dem droht ein Bußgeld. Die neuen Führerscheine kosten 25 Euro und sind 15 Jahre gültig.

Ein Antrag auf Umstellung kann frühestens ein halbes Jahr vor Fristende gestellt werden, so der Kreis. Dies ist beim Landkreis Cloppenburg wie auch bei den Einwohnermeldeämtern und Bürgerämtern der Städte und Gemeinden möglich.

Nicht nur Jahrgänge 1953 bis 1958 betroffen

Aber nicht nur die Jahrgänge 1953 bis 1958 müssen ihren Führerschein umtauschen: Bis 2033 muss jeder Führerschein, der vor dem 19. Januar 2013 ausgestellt wurde, in einen neuen EU-Führerschein umgetauscht werden. Das hatte der Bundesrat 2019 beschlossen. Seit der vollständigen Umsetzung der dritten EU-Führerscheinrichtlinie im Jahr 2013 wird jede ausgestellte Fahrerlaubnis mit einem Ablaufdatum versehen. Der Umtausch betrifft daher nicht nur die Fahrer und Fahrerinnen mit den bis zum 31. Dezember 1998 ausgestellten Papierführerscheinen. Auch die Plastikkarten aus den 2000er und frühen 2010er Jahren müssen getauscht werden – allerdings gestaffelt nach Ausstelldatum.

Übrigens: Wer vor 1953 geboren worden ist, für den gilt immer der 19. Januar 2033 als Stichtag für den Umtausch – egal, wann der Führerschein ausgestellt worden ist.

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