Das Nachrichtenportal vonMünsterländische Tageszeitung MT undOldenburgische Volkszeitung OV

Goldenstedter Moor kämpft mit Trockenheit

Der Managementplan für das Fauna-Flora-Habitat-Gebiet liegt vor. Es besteht großer Optimierungsbedarf für die Flächen im Moor.

Artikel teilen:
Muss besser geschützt werden: Das Goldenstedter Moor. Foto: M. Niehues

Muss besser geschützt werden: Das Goldenstedter Moor. Foto: M. Niehues

Im Goldenstedter Moor ist ordentlich was zu tun, um bestimmte Lebensraumtypen sowie Tier- und Pflanzenarten zu erhalten beziehungsweise, um ihren Zustand zu verbessern. So das Fazit des aktuell vorgelegten Managementplans für das Fauna-Flora-Habitat (FFH)-Gebiet „Goldenstedter Moor“. Nichtsdestoweniger, so Arnold Schönheim vom beauftragten Planungsbüro BMS-Umweltplanung, sei das Goldenstedter Moor auf einem guten Weg.

Hintergrund: Ende 2004 wurde das Goldenstedter Moor von der EU als FFH-Gebiet festgelegt. Damit einher gehen einige Verpflichtungen zum Schutz des Gebiets. 2016 wurde dieses FFH-Gebiet schließlich durch die Naturschutzgebietsverordnung „Goldenstedter Moor“ gesichert. Der Landkreis Vechta war damit verpflichtet, einen Managementplan zu erstellen. 2019 wurde dieser in Auftrag gegeben, das Ergebnis wurde nun im Kreishaus vorgestellt.

Großteil der Flächen in schlechtem Zustand

Insgesamt umfasst das Planungsgebiet 635,75 Hektar. Davon befindet sich der Großteil (66 Prozent) in privater Hand, insbesondere die Moorwälder im Norden. 32 Prozent sind landeseigene Flächen. Der Rest verteilt sich auf die Gemeinde Goldenstedt und den Landkreis Vechta. Derzeit gibt es 93 Kompensationsflächen auf 399 Hektar (63 Prozent). Dort finden demnach schon größtenteils Wiedervernässungen statt.

Wie Arnold Schönheim vom Planungsbüro bei der Vorstellung des Managementplans ausführte, gibt es auf insgesamt 254 Hektar – also 40 Prozent der Fläche – sogenannte FFH-Lebensraumtypen. Dabei handele es sich um „im Gelände abgrenzbare Vegetations- oder auch Biotopkomplexe“, sagte Schönheim. Konkret sind damit beispielsweise Wälder, Gewässer oder Moore gemeint, die nach FFH-Richtlinie als besonders schützenswert gelten. Der Großteil davon befindet sich im Erhaltungszustand „C“. Es gibt die drei Wertstufen „A“ (hervorragend), „B“ (gut) und „C“ (mittel bis schlecht). Für die Flächen mit der Bewertung „C“ bedeutet das, dass sie sich „nicht im optimalen Zustand“ befinden, sagte Schönheim und, dass dies verbessert werden müsse.

Im Detail verteilen sich diese sechs Lebensraumtypen folgendermaßen: Circa 197 Hektar entfallen auf „Renaturierungsfähige, degradierte Hochmoore“, 31 Hektar machen „Dystrophe Stillgewässer“ aus, knapp 19 Hektar entfallen auf Moorwälder, 5 Hektar auf „Übergangs- und Schwingrasenmoore“, 2 Hektar auf „Eingebettete Torfmoorschlenken“ und weniger als ein halber Hektar auf „Feuchte Heiden mit Erica tetralix“.

Entkusselungen und Wiedervernässungen vorgesehen

Trotz bereits umgesetzter Maßnahmen wie der Wiedervernässung  bestehe noch deutlich Optimierungsbedarf. So habe sich der Erhaltungszustand der Hochmoore im Vergleich zur Erfassung im Jahr 2007 sogar um knapp 17 Hektar verschlechtert. Zum einen habe das methodische Gründe, erklärte Schönheim, zum anderen sorgten sogenannte Störzeiger wie auch Verbuschung für die Verschlechterung. Ähnlich sehe es bei den Moorwäldern aus, die 67 Hektar an Fläche eingebüßt haben. Allgemein große Probleme stellen für das Moor die Verbuschung, die Entwässerung, insbesondere durch Gräben, sowie Problempflanzenarten wie die Kulturheidelbeere  dar, erklärte Schönheim.

Im Managementplan seien deshalb verpflichtende Erhaltungsziele und Maßnahmen definiert. Langfristig sollen demnach 13,9 von den aktuell 31 Hektar an Stillgewässern erhalten werden. Wie Schönheim erläuterte, befände sich ein Großteil der Flächen in einem Übergangsstadium zum Hochmoor. Hier sollen vor allem Pflegemaßnahmen stattfinden. Das kleine Vorkommen der Feuchten Heiden soll auf jeden Fall erhalten werden, eine Vergrößerung der Flächen sei erstrebenswert. Auch hier sei als Pflege die Entkusselung vorgesehen. Außerdem sollen für eine Wiedervernässung Gräben verschlossen werden.

129 Hektar sollen zusätzlich zu Hochmoor entwickelt werden

Im Bereich der Hochmoore sollen die Flächen mit der Wertstufe „B“ auf 81 Hektar erhalten werden, Flächen mit der Wertung „C“ sollen zu „B“ zwingend wiederhergestellt werden. Dabei handele es sich um 91 von 107 Hektar. Erforderlich seien auch hier weiterhin Entkusselungen, Bekämpfung von Neophyten – wie der Kulturheidelbeere – sowie die Optimierung des Wasserstands durch Grabenverschluss und Dichtsetzen von Rinnen. Im Dreiecksmoor sollen die Dämme nach Bedarf unterhalten werden. Darüber hinaus gibt es dem Managementplan zufolge 273 Hektar, die geeignet sind, zum Hochmoor entwickelt zu werden. 129 Hektar sollen aus landesweiter Sicht verpflichtend mit den bereits genannten Maßnahmen entwickelt werden.

Die Übergangs- und Schwingrasenmoore sollen auf 5,3 Hektar erhalten werden, eine Vergrößerung der Flächen sei erstrebenswert. 2 Hektar der Torfmoorschlenken sollen in der Erhaltungsstufe „B“ erhalten werden. Dafür sind ebenfalls Entkusselungen nach Bedarf vorgesehen.

9,1 Hektar der Moorwälder sollen erhalten werden, parallel ist dabei eine Wiederherstellung von „C“ zu „B“ auf 8,6 Hektar „zwingend erforderlich“, wie aus dem Plan hervorgeht. Dazu müsse der Wasserstand durch unter anderem Grabenverschluss angehoben werden. Der Verlust von 11 Hektar müsse ausgeglichen werden, eine Flächenvergrößerung sei aus landesweiter Sicht erforderlich. Darüber hinaus sollen Grünländer zu Nassgrünland entwickelt und Pufferflächen an den Moorrändern zugelassen werden.

Moorwälder im Norden sind "Baustelle"

Die Umsetzung der Maßnahmen ist ab dem kommenden Jahr geplant und sieht als Zielmarke das Jahr 2050 vor. Vor allem auf den landeseigenen Flächen sei eine relativ zügige Umsetzung möglich durch entsprechende Förderprogramme, sagt Arnold Schönheim. Die Kompensationsflächen sollen bis 2030 in „die richtige Richtung“ gebracht werden. Er verhehlt nicht, dass gerade die Moorwälder, die sich den Ausführungen zufolge in einem schlechten Zustand befinden, eine „Baustelle“ darstellen. Da diese überwiegend im Privateigentum sind, hänge es von den Fördermöglichkeiten ab, wie schnell da die verpflichtenden Maßnahmen umgesetzt werden können.

Besonders in den Sommermonaten erhöht die Trockenheit die Gefahr von Moorbränden. Foto: M. NiehuesBesonders in den Sommermonaten erhöht die Trockenheit die Gefahr von Moorbränden. Foto: M. Niehues

Wie Eileen Ahlbrand vom Umwelt- und Tiefbauamt des Landkreises Vechta betont, sei der Managementplan „keine Verordnung“. Er könne gegebenenfalls angepasst werden, wenn Maßnahmen nicht greifen. Ihr Kollege Helmut Schlarmann ergänzt, dass man eben mit einer natürlichen Umgebung arbeite. Da gebe es Unwägbarkeiten. Die vergangenen Trockenjahre beispielsweise seien „einschneidend“ gewesen und hätten die Wiedervernässung erschwert. Die Folgen des Klimawandels vereinfachen die Arbeit nicht. Nichtsdestoweniger sind sich alle Beteiligten einig, dass im Goldenstedter Moor gute Voraussetzungen bestehen, um den Anforderungen langfristig gerecht zu werden.

Sie wollen nichts verpassen, worüber das Oldenburger Münsterland spricht? Dann abonnieren Sie jetzt unseren Newsletter „Moin, OM!“. Er fasst für Sie das Wichtigste für den Tag auf einen Blick zusammen – immer montags bis freitags zum Start in den Tag.  Hier geht es zur Anmeldung

Das könnte Sie auch interessieren

Hier klicken und om-online zum Start-Bildschirm hinzufügen

Goldenstedter Moor kämpft mit Trockenheit - OM online