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"Gewisse Beklopptheit": Modellbauer tüftelte 30 Jahre an einem Kran

Wie "von der Kette gelassen" haben rund 160 Modellbauer nach fast 2 Jahren Zwangspause in der Cloppenburger Münsterlandhalle gebaggert und gewerkelt. Die verrücktesten Modelle gibt's hier.

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Baustelle hinterm Bauernhof: alles in Miniatur. Rund 160 Modellbauer stellten in Cloppenburg aus. Foto: Honkomp

Baustelle hinterm Bauernhof: alles in Miniatur. Rund 160 Modellbauer stellten in Cloppenburg aus. Foto: Honkomp

Auf dieser Baustelle geht's zu wie im richtigen Leben, nur viel kleiner: Bagger im Maßstab 1:13 bis 1:16 löffeln Erdreich in Lastwagen-Mulden, ehe die voll beladenen PS-Protze zur Baugrube losrollen, um einen Brückendamm aufzuschichten. Sobald der fertig ist, wird er wieder eingerissen. Denn in der Münsterlandhalle warteten am Samstag und Sonntag schon die nächsten Zuschauer auf das Miniatur-Spektakel. 

Fast 2 Jahre haben die Modellbauer auf diesen Moment gewartet. Die erste große Modellbau-Ausstellung seit Beginn der Corona-Krise lockte Fans und Experten aus den Niederlanden, aus Dänemark, Österreich und der Schweiz an. Etwa 160 Teilnehmer führten den Besuchern ihre ferngesteuerten Fahrzeuge vor. Für die  Interessensgemeinschaft „RC Truck Freunde OM“ war das ein doppelter Erfolg. Denn nach der langen Wartezeit erhielt Cloppenburg zum ersten Mal den Zuschlag für die Großausstellung,  da die Münsterlandhalle die nötigen Voraussetzungen erfüllt und die bisher genutzte Halle in Lüneburg gerade umgebaut wird.

Seit einem Jahr planten 2 Vereine die Veranstaltung, der „Großteil der Organisation erfolgte allerdings erst in den letzten Wochen, da lange unklar war, ob und wie das Event stattfinden dürfe“, erklärte Lars Diekmann, einer der Organisatoren und selbst leidenschaftlicher Modellbauer.

Die lange Wartezeit hat sich gelohnt – für die Experten wie für Laien. Selbst einem Thüringer, der unter dem Namen „SRS-RC“ Videos auf Youtube veröffentlicht, gingen die Augen über. Ein Highlight der Ausstellung sei für ihn der "gigantische Kran", meinte der Experte, dessen Kanal 2 Millionen Abonnenten und Fans aus aller Welt abonniert haben. An dem mehr als mannshohen Gerät hat ein Modellbauer aus der Nähe von München 30 Jahre lang getüftelt. In der Halle setzte der Kran am Wochenende maßstabsgetreu eine neue Windenergie-Anlage auf, mitsamt Rotor. Was der Bau gekostet hat, kann selbst der Tüftler nicht mehr abschätzen. Seine Arbeitszeit für das Spektakel: über 1000 Stunden. "Ein gewisses Maß an Beklopptheit ist nötig", beschreibt Mitorganisator Ingo Wulbusch die Grundvoraussetzung  für so viel Ausdauer im Detail

Erde unter den Bagger, Halle über den Kränen: Im Hintergrund  wird gerade ein Windrad aufgerichtet.  Foto: HonkompErde unter den Bagger, Halle über den Kränen: Im Hintergrund  wird gerade ein Windrad aufgerichtet.  Foto: Honkomp

Anfänger können schon mit einem vorgefertigten Bausatz ab etwa 400 Euro starten. Doch die Profis entwerfen und fertigen Teile selbst, sodass ihre Fahrzeuge Kosten im 5-stelligen Bereich erreichen. Einzelne Bauteile sind günstiger: Sogar aus Eisstielen schnitzen oder fräsen die Könner Details. Mitunter spielt auch die Liebe zum Stammberuf eine Rolle, so wie bei Baggerfahrer Franz Thölking, der an der Miniatur-Baustelle selbst zum Steuergerät griff. Er war es, der die Szene auf die Münsterlandhalle brachte. 

Die Bauprojekte, an denen die einzelnen Teilnehmer mitwirkten, reichten durch die halbe Halle. Straßenwalzen sorgten für einen festen Untergrund einer geplanten Brücke und Kräne manövrierten größere Bauteile durch aufgewühlte Fahrspuren. Alles befand sich in ständiger Bewegung und die Augen der Besucher wechselten zwischen den Attraktionen hin und her.

Nach Themen sortiert: Zimmerleute und Straßenbauer unter den Modell-Fans.     Foto: HonkompNach Themen sortiert: Zimmerleute und Straßenbauer unter den Modell-Fans.     Foto: Honkomp

Die Modellbauer verstehen sich als Gemeinschaft. Man kennt sich untereinander, verleiht Teile an andere Fahrer oder hilft beim Bau neuer Fahrzeuge. Sie freuten sich darüber, Neues aus der Welt der Modellbaukunst zu erfahren. So unterstützten Modellbaufreunde aus Bremen, dem Emsland, Lüneburg und Osnabrück  den heimischen „RC Truck Freunde OM“ beim Aufbau und Ablauf.

OM-hilft -  Helfen Sie mit! Das Oldenburger Münsterland hilft den Geflüchteten aus der Ukraine. Hilfsinitiativen, Wohlfahrtsorganisationen und viele mittelständische Unternehmen sind bereits dabei, die Hilfe vor Ort zu koordinieren. Und auch Sie können sich beteiligen. Wie und Wo? Das sagt Ihnen  die Webseite om- hilft.org

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