Das Nachrichtenportal vonMünsterländische Tageszeitung MT undOldenburgische Volkszeitung OV

Gewerbe, Wohnen und Straßen: Kreis Vechta will steuern, wo gebaut wird

Landrat Herbert Winkel legt den Entwurf des neuen Raumordnungsprogramms vor. Darin sind Grundsätze und Ziele für die Entwicklung vor Ort festgelegt. Neu ist auch ein Biotopverbund.

Artikel teilen:

Wie soll der Raum im Landkreis Vechta genutzt werden? Wie soll die Gewerbeansiedlung gesteuert werden? Oder die Wohnbebauung? Wo kann es Biotope geben, wie können sie miteinander verbunden sein? Was ist im Bereich Verkehr sinnvoll? Kurzum: Welche Planung und Organisationsweise liegen der Entwicklung vor Ort zugrunde?

Antworten hierauf gibt es im Regionalen Raumordnungsprogramm (RROP). Die Kreisverwaltung hat nun eine neue Fassung der Grundlagen und Ziele des RROP vorgelegt – in Kooperation mit dem Oldenburger Planungsbüro NWP. „Das ist ein sehr umfangreiches Werk“, sagte Landrat Herbert Winkel bei einem Präsentationstermin mit OM online. Und: „Sehr spannend“ seien einzelne Abschnitte. Er verwies auf die Bereiche Verkehr, Gewerbeansiedlung und Biotopverbund.

Es gibt also klare Veränderungen. Das Projekt RROP ist überfällig, weil es seit 2014 im Landkreis keine Grundlage mehr für die Raumordnung gibt. Das RROP ist die regionale Feingliederung und Konkretisierung zu den Vorgaben des Landesraumordnungsprogramms (LROP). Winkel hob hervor, dass der Landkreis Vechta „kein großer Flächenlandkreis“ sei. Bei der Raumordnung müsse „sehr genau“ geschaut werden, welche Möglichkeiten es gebe. „Das haben wir versucht, in diesem Raumordnungsprogramm aufzuzeigen“, sagte er. Ein Überblick zu wichtigen Punkten:

Schule, Gesundheit, Einkaufen: Alles geregelt

Zwei Kategorien: Im RROP werden Ziele und Grundsätze der Raumordnung festgelegt, wie Johann Martins vom Amt für Wirtschaftsförderung und Kreisentwicklung darlegte. Ein Ziel sei zwingend zu beachten. Grundsätze sind zu berücksichtigen und müssen in die Abwägung einfließen, etwa bei der Bauleitplanung einer Kommune. Grundsätze können aber zurückgestellt werden.

Gliederung nach zentralen Orten: Der Landkreis kann die Grundzentren festlegen. Mittel- und Oberzentren sind Landessache. Bei der „zentralörtlichen Gliederung“ geht es darum, dass in den jeweiligen Orten Angebote in Bereichen wie Bildung, Gesundheitswesen und Einzelhandel in einem bestimmten Umfang vorhanden seien müssen. Gemäß dem RROP-Entwurf gibt es keine Änderung bei der Festlegung der Grundzentren. Als solche gelten weiter Bakum, Damme, Dinklage, Goldenstedt, Holdorf, Neuenkirchen (für Neuenkirchen-Vörden), Steinfeld und Visbek. Im Fall von Damme kommen die Teilfunktionen Bildung, Gesundheit und Einzelhandel eines Mittelzentrums hinzu. Die Städte Lohne und Vechta sind Mittelzentren.

Einzelhandel: Vechta gilt auch als Versorgungsgebiet für Bakum, Goldenstedt und Visbek. Zum Einzugsgebiet von Lohne gehören Dinklage und jeweils zur Hälfte Steinfeld und Holdorf. Damme sind Neuenkirchen-Vörden und ebenfalls je zur Hälfte Steinfeld und Holdorf zugeteilt. Grundlage dafür sind unter anderem Pendlerströme. Standorte mit herausgehobener Bedeutung für die Nahversorgung sind Lutten, Langförden, Vörden. Hier ist die Ansiedlung von Einzelhandel mit Betrieben von mehr als 800 Quadratmetern möglich.

Konzept soll weitere Zersiedelung der Landschaft verhindern

Siedlungsstruktur fürs Wohnen: In den vorhandenen zentralen Siedlungsgebieten soll es die Bündelung von Angeboten und Einrichtungen der zentralen Orte geben. Die Standorte zur Sicherung und Entwicklung von Wohnstätten abseits der zentralen Orte, also etwa in Bauerschaften, sind anhand des Kriteriums festgelegt, dass eine Grundschule vorhanden sein muss. In diesen Ortschaften sind auch neue Baugebiete über den Eigenbedarf hinaus möglich. Als Grundsatz gilt: Es soll eine Konzentration geben – und keine Zersiedlung, keine Insellagen.

Arbeitsstätten: Es gibt vier Gewerbestandorte an der Autobahn 1 (an den Anschlussstellen) für Betriebe mit intensivem Güterverkehr und überregionaler Orientierung. Um eine Verkehrsbelastung im Innern des Landkreises zu vermeiden, sollen die Entwicklung sich auf Standorte entlang der Hansalinie konzentrieren. Und zwar möglichst als interkommunale Gewerbegebiete. Von großer Bedeutung sind auch diese Standorte zwischen den Zentren: am Dinklager Ring, an der Bundesstraße in Vechta, in Visbek-Hagstedt, in Steinfeld im Gewerbegebiet „Am Tannenkamp“ und in Holdorf an der Umgehungsstraße. Dies soll den Kommunen als strategische Grundlage dienen. 

Winkel erläuterte: Die Lkws sollen - auch aus Gründen des Umweltschutzes - möglichst an der Autobahn oder in der Nähe der Autobahn bleiben. „Dort soll die Gewerbeentwicklung stattfinden. Da ist noch vieles möglich.“ Dafür seien die weiteren Bereiche eingeschränkt worden.

Erklärt das Raumordnungsprogramm: Landrat Herbert Winkel. Foto: TzimurtasErklärt das Raumordnungsprogramm: Landrat Herbert Winkel. Foto: Tzimurtas

Freiraum: Das sind alle Flächen neben den bereits besiedelten. Hier gibt es eine ganze Reihe an Vorgaben durch das Landesraumordnungsprogramm. Zu übernehmen sind die zwingend zu beachtenden Vorranggebiete zur Torferhaltung und die unter Schutz gestellten Natura-2000-Gebiete. Hier findet eine räumliche Konkretisierung statt. Sogenannte Vorbehaltsgebiete (festgelegte Funktionen und Nutzungen) sind beispielsweise Landschaftsschutzgebiete, landesweit bedeutende Bereiche für Vögel und für das Landschaftsbild. Aber auch für die Landwirtschaft gibt es Vorbehaltsgebiete.

Für die Wasserversorgung werden Vorrang- und Vorbehaltsgebiete festgelegt. Hier geht es um die Sicherstellung der Versorgung mit Trinkwasser. Aber auch auf eine qualitative und quantitative Verbesserung der Grundwassersituation soll hingewirkt werden.

Biotope sollen vernetzt werden

Biotop-Verbund: Das ist seit 2017 eine neue Kategorie innerhalb der Freiräume. Dazu zählen die Natura-2000-Gebiete. Aber auch vom Land als Strukturelement vorgegebene Gewässer (wie der Fladderkanal und der Mühlenbach) zählen dazu. Der Landkreis ist aufgefordert, die jeweiligen Kernflächen zu vernetzen – über geeignete Vorbehaltsgebiete werden Korridore gebildet.

Winkel wies ausdrücklich hierauf hin: Die Annahme sei falsch, dass diese Flächen für nichts anderes mehr zu gebrauchen seien. „Das sind Suchräume“, sagte Winkel. Es gehe darum, um über sogenannte Trittsteine (spezielle Teile) oder größere Flächen die Vernetzung der Biotope schaffen zu können. Die Vorschläge dazu seien aufgrund beispielsweise von Hecken- oder Gewässerstrukturen erarbeitet worden. Winkel: „Wir haben erstmals ein Biotopverbundsystem hier im Landkreis Vechta entwickelt.“

Landwirtschaft: Die Vorbehaltsgebiete für die Landwirtschaft sind auf der Grundlage eines hohen Ertragspotenzials definiert. Maßgeblich ist hier – aufgrund eines Fachbeitrags der Landwirtschaftskammer - eine günstige Bodenfeuchte.

Verkehr: Die Autobahn, Bundesstraßen und Landstraßen haben den Vorrangstatus. Als Hauptverkehrsachse innerhalb des Landkreises gilt die Landesstraße L846 zwischen Vechta und Damme. Sie soll „bedarfsgerecht“ ausgebaut werden. Das sei ein besonderes Anliegen. Dasselbe gilt für die Ortsumgehungen Dinklage, Holdorf und Vörden. Außerdem soll die Leistungsfähigkeit der Autobahnzubringerstrecken verbessert werden in Vechta (Anschlussstellen Vechta und Cloppenburg) und in Lohne (Lohne/Dinklage).

Neue Mobilität

Radverkehr: Es soll schnelle Verbindungen über Radwege zwischen den Grund- und Mittelzentren geben. Außerdem ist ein lückenloses und sicheres Radverkehrsnetz entlang der Bundes-, Landes- und Kreisstraßen vorgesehen.

Öffentlicher Personennahverkehr: Hier ist unter anderem vorgesehen, den Zentralen Omnibusbahnhof (ZOB) in Damme auszubauen. Angestrebt wird, in Bakum und Dinklage Verknüpfungspunkte herzustellen. Die Anbindung in Nachbarkreise soll sichergestellt werden. Das Rufbus-System Moobil-Plus soll mit anderen Verkehrsträgern verknüpft werden.

Windenergie: Hier wird alles aus den Flächennutzungsplänen der Kommunen übernommen. Es gibt keine Ausschlusswirkung: Kommunen können weitere Flächen planen.

Photovoltaikanlagen gehören auf die Dächer

Photovoltaik (auf Freiflächen): Das Land gibt hier vor, dass Anlagen auf bereits versiegelten Flächen eingerichtet werden. Und: Anlagen sollen nicht auf Vorbehaltsgebieten der Landwirtschaft errichtet werden. Der Kreis will zusätzlich strikt regeln, dass Photovoltaikanlagen in diesen Vorranggebieten nicht möglich sind: Rohstoffgewinnung, Torferhaltung, Natura 2000, Biotopverbund, Natur und Landschaft. Das hat mit der ohnehin ausgeprägten Flächenkonkurrenz zu tun. Winkel: „Erstes Ziel ist, Photovoltaik auf die Dächer zu bekommen.“

Zeitplan: Am 25. März wird der Entwurf zum RROP dem Bauausschuss vorgestellt, der zu einer Sondersitzung zusammenkommt. Daran schließt sich ein von April bis Juli dauerndes Beteiligungsverfahren an. Hier sind nicht nur Kommunen und Verbände gefragt, sondern auch Bürgerinnen und Bürger. Es soll auch einen Online-Erörterungstermin geben. Am 23. September nimmt der Bauausschuss eine Abwägung vor. Grundlage hierfür sind die Einwendungen und Hinweise aus dem Beteiligungsverfahren sowie die fachliche Beurteilung dazu. Die Beschlussempfehlung geht an den Kreistag. Dieser befindet am 14. Oktober darüber in einem Satzungsbeschluss.

Sie wollen nichts verpassen, worüber das Oldenburger Münsterland spricht? Dann abonnieren Sie jetzt unseren Newsletter „Moin, OM!“. Er fasst für Sie das Wichtigste für den Tag auf einen Blick zusammen – immer montags bis freitags zum Start in den Tag.  Hier geht es zur Anmeldung.

Hier klicken und om-online zum Start-Bildschirm hinzufügen

Gewerbe, Wohnen und Straßen: Kreis Vechta will steuern, wo gebaut wird - OM online