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Get it on, bang a gong

Kolumne: Das ganz normale Leben – Ein musikalischer Rückblick: Die Band T. Rex klang so reduziert und aufregend wie keine zweite auf der Playlist des Jahres 1971.

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Vor 50 Jahren war das Leben ein anderes: Im fernen Aachen begann der Sextaner Armin Laschet eine Gymnasialkarriere, in Hamburg-Rahlstedt feierte Teenager Olaf Scholz seinen 13. Geburtstag und ich blies in Vechta beim Flötenunterricht mit 17 Leidensgenossen den Klassiker „Ein Bauer ging ins Holz“. Die Quälerei trug sich in der gebohnerten Alexanderschule zu, bei strahlender Herbstsonne und unter den 3 gerahmten Porträts der damaligen Elite des Landes (Bundespräsident Heinemann, darunter Kanzler Willy Brandt, zum Schluss Landrat Hellmann). 

Draußen schallten vom Neuen Markt die zaghaften Soundchecks des Thomasmarktes herüber, der erst ein Jahr zuvor um den seinerzeit völlig neuen „Klamottenmarkt“ ergänzt worden war. Jenseits dieser Rahmenhandlung galt aber nach wie vor die Raupenbahn als selbstverständliches Zentrum der städtischen Hipster-Szene. Hier waren die bunten Lampen, die verwegenen Leute, die unfassbar laute Musik, die hundertmal direkter und bassiger klang, als Ricky Shayne aus der Radiotruhe am heimischen Herd.

Mit der Flöte im Styroporpack standen wir auf spießigen Präzision-Knabenrädern in gebotener Distanz zum Geschehen, lauschten Songs, die wir nicht begriffen, aber männlich mitsummten („Butterfly“ von Danyel Gérard) und sperrten die Ohren auf bei einem ganz ungewohnten Hit, der irgendwie alle 10 Minuten von vorne losging: „Get It On“ hieß der damals brandneue Titel der Londoner Band T. Rex, die so reduziert und aufregend klang, wie keine zweite auf der Playlist des Jahres 1971.

"T. Rex war cool, frisch und herrlich simpel: Das Lied konnte man auf jeder Wandergitarre nachspielen (E, A, G) und den Refrain ab der dritten Klasse zumindest lautmalerisch mitsingen." Christian Bitter

Frontmann Marc Bolan mit lockigem Haar und Silberglitzer im Gesicht hatte man schon mal im Schwarzweiß-TV gesehen, ohne zu wissen, warum er und seine Genossen (oder auch der frühe David Bowie) so komisch androgyn durchs Leben schlichen. Vom später identifizierten Spiel mit Geschlechterrollen, von Cross-Dressing und sexueller Uneindeutigkeit als kulturellem Stilmittel ahnte die südoldenburgische Kinderschar natürlich nichts. T. Rex war cool, frisch und herrlich simpel: Das Lied konnte man auf jeder Wandergitarre nachspielen (E, A, G) und den Refrain ab der dritten Klasse zumindest lautmalerisch mitsingen.

Mit T. Rex begann die Schlaghosen-Epoche des Glam Rock rund um Roxy Music, Elton John, Sweet und Mud und Suzi Quatro. Das alles kennt heute kein Mensch mehr. Aber schön war es trotzdem.


Zur Person: 

  • Christian Bitter ist Chef der Werbeagentur Bitter & Co. in Calveslage.
  • Er studierte Germanistik und war Leiter der Werbe-Redaktion der Oldenburgischen Volkszeitung.
  • Den Autor erreichen Sie per E-Mail an: redaktion@om-medien.de

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