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„Gesundheit ist nicht selbstverständlich“

Im Juli bekam Stephanie Buschermöhle die Diagnose Brustkrebs, seit Februar gilt sie als geheilt. Im Gespräch mit OM online erzählt die 33-Jährige ganz offen von ihren Erfahrungen.

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Lebensfroh: Stephanie Buschermöhle berichtet nach ihrer überstandenen Krebserkrankung über ihre Erfahrungen. Foto: © Buschermöhle Fotografie - Rehden

Lebensfroh: Stephanie Buschermöhle berichtet nach ihrer überstandenen Krebserkrankung über ihre Erfahrungen. Foto: © Buschermöhle Fotografie - Rehden

„Für mich ist in dem Moment eine Welt zusammengebrochen“, sagt Stephanie Buschermöhle. Die 33-Jährige spricht von dem Tag im vergangenen Juli, als sie die Diagnose Brustkrebs bekommen hat.

Eine erste Vorahnung hatte die gebürtige Cloppenburgerin bereits im Urlaub, sie hatte selbst etwas an ihrer Brust ertastet. Eine Woche nach den ersten Untersuchungen ging es gleich ins Krankenhaus. „Es war gut, dass es so schnell geht. Die Ungewissheit war kaum zu ertragen“, sagt sie heute.

Die Ärzte untersuchten sie von Kopf bis Fuß: Hat der Krebs gestreut oder sind Organe betroffen? Nach einiger Zeit war klar, dass eine Chemotherapie gestartet wird. Viele Fragen waren offen, einige wären der 33-Jährigen gar nicht in den Sinn gekommen. „Eine Chemo zerstört auch alle gutartigen Zellen, so wie die Eizellen. Das hat natürlich dann auch mit einem Kinderwunsch zu tun“, erzählt sie.

Ihr Tumor war groß und aggressiv, die Therapie schlug aber gut an. Nach den 16 Behandlungszyklen stand noch eine Operation an. Bei ihr musste die rechte Brust entnommen werden, eine Prothese wurde eingesetzt. „Es kommt immer auf die Art und Größe des Tumors an, das geht heutzutage oftmals auch Brust erhaltend“, erzählt Buschermöhle.

Sie geht ganz offen mit dem Thema um, unter anderem hat sie einen Instagram-Kanal. „Ich will einfach aufmerksam machen auf das Thema. Es ist so leicht, sich einmal im Monat selbst abzutasten. Das kann auch Männer betreffen.“ Bislang habe sie nur positive Rückmeldungen dafür bekommen. Ein weiterer Grund war das Vernetzen mit anderen Patientinnen in ihrer Altersgruppe.

Man könne zwar auch mit Freunden und Familie darüber sprechen. Besser nachvollziehen könnten es aber Menschen, die dasselbe durchleben. Neben den Gesprächen habe sie auch während der Therapie eine psychologische Betreuung bekommen, das sei sehr wichtig gewesen: „Der Körper wird immer fitter, der Kopf steckt aber noch in der Therapie.“ Zudem gebe es eine sogenannte Chemodemenz, man vergesse einfach einige Dinge. Sie müsse sich zunächst wieder an einen Alltag gewöhnen, manchmal überfordere es sie noch. So schießen ihr dann plötzlich Tränen in die Augen, aber das sei in Ordnung.

Was für einige Krebspatienten möglicherweise ein Knackpunkt sein kann, war für Buschermöhle „gar nicht so schwierig“: der Haarausfall. Sie habe gewusst, dass die Haare wiederkommen. Ihr war nur eines wichtig, gesund zu werden. Per Rezept gab es eine Perücke, doch die steht noch immer ungetragen auf dem Schrank. „Ich hätte mich verkleidet gefühlt. Das war nicht ich“, sagt sie. Es sei natürlich bei jedem Patienten anders, die Möglichkeit einer Perücke sei deshalb trotzdem gut.

Seit Februar ist Buschermöhle wieder krebsfrei. „Das Gefühl kann man nicht in Worte fassen.“ Durch Corona gestaltete sich die Freude jedoch anders. Ihrem Ehemann konnte sie die frohe Nachricht nur aus Entfernung überbringen, der Familie berichtete sie darüber per Telefon. „Ich habe mit meiner Zimmernachbarin geweint, es waren natürlich Freudentränen.“

Foto: © Buschermöhle Fotografie - RehdenFoto: © Buschermöhle Fotografie - Rehden

Nach der Diagnose und dem Ende der Therapie sei das Leben allerdings nicht mehr wie vorher. „Die Leichtigkeit und Unbeschwertheit, die man vorher hatte, fehlt. Vor jeder Nachsorgeuntersuchung ist doch wieder die Angst da“, erzählt Buschermöhle. Sie sei jetzt einfach dankbar, dass die Behandlung trotz der Pandemie weitergehen konnte. Dies sei in anderen Ländern nicht selbstverständlich: „Wir haben ein gutes Gesundheitssystem.“

Ihr Blick auf das Leben hat sich durch die Erfahrungen noch ein wenig geändert. „Gesundheit ist nicht selbstverständlich. Man sollte dankbar sein für das, was man hat.“ Die Pandemie sei für viele Menschen eine Herausforderung, auch ihr fehle der soziale Kontakt mit Menschen. Dennoch rücken die aktuellen Umstände komplett in den Hintergrund, wenn man nicht gesund sei.

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