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Geschlagen und Waffe auf Ehefrau gerichtet

Kolumne: Recht hat, wer Recht bekommt – Für den 42-Jährigen, um den es in diesem Beitrag geht, bedeutet der Richterspruch auch, sich seinem Alkoholproblem zu stellen. Sonst ist die Bewährung futsch.

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Das Strafgericht ersetzt das Familiengericht nicht. Aber in mancher Verhandlung gehören Teile wohl auch zum Familiengericht. In diesem Fall etwa ging es quasi nebenbei um ein getrennt lebendes Ehepaar, auch wenn der eigentliche Grund der Verhandlung 3 Straftaten waren, die ein Vechtaer (42) begangen haben soll. Er soll seine Ex geschlagen und eine Waffe, die dann doch keine war, auf sie gerichtet haben. Es ging außerdem um Widerstand gegen Hausverbote und andere Kleinigkeiten. Da das Ganze nicht das erste Mal war, wurde es für den Vechtaer ernst.

Der Mann war laut Aktenlage morgens um 6 Uhr zur Felta-Tankstelle gegangen, wo sich um die Zeit rund 50 Arbeiter zum Frühstück (draußen) versammelten. Er kaufte sich ein Bier und wollte dies im Shop sitzend trinken. Das ging wegen Corona nicht. Der 42-Jährige weigerte sich zu gehen und die Polizei musste kommen, um ihn zu entfernen. Dann ging er zu Famila, besorgte sich ohne Geld eine Flasche Bier und wollte sein Handy aufladen. Auch hier gab es Ärger. Die Polizei rückte an und klärte den Fall. Allerdings nur vorläufig. Denn als die Beamten weg waren, versuchte der Mann es erneut, hielt sich einfach nicht an die Hausverbote und war stark alkoholisiert, wie  Zeugen berichteten. Das war aber längst noch nicht alles.

Die Waffe war nur ein Dekostück, das wusste aber zunächst niemand

Da er zu Hause ausgezogen war, schlich er sich eines Tages in die Grube in der Garage. Wie im Gericht zu hören war, hatte er in der Garage eine nicht einfache Grube, sondern eine besonders ausgestattete. Er wartete auf seine Frau, da er glaubte, sie gehe fremd. Außerdem konnte er das Handy der Frau orten und wollte wissen, mit wem sie telefoniert hatte. Als die Frau ihn bemerkte, nahm er eine „Schusswaffe“, richtete die auf die Frau.

Mutter und Tochter versuchten, dem Mann die Waffe wegzunehmen.  Dabei biss die Frau den Mann und er schlug zu. Die Polizei kam und beschlagnahmte jede Mengen "Waffen". Wie sich später herausstellte, sahen die zwar gefährlich aus, waren aber nur Dekostücke. Das wusste übrigens die Rest-Familie des Vechtaers nicht. 

Der Vechtaer war bereits in der Vergangenheit negativ aufgefallen

Der Angeklagte gab die Taten zwar zu, war aber nicht gerade redselig. Er stritt das alles nicht ab, versuchte aber, es als Scharmützel darzustellen. Dem Gericht war allerdings bekannt, dass der Mann 2017 schon einmal seine Frau geschlagen hatte, 1,8 Promille im Blut hatte und zu einer Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu je 30 Euro verurteilt worden war. Bekannt wurde auch, dass der Vechtaer ein Alkoholproblem hatte. So fand die Frau, als der Angeklagte in der Grube in der Garage auf sie gewartet hatte, elf leere 0,5 Liter Bierdosen.

Kein Verständnis für die Haltung des Angeklagten hatte der Staatsanwalt, der für 4 Straftaten 4 Monate Freiheitsstrafe auf Bewährung und eine Geldauflage von 1.000 Euro forderte.

Das war dem Strafrichter noch zu wenig. Er verurteilte den Mann zu einer Freiheitsstrafe von 6 Monaten auf Bewährung, die Unterstellung bei einem Bewährungshelfer, sprach ein Annäherungs- und Kontaktverbot gegenüber der Frau aus. Wenn er sein Alkoholproblem nicht in den Griff bekomme, werde die Bewährung widerrufen, so die Ermahnung.


Zur Person: 

  • Klaus Esslinger ist Gerichtsreporter und war viele Jahre Lokalchef der Oldenburgischen Volkszeitung.

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