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Geschichte wie in einem Brennglas verdichtet

5 Abiturientinnen des Friesoyther Gymnasiums haben einen Lehr- und Lernpfad entwickelt, der Teile der Stadtgeschichte in 6 Stationen erläutert. Auch zur Umsetzung haben sie sich Gedanken gemacht.

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Auf dem Gelände des Albertus-Magnus-Gymnasiums stand von 1937 bis 1982 die Stadthalle. Links davon die 1929 eingeweihte Bürgerschule, rechts davon die 1937 gebaute Jugendherberge. Bild: Archiv Walter Beckmann

Auf dem Gelände des Albertus-Magnus-Gymnasiums stand von 1937 bis 1982 die Stadthalle. Links davon die 1929 eingeweihte Bürgerschule, rechts davon die 1937 gebaute Jugendherberge. Bild: Archiv Walter Beckmann

Das Albertus-Magnus-Gymnasium steht, auch wenn es heute kaum mehr erkennbar ist, auf einer für die Stadt Friesoythe historisch bedeutsamen Fläche. Die Oldenburgische Zeit Friesoythes lässt sich dort ebenso erkennen wie die Zeit des Nationalsozialismus und das Schicksal jüdischer Familien im Dritten Reich. Fünf Schülerinnen des Gymnasiums haben in ihrem letzten Schuljahr eine Projektarbeit erstellt, in der sie einen "historischen Lehr- und Lernpfad um das AMG" entwickeln.

Sechs Stationen haben Theresa Barlage, Lea Bergfeld, Susanne Block, Nadine Bruns und Emma Rolfsen dafür ausgearbeitet, alle sechs beschäftigen sich mit dem Zeitfenster zwischen 1889 und 1945. "Wir haben uns in einem Seminarfach bei Herrn Stelter mit der Region von der Küste bis Oldenburg befasst", erzählt Susanne Block. "Daraus sind unterschiedliche Projekte entstanden, und wir haben uns eben mit unserem Areal befasst." Den Anstoß dazu gab Schulleiter Peter Stelter, der als Geschichtslehrer bereits die Facharbeit von Lea Bergfeld zur früheren Amtsrichtervilla betreut hatte. "Ich fand es spannend, das Thema auszuweiten", sagt er.

"Uns wurde deutlich, wie viel Geschichte sich auf nur wenigen Quadratmetern abspielte."Theresa Barlage, Lea Bergfeld, Susanne Block, Nadine Bruns, Emma Rolfsen

Fast das gesamte 1. Halbjahr ihres 13. Schuljahres haben die Abiturientinnen an dem Projekt gesessen und dafür zahlreiche Materialien ausgewertet und Gespräche geführt. Von besonderer Bedeutung war dabei der Austausch mit Walter Beckmann, der die Schülerinnen mit seiner Expertise unterstützte sowie Bildmaterial und Informationen lieferte. Herausgekommen ist eine 44-seitige Arbeit, die bereits mit einem Preis des Heimatbundes für das Oldenburger Münsterland ausgezeichnet wurde.

Die Schülerinnen haben in dieser Arbeit einen Lehr- und Lernpfad entwickelt und bis ins Detail ausgearbeitet, der über das Gelände des Albertus-Magnus-Gymnasiums führt. Sie schlagen vor, an sechs Punkten auf dem Schulgelände Informationstafeln aufzustellen, die mit Bildern und Texten Wissen zu den einzelnen Stationen vermitteln. Dabei solle deutlich werden, so das Projektteam, dass sich dort eine wechselvolle Geschichte wie in einem Brennglas verdichtet. „Uns wurde deutlich, wie viel Geschichte sich auf nur wenigen Quadratmetern abspielte, derer sich nur die ältere Generation erinnert und die nun vollends in Vergessenheit zu geraten droht“, schreiben die Abiturientinnen in ihrer Projektvorstellung.

Stele in Rostoptik könnte Bezug zur Eisenstadt herstellen

Da sind zum einen die Amtsrichtervilla und ihr Garten als Zeugnis der oldenburgischen Herrschaft über das Amt Friesoythe. Der Horst-Wessel-Platz (heute Hansaplatz) wiederum war ein Propaganda-Ort des Nationalsozialismus mit Stadthalle und Jugendherberge der Hitler-Jugend. Auf seiner Rückseite lebte die Familie des jüdischen Viehhändlers Friedrich Willner, von der mehrere Mitglieder später im Vernichtungslager Sobibor vergast wurden. Auf dem Platz selbst standen nach dem Krieg Baracken als Notunterkünfte für Flüchtlinge. Und der Gedenkstein auf der Wiese vor der Turnhalle des AMG schließlich zeugt von der Zerstörung der Stadt am 14. April 1945. 

In ihrer Projektarbeit haben sich die Abiturientinnen ausführlich mit den einzelnen Stationen auseinandergesetzt und auf dieser Basis Texte für die Stationen geschrieben und passende Bilder ausgewählt. Zudem haben sie verschiedene Ideen für die Informationsstelen entwickelt und sich für eine Stele in Rostoptik ausgesprochen. Dadurch werde der Bezug zur Eisenstadt Friesoythe besonders hervorgehoben, schreiben sie. "Auch wirken die Stelen in ihrer Umgebung sehr edel und heben sich durch ihre Farbe deutlich ab, ohne etwa mit der denkmalgeschützten Villa in Konkurrenz zu treten", heißt es weiter. Neben den sechs thematischen Stelen soll nach Vorstellung der Projektgruppe eine Übersichtstafel das Projekt erklären und die Standorte zeigen.

Projektteam veranschlagt 10.000 Euro und hofft auf Sponsoren

Für die Realisierung des Projektes veranschlagen die sechs eine Gesamtsumme von rund 10.000 Euro. Sie hoffen darauf, dass etwa der Heimatbund, der Förderverein des AMG oder private Sponsoren einen teil zur Finanzierung beitragen. Vor allem aber sehen sie den Landkreis Cloppenburg als Hauptakteur bei Planung, Umsetzung und Finanzierung. "Er ist der Träger des Albertus-Magnus-Gymnasiums und außerdem befinden sich alle Grundstücke, auf denen die Stelen stehen sollen, in seinem Eigentum", argumentieren die Autorinnen der Projektarbeit.

Ob das Projekt nach den anstehenden Um- und Neubaumaßnahmen am AMG realisiert wird, ist allerdings noch vollkommen offen. "Wir probieren es einfach", sagt Lea Bergfeld. Und Susanne Block hat schon mal überlegt, was eine Umsetzung der Idee bedeuten würde. "Wenn es dann da steht und man hat das gemacht", sagt sie, "dann ist man bestimmt ein bisschen stolz drauf."

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