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Geschäft in Essen bietet ausschließlich Schnäppchen

Das Soziale Kaufhaus musste sich anfangs gegen Vorurteile durchsetzen. Inzwischen ist es sogar jenseits der Gemeindegrenze bekannt. Zahlreiche Helfer sorgen dafür, dass der Laden läuft.

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Qualität stimmt: Maria Busse leitet das Soziale Kaufhaus in Essen. Foto: Meyer

Qualität stimmt: Maria Busse leitet das Soziale Kaufhaus in Essen. Foto: Meyer

Im Sozialen Kaufhaus in Essen ist schon vormittags gut was los. Eine Kundin sucht etwas zum Anziehen für ihren kleinen Sohn. Sie kommt aus Dinklage und überbrückt gerade die Zeit vor einem Arzttermin. Ein- bis zweimal im Monat schaue sie rein, sagt sie und lobt die Qualität der Ware. Auch diesmal wird sie fündig. Und hat mal wieder viel Geld eingespart.

2011 hatte der Sozialdienst Katholischer Frauen und Männer (SKFM) Artland das Kaufhaus in der Ortsmitte eröffnet. Der ehemalige Schlecker-Laden stand nach der Pleite des Drogerieriesen leer. Der Einzug sorgte in Essen allerdings für Diskussionen, erinnert sich Leiterin Maria Busse. "Anfangs schämten sich viele, das Geschäft zu betreten, weil sie es mit sozialer Bedürftigkeit verbanden." Der Irrtum wurde schnell erkannt. "Wir sind für jeden offen", betont Busse. Wer eine Karte für die Tafel besitze, erhalte jedoch eine Ermäßigung. Das Ziel sei, wie bei anderen Second-Hand-Läden auch, gut erhaltene Ware zu günstigen Preisen zu verkaufen.

Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist mehr als stimmig. So kostet eine Jeans zwischen 3,50 Euro und 4 Euro. Markenware ist etwas teurer. Kleidung für Erwachsene laufe derzeit besser als Kindersachen, sagt Maria Busse. Daneben können sich die Kunden von der Bettwäsche bis zum Küchentopf mit Haushaltswaren aller Art eindecken. Große Elektrogeräte und Möbel gibt es aber nicht. Gefragt sind die Einrichtungsgegenstände vor allem bei den ausländischen Kunden, Osteuropäern sowie Geflüchtete, die 2015 nach Essen kamen und blieben. Sie arbeiten häufig in der örtlichen Ernährungsindustrie. "Manche unterstützen wohl auch ihre Familien zu Hause mit Kleidung und anderen Dingen", vermutet Busse. Ihr ist es recht, der Laden leiste auch als Begegnungsraum einen Beitrag zur Integration, betont sie.

Manche Warenspende ist praktisch neuwertig

Der Spendenfluss riss seit der Eröffnung nie ab. Gut ein Dutzend Ehrenamtliche untersuchen jeden neu eingetroffenen Artikel zunächst auf seinen Zustand. Was nicht mehr für den Verkauf taugt, wird aussortiert. "Aber das kommt eigentlich nur selten vor", sagt Christa Drees. Die Rentnerin schwingt einmal in der Woche das Bügeleisen und bringt Hosen und Oberteile auf Vordermann.  Das meiste sei gut in Schuss, nicht weniges sogar praktisch neuwertig. "Einiges, was hier ankommt, wurde vorher nicht einmal ausgepackt", berichtet Maria Busse. Grund dafür sei wohl die allgemeine Wegwerfmentalität. Allerdings hat die Leiterin eine kleine Trendwende bemerkt. Second-Hand-Ware gilt inzwischen als chic. Sogar große Handelsketten setzen auf den Wiederverkauf und feiern sich selbst dafür ab. Der SKFM hat das nicht nötig. "Nachhaltig waren wir schon immer", sagt Busse. 

Gut zu tun: Christ Drees engagiert sich ehrenamtlich im Laden. Foto: MeyerGut zu tun: Christ Drees engagiert sich ehrenamtlich im Laden. Foto: Meyer

Die schwierigste Zeit seit seiner Eröffnung hat das Soziale Kaufhaus mittlerweile hinter sich. Während des Lockdowns blieb der Einkauf unter Einschränkungen möglich. Das Stöbern zwischen den Kleiderständern fiel jedoch flach. "Wir bedienten die Kunden an der Ladentür und mussten deshalb ständig hin- und herlaufen", erinnert sich Busse. Hinzu kamen sprachliche Hürden. Busse hofft, dass  ein solches Szenario sich nicht wiederholt.

Die Chefin ist eine von 3 festangestellten Mitarbeiterinnen. Gemeinsam mit den Ehrenamtlichen schafften sie es, das Kaufhaus in all den Jahren kostendeckend zu betreiben. Ohne die freiwilligen Helfer wäre dies nicht möglich gewesen, unterstreicht Busse. Wie Christa Drees sind sie oft schon lange dabei und genießen die sinnvolle Tätigkeit und das Zusammensein. Gerade hat das Team wieder Zuwachs bekommen. Wer Lust auf eine Mitarbeit hat, kann sich aber jederzeit im Laden melden.

  • Info: Das Soziale Kaufhaus in Essen ist in der Lange Straße 52 zu finden. Geöffnet ist es montags bis freitags von 9 bis 13 Uhr und von 15 bis 18 Uhr. Während der Öffnungszeiten werden auch die Sachspenden angenommen. 

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