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Gemecker und Bellen: Böseler Kinder- und Jugendhilfe setzt auf Vierbeiner

Lüttje Hütt, Lüttje Zick und Lüttje Laden: Kerstin Oltmann hat viel zu tun. Neben Wohngruppen in Barßel und Bösel hält sie Ziegen, betreibt eine Regio-Box und berichtet über all das auf Instagram.

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Hat alle im Griff: Geschäftsführerin Kerstin Oltmann mit Bock Kalle, den sechs anderen Ziegen und Hündin Hermine vor dem Wohnhaus in Bösel. Foto: Hahn

Hat alle im Griff: Geschäftsführerin Kerstin Oltmann mit Bock Kalle, den sechs anderen Ziegen und Hündin Hermine vor dem Wohnhaus in Bösel. Foto: Hahn

Schon im Büro von "Lüttje Hütt" hört man die Ziegen meckern. Auf dem Weg zu den Tieren geht Kerstin Oltmann am "Lüttje Laden" vorbei. Mit Futter ausgestattet, öffnet sie das Tor zu dem hinter dem Haus liegenden Regenrückhaltebecken. Die sieben "Lüttje Zick" stürmen auf sie zu, allen voran Bock Kalle, der die Papiertüte kurzerhand zerreißt. Auf der anderen Seite des Zauns schaut sich die Hündin Hermine in aller Ruhe das Treiben an. Der tierische Trubel scheint bei der stationären Kinder- und Jugendhilfe in Bösel normal zu sein.

Geschwister betreiben einen kleinen Hofladen auf dem Grundstück

"Wir nutzen die Tiere pädagogisch", erläutert Kerstin Oltmann. "Die Kinder lernen, mit ihnen umzugehen." Gemeinsam mit ihrem Bruder Michael eröffnete die Böselerin 2019 in der Schäferstraße ihre erste Wohngruppe für Kinder und Jugendliche, die aus unterschiedlichen Gründen nicht bei ihren Eltern leben können. 1 Jahr später kauften sie drei Ziegen vom Tierpark Thüle, weil diese Tiere einen positiven Einfluss auf die Entwicklung der Kinder hätten.

„Wir kommen dann am Zaun ins Gespräch und können mit Vorurteilen aufräumen.“Milena Oltmann

Im Herbst des vergangenen Jahres eröffneten die Geschwister auf dem 2350 Quadratmeter großen Grundstück in Bösel zudem einen kleinen Selbstbedienungsladen mit Warenautomat. Anfang 2022 kam dann eine weitere Wohngruppe in einer alten Ärztevilla in der Barßeler Hansastraße dazu.

Viel zu tun für Kerstin Oltmann, die für die Pädagogik zuständig ist, für Michael Oltmann, der sich um den wirtschaftlichen Part kümmert und für ihr siebenköpfiges Team aus Erzieherinnen und Heilerziehungspflegerinnen. Lüttje Hütt, -Zick und -Laden scheinen in einer Symbiose aufzugehen, was durch ein ähnliches Logo bekräftigt wird.

Im Laden kann Ziegenfutter erworben werden, die Zwergziegen sind ein Publikumsmagnet. "Wir kommen dann am Zaun mit Einwohnern ins Gespräch und können mit Vorurteilen aufräumen", erzählt Mitarbeiterin Milena Oltmann. Auch die Öffentlichkeitsarbeit auf Instagram dient dazu, dem fehlenden Verständnis entgegenzuwirken. Denn "Heimkind" und "schwer erziehbar" seien Stempel, die die Kinder der Einrichtung tragen. "Jedes Kind bringt seinen eigenen Rucksack mit Problemen mit, auf die wir ganz individuell eingehen", so Kerstin Oltmann.

Strukturierte Tagesabläufe sorgen für familienähnliches Umfeld

In Bösel leben acht Kinder im Alter von 9 bis 13, in Barßel ist nach einem Umbau ab Sommer für neun Jugendliche von 12 bis 16 Jahren Platz. Vermittelt werden die Bewohnerinnen und Bewohnern von Jugendämtern aus der gesamten Bundesrepublik. Das größte Ziel bei der engen Zusammenarbeit mit den Kindern und Eltern sei immer die Rückführung, erklärt die Geschäftsführerin.

Es gibt klar strukturierte Tagesabläufe, die möglichst familienähnlich und realistisch sein sollen: Schule, Hausaufgaben und Dienste im Haushalt. Gerade die Jugendlichen sollen immer selbstständiger werden, um irgendwann auf eigenen Füßen zu stehen. Zu den Aufgaben gehört, die Ziegen zu füttern und den Stall auszumisten. "Die Tiere vereinfachen die Beziehungsarbeit", erklärt Mitarbeiter Manuel Peukert, dessen Hündin Hermine bei den Kindern genauso gut wie die Ziegen ankommt.

„Wir versuchen, nicht zu über-pädagogisieren.“Kerstin Oltmann

"Wir versuchen, nicht zu über-pädagogisieren", erklärt Oltmann. Lüttje Hütt sei für die Kinder und Jugendliche kein Ort mit 1000 Regeln, an dem man keine Fehler machen dürfe. So wähle das Pädagogen-Team nicht den einfachen Weg und verbiete den Kindern einfach alles. Gerade beim Stichwort Mediennutzung sei das wichtig.

In den sozialen Medien kündigt Lüttje Hütt ein Sommerfest am 26. Juni in der Schäferstraße an, zu dem jeder eingeladen ist. Das soll auch die Dazugehörigkeit in der Nachbarschaft weiter verbessern, obwohl die Wohngruppen in den Gemeinden und umliegenden Nachbarschaften toll aufgenommen wurden und Akzeptanz herrsche. "Dafür sind wir so dankbar", betont Kerstin Oltmann.

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