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Geldwäsche: Wie ein Opfer zur Täterin wurde

Kolumne: Recht hat, wer Recht bekommt – Wenn aus einem Opfer unwissentlich ein Täter wird, kann dies mit der Nutzung sozialer Medien zu tun haben.

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„Diese Verhandlung war ein Beispiel dafür, wie ein Opfer Täterin wurde. Sie sind das Opfer“, so der Vorsitzende Richter des Schöffengerichtes des Vechtaer Amtsgerichtes. Eine 42-jährige Frau aus Vechta wurde wegen Internetbetrugs, sogenanntes "Love Scamming“ beziehungsweise "Romance Scamming“, in 21 Fällen zu einer Freiheitsstrafe von 2 Jahren verurteilt. Wegen der gleichen Delikte war sie schon 2015 zu einer Geldstrafe und 2017 zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr auf Bewährung verurteilt worden. Die Frau war Opfer und Täterin zugleich und einfach nur zu bedauern, obwohl sie total naiv wirkte und den Betrug als Straftat lange nicht erkannte.

Die Betrugsmasche lief wie folgt: Die Frau spielte auf Facebook Spiele. Ein Mark Donald „chattete“ schon vor 2015 mit ihr und versprach, sie zu lieben und zu ihr zu kommen. Dieser Mark, den es wohl nicht gibt, kontaktierte über eine Online-Partnerbörse Frauen und Männer, die nach einer Liebesbeziehung suchten. Diese überhäuften ihre Opfer mit Aufmerksamkeit und täuschten ihre Liebe vor, so auch gegenüber der Vechtaerin. Zweck war nur, den Opfern „das Geld aus der Tasche zu ziehen“.

"Das Geld ging über den besagten Mark Donald auf das Konto der Vechtaerin, die sozusagen als ,Finanzagentin' wirkte." Klaus Esslinger

Im aktuellen Fall war es so, dass Frauen im Netz einen Mann kennenlernten, der jeweils eine persönliche Notlage vortäuschte und so weit ging, dass die Opfer – die Frauen – ihm helfen wollten und Geld überwiesen. Das Geld ging über den besagten Mark Donald auf das Konto der Vechtaerin, die sozusagen als „Finanzagentin“ wirkte. Die hob das geschickte Geld ab und überwies es per Western Union und MoneyGram in die USA und nach Nigeria. Sie selber hatte nichts davon. Im Spiel waren fast alle Banken in Vechta über die Postbank, Commerzbank, LzO und die Volksbank.

Als die Banken die laufenden Geldüberweisungen bemerkten, kündigten sie das Konto der Angeklagten, und die ging zur nächsten Bank und machte ein neues Konto auf.

Es geht um 21 Fälle und 36.000 Euro

In dem jetzt verhandelten Verfahren ging es um 21 Fälle und 36.000 Euro. Als die Angeklagte sich der Bewährungshelferin anvertraute, gingen die Frauen zur Polizei und machten eine Selbstanzeige. Die Geldgeschichte ging so weit, dass 3 Männer in Vechta vor der Commerzbank auftauchten und das an die Frau überwiesene Geld von der Angeklagten persönlich abholten. Die Vechtaerin ging dabei davon aus, dass „Mark Donald“ dabei war – was aber mit Sicherheit nicht der Fall war.

Mithilfe der Bewährungshelferin, sah die Angeklagte ein, dass der „Mark“ sie nicht liebte, sondern nur das Geld wollte. Trotzdem überwies die Frau, trotz einer ganz schmalen Rente noch einmal 150 Euro von ihrem eigenen Geld an den Mann, der sie liebte. Und das nach der Selbstanzeige.

Dem Gericht erklärte die Angeklagte, der Liebhaber aus dem Internet habe erklärt, er habe eine Firma und kein Geld für die Arbeiter, dafür brauche er das. Als die Frau endlich den „Braten gerochen hatte“, überwies sie schließlich das noch ankommende Geld einfach zurück. Sie blockierte den „Mark“ mehrfach, der tauchte aber im Netz immer wieder auf.

Dem Gericht und den Beteiligten ging es nach der Aufklärung der Geldwäschetaten darum, wie der Angeklagten zu helfen war. Der Staatsanwalt forderte nach den 2 Vorstrafen eine Freiheitsstrafe von 2 Jahren ohne Bewährung – bei Straftaten während der Bewährungszeit normal. Der Verteidiger sah Möglichkeiten der Besserung und schlug noch einmal eine Bewährung vor.

Das Gericht verurteilte die Frau zu 2 Jahren auf Bewährung, und gab ihr auf, 100 Stunden gemeinnützige Arbeit zu leisten, legte die Bewährungszeit auf 5 Jahre fest und gab der Angeklagten auf, dass die Bewährungshelferin ihr Konto prüfen lässt und sich einer gesetzlichen Betreuung unterzieht. Nur so könne das „Spiel“ auf Facebook beendet werden.


Zur Person:

  • Klaus Esslinger ist Gerichtsreporter und war viele Jahre Lokalchef der Oldenburgischen Volkszeitung.
  • Kontakt zum Autor über: redaktion@om-medien.de.

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