Das Nachrichtenportal vonMünsterländische Tageszeitung MT undOldenburgische Volkszeitung OV

Gegen Freileitung: Initiative sammelt ab jetzt Einwendungen

Die Stromtrasse soll quer durch den Landkreis Cloppenburg laufen. Bei den Betroffenen lösen die Planungen Ängste und Sorgen aus. Das entscheidende Verfahren hat inzwischen begonnen.

Artikel teilen:
Bald auch im Kreis Cloppenburg: Tennet will im kommenden Jahr mit dem Bau der Stromtrasse beginnen.   Symbolfoto: dpa/Warnack

Bald auch im Kreis Cloppenburg: Tennet will im kommenden Jahr mit dem Bau der Stromtrasse beginnen.   Symbolfoto: dpa/Warnack

Der Bau einer neuen Starkstromleitung durch den Landkreis Cloppenburg rückt näher. Seit dem 9. September läuft das Planfeststellungsverfahren für die umstrittene Trasse. Der Widerstand gegen das Vorhaben flaut aber auch nach mehreren Jahren nicht ab.

„Jeder Einwand ist wichtig“, sagt Alwin Meyer. Der Lankumer ist Mitgründer einer Initiative, die die aktuellen Planungen ablehnt. „Die Trasse wird in das Leben vieler Menschen auf unerträgliche Weise eingreifen“, sagt er und sieht nicht nur die Eigentumsrechte beschnitten. Durch die Hochspannungsleitung steige auch das Krebsrisiko. Hinzu käme der Wertverlust für Grundstücke und Wohnhäuser. Die Initiative ist inzwischen aktiv geworden und hat einen Infoflyer entwickelt. Rund 15.000 Haushalte in Cappeln und Cloppenburg werden ihn im Oktober erhalten. Betroffene Familien schildern darin ihre Bedenken gegen das Großprojekt. „Wir hoffen sehr, dass damit die Bereitschaft wächst, einen persönlichen Einwand zu formulieren“, sagt Gregor Gerwin. 2017 hatte die Initiative bereits fast 4000 individuelle Einwendungen in das Raumordnungsverfahren eingebracht. Etwas Ähnliches soll jetzt auch im Planfeststellungsverfahren gelingen. „Wir möchten diesmal sogar noch erfolgreicher sein“, betont Gerwin.

Die Stromtrasse soll zwischen Conneforde im Norden und Merzen bei Osnabrück im Süden verlaufen. Nach den aktuellen Planungen des Netzentwicklers Tennet wird sie durch die Gemeinden Garrel, Cloppenburg, Cappeln, Lastrup und Essen führen. Bei Garrel und in Nutteln sind größere Umspannwerke geplant. Baubeginn für den Abschnitt 3 zwischen Garrel und Nutteln soll laut Tennet schon im Winter 2022 sein. Der Baustart für den Abschnitt 4 (Nutteln bis zur Kreisgrenze) ist für den Herbst 2023 vorgesehen.

Initiative ist für Erdkabel statt Freileitung

Alwin Meyer lehnt den Netzausbau zwar nicht ab, hält die aktuelle Planung aber für überflüssig und technisch überholt. Seine Initiative setze sich stattdessen für eine „nachhaltige und für den Menschen verträgliche Erdverkabelungslösung“ ein, sagt er. So gebe es inzwischen wassergekühlte Gleichstromminimal-Trassen, die bei gleicher Übertragungsleistung deutlich weniger Platz benötigten, als eine Freileitung mit bis zu 70 Meter hohen "Monstermasten". Sie seien diesen sogar überlegen. "Kein Blitz kann sie treffen, kein Orkan oder Starkregen ihnen etwas anhaben. Und der gesamte Bereich kann im Anschluss an die Bauphase wieder voll landwirtschaftlich genutzt oder begrünt werden.“ Das, so Meyer, sei inzwischen Stand der modernen Technik.

"Es ist nicht eine Frage von Können, sondern ausschließlich von Wollen."Gregor Gerwin, Dingel

Aus Sicht der Trassenkritiker führt der Ausbau des überirdischen Drehstromnetzes nicht zu mehr Energiesicherheit. Der Windstrom aus der Nordsee müsse stattdessen ohne Konvertierung als Gleichstrom in den Süden transportiert werden. „Auch mit dem an Land gewonnenen Strom aus dem Raum Cloppenburg sollte so verfahren werden“, fordert Meyer. „Nur dort, wo er gebraucht wird, sollte man ihn in Drehstrom umwandeln. Alles andere macht keinen Sinn.“ Alternativen zu den Strommasten seien vorhanden und technisch bereits erprobt, fasst Gregor Gerwin zusammen. Sein Fazit: „Es ist nicht eine Frage von Können, sondern ausschließlich von Wollen." 

Dessen ungeachtet sind die Vorbereitungen für den Bau des Umspannwerks bei Garrel bereits angelaufen. Aus Sicht Gerwins ein Unding. "Da werden Fakten geschaffen, bevor das Planfeststellungsverfahren überhaupt begonnen hat." Der Landwirt sagt, er halte das Vorgehen des Netzentwicklers Tennet rechtlich für "mehr als fragwürdig".

Die Initiative will jetzt mindestens 5000 Einwendungen sammeln. Sie sollten  in geschlossenen Umschlägen bis zum 7. November bei Gregor Gerwin, Herzog-Erich-Weg 2 in Cappeln-Dingel abgegeben werden. "Wir werden dort einen Postkasten aufstellen." Die Briefe können aber auch postalisch an ihn gesendet werden.  Am 8. November wollen die Aktiven sie bei der Gemeinde Cappeln und bei der Stadt Cloppenburg einreichen.

Sie wollen nichts verpassen, worüber das Oldenburger Münsterland spricht? Dann abonnieren Sie jetzt unseren Newsletter „Moin, OM!“. Er fasst für Sie das Wichtigste für den Tag auf einen Blick zusammen – immer montags bis freitags zum Start in den Tag.  Hier geht es zur Anmeldung

Hier klicken und om-online zum Start-Bildschirm hinzufügen

Gegen Freileitung: Initiative sammelt ab jetzt Einwendungen - OM online