Das Nachrichtenportal vonMünsterländische Tageszeitung MT undOldenburgische Volkszeitung OV

Geflügelpest in Bühren: Eierkartons in Vechta müssen leer bleiben

Weil in Bühren die Geflügelpest ausgebrochen ist, darf Helmut Mählmann aus Vechta die Eier vom eigenen Hof nicht mehr verkaufen. Weiteren Erzeugern geht es ähnlich.

Artikel teilen:
Bis zum 16. Februar keine Eier im Karton: Helmut Mählmann in seinem Hofladen in Vechta. Foto: Tzimurtas

Bis zum 16. Februar keine Eier im Karton: Helmut Mählmann in seinem Hofladen in Vechta. Foto: Tzimurtas

In den Holzregalen stehen Einmachgläser akkurat aufgereiht. Marmelade, Vanilleäpfelchen, Gurken, Bohnen, Rote Bete und auch Rinderbraten gehören zum Sortiment im Hofladen. Ebenso sind Spirituosen aus der Region in dem Geschäft mit einer Fläche von 40 Quadratmetern. Und auf Kisten sind Netze mit Kartoffeln gestapelt. Doch: Die Eier aus eigener Produktion gibt es derzeit nicht auf dem „Hof Gisela“ am Stoppelmarkt in Vechta zu kaufen. Dabei wird die Qualität der Eier weithin geschätzt. „Ich habe auch aus Lohne und Wildeshausen Kunden“, sagt Helmut Mählmann, der Senior-Chef des Familienbetriebs.

Dass es nun keine Eier vom „Hof Gisela“ gibt, liegt nicht an den Hühnern. Die 320 Tiere im Stall hinter dem altehrwürdigen Fachwerkbau legen tagtäglich ihre etwa 280 Eier. Und die würde er sonst immer alle verkaufen können, berichtet Mählmann. Der 82-Jährige schaut auch an diesem Tag nach seinen gefiederten Schützlingen in Bodenhaltung, die ihn mit einem gurrenden Singsang des Wohlbefindens begrüßen. Dann nimmt er einen Eimer voller Eier, die er am Morgen gesammelt hat, aus einem Schuppen. Er watet mit der Ware 200 Meter durch den Schnee, erreicht einen Metallbehälter, hievt die Abdeckung hoch. In diese Kadavertonne wirft er die Ladung Eier hinein.

Geflügelpest-Fall in Bühren: Auch Kreis Vechta von Sperrgebiet betroffen

Warum? Weil im Nachbarkreis Cloppenburg in Bühren die Vogelgrippe in einem Geflügelbetrieb ausgebrochen ist, haben die Schutzmaßnahmen Auswirkungen bis hier. Um den Seuchenherd in Bühren ist von der Cloppenburger Verwaltung ein Sperrbezirk errichtet, der einen Radius von 3 Kilometern umfasst. Darum ist ein weiterer Ring gezogen. Ein sogenanntes Beobachtungsgebiet, mit einem Umfang von 10 Kilometern – es reicht bis in Teile der Gemeinde Visbek und der Stadt Vechta hinein.

Schutzmaßnahmen bis ins Stadtgebiet: Hinweisschild in Vechta. Foto: DuzatSchutzmaßnahmen bis ins Stadtgebiet: Hinweisschild in Vechta. Foto: Duzat

Und nach Angaben des Landkreises Vechta dürfen Eierbetriebe, die im Sperrbezirk und im Beobachtungsgebiet liegen, ihre Ware nur in zugelassene Packstellen zur Vermarktung bringen. Möglich ist auch, dass die Eier in Werke zur Weiterverarbeitung geliefert werden – oder aber „zur unschädlichen Beseitigung verbracht werden“, wie Behördensprecher Jochen Steinkamp mitteilt. Insgesamt seien im Landkreis Vechta 3 gewerbliche Betriebe im Sperrbezirk betroffen und 26 Betriebe mit mehr als 300 Legehennen im Beobachtungsgebiet. Zu letzteren zählt auch der „Hof Gisela“.

Die Eier seiner Hennen zu einer Packstelle zu bringen, ist für Mählmann keine Lösung. Da komme viel und langwierige Bürokratie auf ihn zu. Außerdem geht er von zu geringen Preisen aus, so dass es sich unterm Strich nicht lohne. Also hat er sich entschieden, die Eier in die Tonne zu kippen. Seit dem 19. Januar macht er den schweren Gang zum metallenen Abfallbehälter. Das war der Tag, als er vom Veterinäramt des Landkreises über die Bestimmungen im Beobachtungsgebiet zur Vogelgrippe informiert wurde. Bis zum 16. Februar gelte die Regelung.

Regelung gilt vorerst bis zum 16. Februar

„Das ist nicht schön“, fasst Mählmann die Lage zusammen. Denn die Einkommenseinbußen sind ein weiterer schwerer Schlag. Das Café in dem Prachtfachwerkhaus, das um 1900 von den Vorfahren von Mählmanns Frau Gisela erworben wurde, sei wegen des Corona-Lockdowns geschlossen – wie auch im Frühjahr. Die Kosten liefen aber weiter. Und nun falle auch noch der Eierverkauf weg. Eine Entschädigung gebe es nicht. Und das bedeute auch, dass er beim Hofladen 80 Prozent weniger Einnahmen verbuche. Die Eier seien „ein ganz großer Anziehungsfaktor“ und Kunden würden dann noch Kartoffeln oder etwas anderes dazukaufen.

Mählmann bietet die Eier gewöhnlicherweise in Pappkartons mit je 10 Stück an oder auf Paletten mit 30 Exemplaren. Viele kaufen auf Vorrat. Die Ware ist auch an Wochenenden erhältlich, steht im Eingangsbereich bereit. Kunden können das Geld in eine Metallkassette stecken. Was macht die Eier so beliebt? Mählmann sagt, der Geschmack werde durch das Futter beeinflusst. Er nehme dazu selbst hergestelltes Vollkornfutter. Außerdem streue er noch Weizenkörner im Stall aus.

Immer wieder kommen auch an diesem Tag Stammkunden vorbei, die Eier kaufen wollen. Einer von ihnen ist Jacques de Boer. Auch er muss erfahren, dass es die Ware bis zum 16. Februar nicht gibt – wegen des Beobachtungsgebiets. Seine Enttäuschung drückt de Boer so aus: „Schietkram.“ Nun muss er erst einmal auf die Eier verzichten, die ihm „besonders gut schmecken“. Alle 14 Tage kauft er 30 Stück davon. Auch Spargel und Schinken beziehe er von hier, so viel wie möglich aus Direktvermarktung.

Für Mählmann sind die Ausfälle schwer zu verkraften. Immerhin sei der Verkauf von Tannen zur Weihnachtszeit gut gelaufen. Auch dieses Angebot gehört zum „Hof Gisela“, dessen Gebäude Mählmann als Zimmermeister zehn Jahre lang aufwändig renoviert hat. Das bauliche Schmuckstück am Stoppelmarkt hat in seinen Fachwerkbalken auch viele Sprüche graviert. Einer davon lautet: „Höre nie auf anzufangen/Fange nie an aufzuhören“. Mählmann wird derweil weiter 260 bis 280 Eier am Tag wegwerfen, bis das Beobachtungsgebiet aufgehoben ist – und die Stammkundschaft wieder ihre Ware bekommen kann.

Gang zur Kadavertonne: Helmut Mählmann mit frisch gelegten Eiern.  Foto: TzimurtasGang zur Kadavertonne: Helmut Mählmann mit frisch gelegten Eiern. Foto: Tzimurtas

Hier klicken und om-online zum Start-Bildschirm hinzufügen

Geflügelpest in Bühren: Eierkartons in Vechta müssen leer bleiben - OM online