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Geflügelpest: Experten sind auf Spurensuche

Wie konnte sich die Geflügelpest in den Ställen des Landkreises Cloppenburg ausbreiten? Dieser Frage gehen Experten nach. Es gibt einen Verdacht - kritisch hinterfragt wird auch die Putendichte.

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Symbolfoto: dpa

Symbolfoto: dpa

In mittlerweile 19 Geflügelmastbetrieben im Landkreis Cloppenburg ist die Geflügelpest nachgewiesen worden. Während es zunächst Ställe in der Gemeinde Garrel waren, mehren sich jetzt die Ausbrüche in der Gemeinde Lastrup - zuletzt am Sonntag in einem weiteren Putenstall mit 7400 Tieren. Und die dringende Frage ist: Wie konnte sich das Virus verbreiten, obwohl bereits seit dem 14. November eine allgemeine Stallfplicht gilt?

Der erste Fall von Geflügelpest wurde kurz vor Weihnachten in Kellerhöhe bekannt. Seitdem wird untersucht, wie das Virus in den Stall eingetragen werden konnte. "Die epidemiologischen Ermittlungen dauern an", erklärte Kreissprecher Frank Beumker auf Anfrage von OM online. Die Tierärzte des Veterinäramtes führen in jedem Ausbruchsbetrieb die Untersuchungen zur Nachverfolgung durch. Gemeinsam mit den Experten des Niedersächsischen Landesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES) und des Friedrich-Löffler-Institutes (FLI) werden die Daten ausgewertet.

Verdacht: Virus wurde von Wildvögeln über die Luft übertragen

Es gebe mittlerweile eine erste Vermutung, die allerdings nicht überraschend kommt: Wildvögel könnten die Ursache sein. Auch wenn bereits für die Geflügelzüchter eine Stallpflicht angeordnet war: Spuren von Wildkot, die in den Stall getragen worden sein könnten, reichen schon aus. Diese Kotspuren könnten von Personen oder Maschinen in die Ställe eingeschleppt worden sein. Das als einzige Ursache zu betrachten, sei aber schwierig. "Da die Tierhalter ein hohes Maß an Biosicherheit praktizieren, kann das Geschehen damit alleine nicht erklärt werden", so Beumker.

In den Fokus der Ermittlungen rückt nun die Übertragung durch die Luft. Allein die Rast von Wildvögeln in der Nähe eines Stalls reiche schon aus, erklärt Beumker. Das ist besonders für Puten gefährlich. Denn die werden in so genannten Offenställen mit direkter Luftzufuhr gehalten. Dass besonders Puten von der Geflügelpest betroffen sind, beweisen schon die Zahlen: 18 Putenmastbetriebe waren betroffen und nur in einem Fall eine Entenzucht. 216.000 Tiere mussten bislang getötet werden - davon 199.000 Puten und 17.000 Enten.

"Insbesondere im Raum Garrel liegen die Betriebe recht dicht beieinander."Kreissprecher Frank Beumker

Gestützt wird die Theorie von den Wildvögeln auch mit dem Infektionsschwerpunkt in Garrel. Denn die Gemeinde liegt direkt in der Flugroute zur Thülsfelder Talsperre. Wie Beumker gegenüber OM online bestätigte, wird dieser Aspekt mit in den Untersuchungen berücksichtigt.  Die Konzentration der Ausbrüche auf Garrel und Bösel war bereits Anfang Januar im Veterinäramt Anlass zur Sorge. "Es ist kritisch, dass in den Gemeinden Garrel und Bösel trotz der hohen Wildvogelpopulation und der alle Jahre wiederkehrenden Geflügelpest immer wieder so viele Puten eingestallt werden", sagte Dr. Karl-Wilhelm Paschertz, Leiter des Amtes für Veterinärwesen und Lebensmittelüberwachung. Hinzu kommt: "Insbesondere im Raum Garrel liegen die Betriebe recht dicht beieinander", so Beumker. Wegen der Haltung in Offenställen begünstige das zusätzlich eine Luftübertragung des H5N8-Virus.

Reduzierung der Putenbestände als Lösung?

Die hohe Geflügeldichte im Landkreis Cloppenburg wird damit einmal mehr zum Risiko. "Mit bis zu 6.500 Puten pro Quadratkilometer hat der Landkreis Cloppenburg ein Alleinstellungsmerkmal", berichtet Beumker. Gleichzeitig sei die Pute die Geflügelart, die regelmäßig von der Aviären Influenza betroffen ist. Daher stelle sich die Frage, ob "durch eine Reduzierung der Putenpopulation das Risiko eines Erregereintrags in die Tierhaltungen des Landkreises Cloppenburg reduziert werden kann."  Dieser Aspekt könnte die politische Debatte zum Thema "Stalldichte" im Landkreis Cloppenburg erneut entfachen. 

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