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Geflügelpest-Ausbruch trifft Tierhalter um Vechta hart

63.000 Legehennen werden im Vechtaer Stadtteil Rieden getötet. Das Beobachtungsgebiet zur Seuchenbekämpfung reicht von Visbek und Goldenstedt bis nach Lohne – und bis in den Landkreis Cloppenburg.

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Geflügelpestausbruch in Vechta/Rieden: Gas zum Töten der Tiere wird von einem Tanklastzug in einen Legehennenstall geführt. Foto: M. Niehues

Geflügelpestausbruch in Vechta/Rieden: Gas zum Töten der Tiere wird von einem Tanklastzug in einen Legehennenstall geführt. Foto: M. Niehues

Die schweren Lkw fahren am frühen Morgen vor. Kadavertransporter, Radlader, Container und Sattelzüge mit Kohlendioxid gehören dazu. Nachdem am Montag das Friedrich-Loeffler-Institut den Verdacht eines Geflügelpest-Ausbruchs in Vechta/Rieden untersucht und bestätigt hatte, werden die betroffenen Legehennen am Dienstag unter Aufsicht des Veterinäramtes getötet. Aus einem Tanklastzug wird hierzu tiefgekühltes Kohlendioxid in die Ställe geleitet. Es gilt als gebräuchlichstes Verfahren zur Bestandstötung. Später werden die Kadaver abtransportiert.

Der Geflügelpest-Ausbruch in der Kreisstadt ist nicht nur belastend für betroffene Tierhalter, es hat auch harte Auswirkungen für entsprechende Betriebe im mindestens drei Kilometer weit reichenden Sperrbezirk rund um den Seuchenbestand und für das Beobachtungsgebiet mit Radius von rund 10 Kilometern.

Eine entsprechende Allgemeinverfügung hat der Landkreis Vechta jetzt erlassen, die ab dem 3. März bis auf Wiederruf gilt. Die Behörde will so die Weiterverbreitung der Seuche verhindern und den damit verbundenen wirtschaftlichen Schaden reduzieren.

Im Sperrbezirk gelten ab Mittwoch strenge Vorgaben

Im Sperrbezirk in und um Vechta dürfen ab Mittwoch gehaltene Vögel, Säugetiere, Fleisch von Geflügel und Federwild, Eier sowie Geflügelerzeugnisse und tierische Nebenprodukte weder in noch aus einem Bestand verbracht werden. Ausnahmen sind nach Auskunft des Landkreises nur mit beantragter Genehmigung und nach genauer Prüfung möglich. Für die Tierhalter und deren Stallanlagen gelten zudem strenge  Hygiene- und weitere Vorschriften. Fahrzeuge und Behälter müssen desinfiziert werden. 

Ähnlich, wenngleich nicht ganz so streng, sind die Vorgaben für das Beobachtungsgebiet, das fast den gesamten Nordkreis zwischen Visbek, Goldenstedt und Lohne umfasst. Hier dürfen gehaltene Vögel, frisches Geflügelfleisch, Eier sowie sonstige Geflügel- und Federwilderzeugnisse sowie tierische Nebenprodukte von Geflügel weder in noch aus einem Betrieb gebracht werden. Auch hier gelten entsprechende Hygiene- und Desinfektionsregeln.

Nach Angaben des Landkreises befinden sich allein im Sperrbezirk 75 Geflügelhaltungen mit 614.450 Tieren. Im Beobachtungsgebiet sind es 370 Betriebe mit fast 4 Millionen Stück Geflügel. Wie der Landkreis mitteilt, fordert das Veterinäramt alle Geflügel haltenden Betriebe auf, die vorgegebenen Maßnahmen genauestens einzuhalten und jeglichen Seuchenverdacht sofort anzuzeigen. "Die Kreisverwaltung appelliert an die Geflügelhalter größtmögliche Vorsicht walten zu lassen und insbesondere alle direkten und indirekten Kontaktmöglichkeiten des eigenen Geflügels zu wildlebenden Vögeln und deren Ausscheidungen auszuschließen", teilt Sprecherin Eva-Maria Dorgelo mit.

Aufstellpflicht gilt landesweit

Im Beobachtungsgebiet liegt auch der Wiesenhof-Geflügelschlachtbetrieb Oldenburger Geflügelspezialitäten. Nach Auskunft des Landkreises darf hier weiter geschlachtet werden. Es seien aber entsprechende Hygiene- und Biosicherheitsmaßnahmen einzuhalten. "Schlachtungen von Geflügel aus den gesperrten Gebieten müssen vom Veterinäramt genehmigt werden", so Dorgelo.

Vor dem Hintergrund des aktuellen Ausbruchsgeschehens wandte sich gestern auch das niedersächsische Landwirtschaftsministerium an die Öffentlichkeit. Es bitte alle Tierhalter darum, Biosicherheitsmaßnahmen "weiterhin strikt einzuhalten, um weitere Ausbrüche in Geflügelbeständen zu verhindern." Auch die landesweite Aufstallpflicht sei weiterhin nötig. Zudem wird darauf verwiesen, dass seit November das hochpatogene aviäre Influenza-Virus vom Subtyp H5 (HPAIV H5) bei bisher 69 Wildvögeln in 19 Landkreisen des Landes nachgewiesen wurde.

Das Landwirtschaftsministerium teilt zudem mit, dass seit dem 17. November letzten Jahres in Niedersachsen insgesamt 33 Ausbrüche der Geflügelpest in Tierbeständen von sechs Landkreisen festgestellt worden sind. Allein seit dem 19. Februar 2021 gab es demnach sechs Seuchenausbrüche in Puten- und Legehennenhaltungen in drei Landkreisen. Überwiegend sei dabei HPAIV vom Subtyp H5N8 nachgewiesen worden.

Friedrich-Löffler-Institut befürchtet neue Dynamik des Ausbruchsgeschehens

Das Friedrich-Löffler-Institut verwies bereits im Januar auf die Häufungen von Geflügelpest im geflügeldichten Landkreis Cloppenburg und stufte das Risiko der Ausbreitung in Wasservogelpopulationen des Eintrages sowie der weiteren Verbreitung in Geflügelhaltungen als hoch ein. Das Institut erwartet jetzt zudem eine neue Dynamik des Ausbruchsgeschehens mit dem aktuellen Frühjahrsvogelzug.

Ende Februar hatte das Friedrich-Löffler-Institut vermeldet, dass es bei 7 Mitarbeitern eines Geflügelmastbetriebes in Russland erstmals zu Infektionen mit dem Geflügelpestvirus des Subtyps H5N8 gekommen sei. In Deutschland gebe es keine Hinweise auf Übertragungen auf Menschen oder andere Säugetiere, teilt das Institut mit. Bei Geflügelpestviren bestehe aber immer eine Änderung der Eigenschaften. "Zudem können bei einer hohen Viruslast, wie sie in betroffenen Geflügelhaltungen zu erwarten ist, sporadische Übertragungen auf Menschen nicht ausgeschlossen werden", heißt es in der Mitteilung.

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