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Geduld und Vertrauen sind aufgebraucht

Thema: Das Zentralkomitee der Katholiken fordert die Offenlegung des Kölner Missbrauchsgutachtens. Den Laien der Geduldsfaden gerissen. Zu Recht.

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Die Aufarbeitung jahrzehntelangen sexuellen Missbrauchs durch Priester hält die Katholiken in Deutschland weiter in Atem. Fassungslos nehmen die Gläubigen in diesen Tagen zur Kenntnis, dass der Kölner Erzbischof Kardinal Rainer Maria Woelki und Gleichgesinnte noch immer versuchen zu vertuschen und sich schonungsloser Aufklärung verweigern.

Am Freitag ist den Laien der Geduldsfaden gerissen. Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken hat Kardinal Woelki unmissverständlich zur Offenlegung eines von ihm zurückgehaltenen Missbrauchsgutachtens aufgefordert. Es sei Zeit, Ursachen zu erkennen, Verantwortung zu übernehmen und Konsequenzen zu ziehen. Die „intransparenten Vorgänge“ im Erzbistum Köln müssten vollständig offengelegt werden.

Das Gutachten zum Umgang des Erzbistums mit Vorwürfen des sexuellen Missbrauchs von Kindern durch Priester hatte Woelki selbst in Auftrag gegeben und im Herbst 2018 angekündigt, die Erzdiözese werde „sich der Wahrheit stellen – auch dann, wenn diese schmerzlich ist“.

Erzbischof Stefan Heße bestreitet alle Vorwürfe

Das darf mittlerweile getrost bezweifelt werden. Bekannt geworden ist, dass in dem Gutachten der Hamburger Erzbischof Stefan Heße – früher Personalchef im Erzbistum Köln – kritisch beurteilt wird. Heße bestreitet alle Vorwürfe. Zugleich haben Betroffenenbeiräte in Köln beklagt, Woelki habe sie unter Druck gesetzt, der Nichtveröffentlichung des angeblich mangelhaften Gutachtens zuzustimmen.

Die Münchner Kanzlei bestreitet, dass ihr Gutachten mangelhaft ist. In der vergangenen Woche hatte sie ein vergleichbares Gutachten für das Bistum Aachen vorgelegt. Die dortige Leitung kann man nur ermutigen, den eingeschlagenen Weg weiterzugehen und zu institutioneller und persönlicher Verantwortung zu stehen.

Das Zentralkomitee hat gestern die Bischöfe insgesamt erneut ermahnt, sich endlich der Schuld bedingungslos zu stellen. Wer Verantwortung trage, müsse aus Versagen auch Konsequenzen ziehen. „Wir sehen jedoch, dass es noch immer Bischöfe und weitere Leitungsverantwortliche gibt, die ihre Macht missbrauchen, keine persönliche und institutionelle Verantwortung übernehmen und nicht zu strukturellen Veränderungen bereit sind“, heißt es in der ZdK-Erklärung. Darin werden die Bischöfe aufgefordert, mit der Bundesregierung vereinbarte Kriterien für eine unabhängige Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs in ihren Bistümern endlich konsequent umzusetzen. Geduld und Vertrauen sind aufgebraucht. Die Opfer, die Öffentlichkeit und das Volk Gottes haben ein Recht auf die Wahrheit.

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