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Für Werner Schulze steht immer der Mensch im Mittelpunkt

16 Jahre war der Dinklager Vorstandsvorsitzende der St. -Anna-Stiftung. Der 64-Jährige blickt kritisch auf gewisse Strukturen zurück – empfindet seine Arbeit aber als reizvoll und erfüllend.

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Empfang zum Abschied: Die Kinder des Kinderhauses St. Anna standen Spalier und sangen „Viel Glück und viel Segen auf all' Deinen Wegen“ – gemeinsam mit den Bereichsleitenden der einzelnen Abteilungen und der Mitarbeitervertretung. Foto: Mäkel

Empfang zum Abschied: Die Kinder des Kinderhauses St. Anna standen Spalier und sangen „Viel Glück und viel Segen auf all' Deinen Wegen“ – gemeinsam mit den Bereichsleitenden der einzelnen Abteilungen und der Mitarbeitervertretung. Foto: Mäkel

Im Mittelpunkt stehen – nein, das ist nicht unbedingt die Sache von Werner Schulze. Er arbeitet lieber im Hintergrund. Als Vorstand der St.-Anna-Stiftung Dinklage kam der 64-Jährige an seinem letzten Arbeitstag aber um eine kleine Abschiedsfeier nicht herum. Bei einem coronakonformen Empfang im Hospizgarten ließ Werner Schulze mit Gästen aus Politik, Gesellschaft und Kirche (unter anderem der ehemalige Dinklager Pfarrer und heutiger Dompropst Kurt Schulte), Mitarbeitenden und Kindern des Kinderhauses seine Zeit als Angestellter der St.-Anna-Stiftung Revue passieren. Seit 1996 war er dort im Dienst, bis 2019 Leiter des Altenheims und seit 2005 auch Geschäftsführer und Stiftungsvorsitzender.

25 Jahre im Dienst der katholischen St.-Anna-Stiftung – für Werner Schulze war diese Zeit „sehr reizvoll“. Denn die auf den Gesundheits- und Sozialbereich spezialisierte Stiftung biete ein breites Spektrum, sagt Schulze: Es gebe die Frühförderung und die Senioren-Hausgemeinschaften, das Kinderhaus und das Altenwohnhaus, die Hospizdienste und die Sozialstation. Herausfordernd, aber auch sehr erfüllend sei es gewesen, sich für die unterschiedlichen Zielgruppen mit Unterstützungsbedarf einzusetzen. Eines war Werner Schulze dabei immer wichtig: immer den Menschen in den Mittelpunkt zu stellen. Die zu Pflegenden ebenso wie die Mitarbeitenden.

Das war und sei nicht einfach, glaubt Werner Schulze. Denn während die Dokumentationspflichten und bürokratischen Aufgaben für die Angestellten zunehmen, bleibe für die Mitarbeitenden weniger Zeit, um die Kernaufgaben zu erledigen – die Menschen zu pflegen und zu betreuen. Während gleichzeitig die Finanzmittel geringer werden, wie Schulze in seinem Rückblick mehrmals beklagt.

Der Stiftungsvorstand bedankt sich: (von links) Isolde Hanel-Schulze, Werner Schulze, Günther Barklage, Hermann Korte, Maria Taphorn und Benno Fangmann. Foto: MäkelDer Stiftungsvorstand bedankt sich: (von links) Isolde Hanel-Schulze, Werner Schulze, Günther Barklage, Hermann Korte, Maria Taphorn und Benno Fangmann. Foto: Mäkel

Als der Dinklager bei der St.-Anna-Stiftung 1996 anfing, gab es den Krankenhausbetrieb noch. Bald übernahm die St.-Anna-Stiftung die Rest-Aufgaben. Die Sorge der Bürgerinnen und Bürger, es würden dadurch Arbeitsplätze verloren gehen, bewahrheitete sich nicht. Im Gegenteil: 2000 hatte die St.-Anna-Stiftung 140 Mitarbeitende, heute sind es 260 Angestellte. „Die Entwicklung ist absolut positiv“, blickt Schulze auf die vergangenen Jahrzehnte zurück. Das gelte auch für die verschiedenen Einrichtungen innerhalb der Stiftung. „Wir sind in Dinklage, auch Dank der sehr guten und angenehmen Zusammenarbeit mit der Stadt, gut platziert“, findet Schulze – wenngleich er bisweilen gewisse Strukturen kritisiert.

Zum Beispiel im Pflegebereich: „Wenn wir diesen Berufszweig attraktiv gestalten wollen, müssen wir ihn auch aufwerten“, sagt Werner Schulze. Das meint er nicht nur mit Blick auf die Bezahlung, sondern auch inhaltlich. Die Wertschätzung sei vor zwei Jahrzehnten viel höher gewesen. Doch die Rahmenbedingungen hätten sich zunehmend verschlechtert.

Der Zeitdruck hinterlässt Spuren – bei allen Beteiligten

Vor zwei Jahrzehnten habe es noch eine Fachkräftequote von 90 Prozent gegeben, heute sei es die Hälfte – weil es vom Kostenträger so gewollt sei. Das qualifizierte Fachpersonal müsse jedoch die Verantwortung für die andere Hälfte mit übernehmen. Dazu kommen die zunehmenden Dokumentationspflichten und Pflegeanforderungen, es gebe vermehrt behördliche Kontrollen und Prüfungen für die Mitarbeitenden, während die interessanten Aufgaben weniger werden.

Es sei heute nicht unüblich, beklagt Werner Schulze, wenn ein zu Pflegender zwischen 10 und 20 verschiedene Gesichter am Tag sieht. „Wir sind von der ganzheitlichen Pflege zur Funktionspflege übergegangen“, meint der ausgebildete Krankenpfleger. Die Folgen dieser Entwicklung seien vielfältig: Es bleibe weniger Zeit für die Betreuungen und das Berufsbild werde weniger attraktiv. „Das Zwischenmenschliche bleibt auf der Strecke“, findet Schulze.

"Der Landkreis hat mehr Interesse an einer Kostendämpfung als an einer Weiterentwicklung."Werner Schulz zu den Sparmaßnahmen im sozialen Bereich

In der Frühförderung ist die Stiftung bereits seit 1983 aktiv. Bevor es zu einer Aufnahme in die Frühförderung kommen kann, muss ein Antrag beim zuständigen Landkreis auf Kostenübernahme gestellt und befürwortet werden, meist verbunden mit einer amtsärztlichen Stellungnahme. Allerdings achte der Landkreis Vechta hier zu viel auf die Kosten und habe zu wenig die Inhalte im Blick – was Schulze ein Unding findet.

„Der Landkreis hat mehr Interesse an einer Kostendämpfung als an einer Weiterentwicklung.“ Er findet: Eine prosperierende Region müsse mit Blick auf die sich anbahnenden Transformationsprozesse und den Fachkräftemangel nicht nur in die Infrastruktur investieren, sondern auch in den sozialen Bereich. Er wünsche sich, dass die Kreisbehörde „dem Subsidiaritätsprinzip der freien Wohlfahrtspflege mehr Vertrauen schenkt“.

Schulze kritisiert knappen Personalschlüssel in den Kitas

Es ist mitnichten so, dass Werner Schulze nur kritisieren möchte. Das sagt er auch mit Blick auf die Reform des Kindertagesstätten-Gesetzes. Der Grund: Schulze hält den Personalschlüssel in den Kindergärten und Krippen angesichts der zunehmenden Auffälligkeiten von Kindern und Sprachbarrieren für zu gering. Doch es geht dem Ex-Stiftungsvorstand, wie schon erwähnt, immer darum, den Menschen in den Fokus zu rücken – und nicht die Finanzen.

„Richtig gut aufgestellt“ sieht er das Kinderhaus St. Anna mit seinem „sehr gutem Konzept“. Auch bei den Hospizdiensten, sowohl im (teil-)stationären als auch im ambulanten Bereich, nehme die St.-Anna-Stiftung eine Vorreiterrolle in Niedersachsen ein. Richtig seien auch die Entscheidungen gewesen, im Wohnbereich die Plätze für vollstationäre Betreuung (75 Plätze) und beim betreuten Wohnen (bald 3 Gebäude) auszubauen.

Apropos Betreutes Wohnen: Den Neubau am Eschweg mit 11 Wohnungen auf 2 Ebenen wird Schulze als Projektleiter begleiten, bis er bezugsfertig ist. Langweilig wird dem Rentner also nicht werden. Er will sich ehrenamtlich engagieren. Er möchte sich um den Hospizgarten kümmern und ist Vorsitzender der neu gegründeten Hospiz-Stiftung Dinklage, die sich um die nötige Akquise von Spendengeldern kümmert. Werner Schulze bleibt der St.-Anna- Stiftung also erhalten. Zwar nicht mehr als Geschäftsführer und Gesicht der Stiftung, dafür im Hintergrund. Das mag Werner Schulze ohnehin lieber.

Fruchtbare Zusammenarbeit mit der Stadt: Bürgermeister Frank Bittner (rechts) dankt Werner Schulze für sein Engagement. Auch Domprobst Kurt Schulte und Caritas-Direktor Dr. Georg Tepe waren Gäste. Foto: MäkelFruchtbare Zusammenarbeit mit der Stadt: Bürgermeister Frank Bittner (rechts) dankt Werner Schulze für sein Engagement. Auch Domprobst Kurt Schulte und Caritas-Direktor Dr. Georg Tepe waren Gäste. Foto: Mäkel


Werdegang: 

  • Ausbildung zum Krankenpfleger im St. Marienhospital Vechta.
  • Einige Berufsjahre in der Intensivpflege und Schulassistenz.
  • Pädagogisches Weiterbildungsstudium an Caritas-Akademie Köln-Hohenlind
  • Schultätigkeit im Marienhospital und Pius-Stift Cloppenburg.
  • Weiterbildung Themenzentrierte Interaktion.
  • Seit 1996 in der St. Anna Stiftung 
  • Bis 2019 Heimleitung Altenwohnhaus St. Anna.
  • Zusätzlich Geschäftsführer und Stiftungsvorstand seit 1. Januar 2005.
  • Schulzes Nachfolge teilen sich Andrea Mäkel und Tobias Pundsack.

  

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