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Für Marco Sadelfeld ist die Jagd mehr als ein Hobby

Der Ellenstedter ist kürzlich zum Kreisjägermeister ernannt worden. Seine Naturverbundenheit ebnete den Weg zu seiner heutigen Leidenschaft.

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Stets an seiner Seite: Hündin Ayla begleitet Marco Sadelfeld schon seit mehreren Jahren bei der Jagd. Der Ellenstedter ist seit diesem Jahr Kreisjägermeister. Foto: C. Meyer

Stets an seiner Seite: Hündin Ayla begleitet Marco Sadelfeld schon seit mehreren Jahren bei der Jagd. Der Ellenstedter ist seit diesem Jahr Kreisjägermeister. Foto: C. Meyer

Wenn man Marco Sadelfeld fragt, wie oft er sich in der Woche mit Jagd beschäftigt, überlegt er nur kurz: "Täglich – und wenn es nur gedanklich ist", sagt er. Der 41-jährige Ellenstedter ist der frisch ernannte Kreisjägermeister des Landkreises Vechta. In dieser Funktion steht er dem Landkreis Vechta in jagdlichen Fragen beratend zur Seite, erklärt Sadelfeld. Darüber hinaus hat er den Vorsitz des Jagdbeirats inne und ist für die Durchführung der Jägerprüfungen verantwortlich.

Der Weg dahin begann mit einem Zufall, wie Marco Sadelfeld verrät. Oft kennt man dieses Bild eines Jägers: Der Vater, der Großvater, der Onkel – in einer Familie gibt es meistens mehrere Jäger. Die Leidenschaft wird quasi vererbt. Im Fall von Sadelfeld war das allerdings nicht der Fall, sagt er. Er habe keine Verwandten mit Jagdschein. Allerdings gab es Vorzeichen. Er sei immer sehr naturverbunden gewesen, berichtet der Ellenstedter. Als Kind habe er jede freie Minute draußen verbracht, habe viel geangelt und sei Pfadfinder gewesen.


Zur Person:

  • Marco Sadelfeld ist 41 Jahre alt und wohnt in Ellenstedt.
  • Er ist verheiratet und hat 3 Kinder.
  • Seit 2014 ist er Vorsitzender des Hegering Goldenstedt.
  • Seit 2021 ist er Kreisjägermeister im Landkreis Vechta.
  • Er ist außerdem Mitglied in der Jagdhornbläsergruppe, spielt Posaune im Blasorchester Ellenstedt und ist Mitglied im örtlichen Schützenverein.

Als er 2000 den Jagdschein machte, sei das eine spontane Idee gewesen, erinnert sich Sadelfeld. Er habe eine Anzeige für einen Kurs in der Zeitung gesehen und sich angemeldet. So geriet der Stein ins Rollen. Daraufhin ist er direkt dem Hegering Goldenstedt beigetreten. Ab 2001 studierte er Forstwirtschaft in Göttingen. "Ich dachte, ich mache mein Hobby zum Beruf", sagt Sadelfeld. Als Förster habe er allerdings nie gearbeitet. Nach dem Studium zog es ihn in den Außendienst im Holzhandel. 

Doch was macht für ihn den Reiz der Jagd eigentlich aus? Schließlich ist die Jägerschaft nicht bei allen Menschen gleichermaßen beliebt. Dafür holt Sadelfeld etwas aus. Der Grundgedanke bei der Jagd sei von jeher die Nahrungsbeschaffung, erklärt er. Das sei bis heute ein zentraler Punkt. Das oberste Ziel sei nach wie vor: "Wir schießen keine Tiere aus Lust", erklärt der Kreisjägermeister. Bei der Jagd lasse sich das "hochwertigste Lebensmittel" aneignen: "Das sehe ich als Privileg." Dass dafür ein Tier getötet werden muss, sei heutzutage vielen fremd geworden, ist seine Beobachtung. Jägerinnen und Jäger seien von dieser Entfremdung weiter entfernt. Sein Standpunkt: "Wenn ich kein Vegetarier bin, kann ich eigentlich nichts gegen Jäger haben." Er selbst freue sich über jeden Rehbraten, gesteht er. Er schieße immer mal wieder für die eigene Küche.

Doch Fuchs, Marder oder Iltis landen bekanntlich nicht auf heimischen Tellern, werden aber von Jägerinnen und Jägern beschossen. In diesem Fall gehe es darum, gesunde Wildbestände beizubehalten, sagt Marco Sadelfeld. Fuchs und Co. "befallen für uns nutzbares Wild". Darauf müsse Augenmerk gelegt werden. Die Aufgabe der Jägerschaft sei es deshalb, ein Gleichgewicht aufrechtzuerhalten und Tierbestände zu schützen, die von derartigen Predatoren bedroht werden. Jagd sei auch Naturschutz. 

Nutria und ASP sorgen für Probleme

Die Jagd an sich erzeuge zahlreiche "unglaubliche Momente", schwärmt der Ellenstedter. Als Beispiel nennt er eine Situation vom vergangenen Wochenende. Es sei auf einen Fasan geschossen worden, doch trotz langer Nachsuche sei das Tier nicht gefunden worden, schildert Sadelfeld. Die Truppe habe dann aufgegeben. Einer der Jäger bemerkte irgendwann, dass sein Hund verschwunden war. Dieser sei plötzlich mit dem angeschossenen Fasan aufgetaucht. Die Freude war bei allen groß. Auch die Tatsache, viele Fasane beobachten zu können, erzeuge Freude, berichtet der Jäger. Das gebe die Hoffnung, dass man dazu beitrage, einen gesunden Fasanenbestand aufrechtzuerhalten.

Doch die örtliche Jägerschaft müsse sich auch mit Problemen beschäftigen. Ein großes Thema sei die zunehmende Nutria-Population. Die Tiere untergraben die Böschungen an Fluss- und Bachläufen und verursachen Schäden an der Infrastruktur, schildert der Kreisjägermeister. Damit die Population "nicht ins Uferlose wächst", sei auch hier die Jägerschaft gefragt.

Bei der Afrikanischen Schweinepest (ASP) werden die Jägerinnen und Jäger ebenfalls in die Pflicht genommen. Doch die geforderte Reduktion der Wildschweinbestände sei viel Arbeit, sagt Sadelfeld. Davor müsse man großen Respekt haben. Jägerinnen und Jäger investieren viel Zeit – teilweise ohne Erfolg, wenn sie gar kein Tier erwischen. Schließlich übten die örtlichen Jägerinnen und Jäger all das in ihrer Freizeit aus. Sadelfeld möchte da gar nicht von Hobby sprechen. Das sei mehr als das. Für ihn stelle die Jagd eine "Passion" dar.

Fallwildzahlen sollen reduziert werden

Und wie sieht das mit dem Wolf aus? Der erregt die Gemüter schließlich immer wieder. "Für uns spielt der Wolf keine Rolle", sagt Marco Sadelfeld. Die Gesetzgebung sei da – das Tier wird geschont –  klar, die Jägerschaft damit nicht involviert. Es gebe durchaus einige Jägerinnen und Jäger, die schon Sichtkontakt zum Wolf hatten, berichtet er. Sadelfeld hofft lediglich, dass "uns das Thema nicht einholt": "Es macht keinem Jäger Spaß, auf einen Wolf zu schießen."

Und was nimmt sich der Kreisjägermeister – vom Kreistag für die Zeit der laufenden Wahlperiode ernannt – für die kommenden 5 Jahre vor? Ein Anliegen ist Marco Sadelfeld, die Fallwildzahlen zu reduzieren. Damit sind unter anderem von Autos erfasste Rehe gemeint. Sadelfeld würde deshalb gerne die Abschusszahlen in bestimmten Gebieten erhöhen und wäre deshalb dankbar für Vorschläge aus den Revieren. Die Meinung des Ellenstedters ist: "Jedes geschossene Reh ist besser als ein totgefahrenes."

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