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Für Heiko Feldhaus ist Backen wie eine Therapie

Der Goldenstedter nimmt an einer neuen Back-Show bei Vox teil. Dort ist nicht nur der Wettbewerb eine Herausforderung für ihn. Der 34-Jährige kämpft mit Magersucht.

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Steht gerne in der Küche: Heiko Feldhaus ist leidenschaftlicher Hobby-Bäcker. Ab Montag (12. April) ist er in einer neuen Back-Show auf Vox zu sehen. Foto: C. Meyer

Steht gerne in der Küche: Heiko Feldhaus ist leidenschaftlicher Hobby-Bäcker. Ab Montag (12. April) ist er in einer neuen Back-Show auf Vox zu sehen. Foto: C. Meyer

Wer kann die Rhabarber-Vanille-Wickeltorte von Heiko Feldhaus aus Goldenstedt am besten nachbacken? Aufgelöst wird diese Frage am Mittwoch (14. April) ab 16 Uhr. Denn der 34-Jährige ist ab Montag (12. April) bis Freitag (16. April) täglich in der neuen Vox-Backshow "Allererste Sahne – Wer backt am besten?" zu sehen.

Die Sendung sei eine "Mischung aus ,Kitchen Impossible‘ und ,Grill den Henssler‘", beschreibt Heiko Feldhaus. Insgesamt nehmen 5 Kandidatinnen und Kandidaten an dem Wettbewerb teil. Jeden Tag wird ein "Meisterstück" von einem der Kandidatinnen und Kandidaten vorgestellt. In Feldhaus‘ Fall die Rhabarber-Vanille-Wickeltorte. Die anderen dürfen die Backware für einen relativ kurzen Moment sehen und ein Stück probieren. Danach haben sie eine Minute Zeit, die nötigen Zutaten zusammenzusuchen.

Ohne Rezept dem Original so nah wie möglich kommen

Insgesamt haben die Bäckerinnen und Bäcker 2 Stunden Zeit, das "Meisterstück" nachzubacken und der Backware – ohne Rezept – so nahe wie möglich zu kommen. Der Clou: Jede Backware hat eine geheime, meist ungewöhnliche Zutat, sagt Feldhaus. Anschließend bewertet eine Jury – bestehend aus Moderatorin Meltem Kaptan, Konditormeister Matthias Ludwigs und dem tagesaktuellen "Meisterbäcker" – die Back-Kreationen und verteilt Punkte, die im Verlauf der Woche gesammelt werden, um den Sieger zu ermitteln. Dieser erhält als Preisgeld 2500 Euro.

Feldhaus gesteht, dass es gar nicht so einfach sei, sich auf sein Gefühl und seinen Geschmack zu verlassen. Er habe das Stück Kuchen oder Torte des jeweiligen Tages genaustens analysiert. "Was sieht man? Was schmecke ich? Was ist das für ein Teig?", listet der Goldenstedter auf. Daraufhin habe er eine Art Einkaufsliste geschrieben, um bei der Auswahl der Zutaten nichts zu vergessen. Allerdings habe er direkt am ersten Tag einen entscheidenden Gegenstand vergessen, sagt er und lacht. Die Teilnahme an der Show habe ihm viel Spaß gemacht und sei eine tolle Erfahrung gewesen.

Doch wie kam er eigentlich dazu? "Ich habe bei Facebook gesehen, dass Kandidaten für eine neue Show gesucht werden", sagt Feldhaus. Da habe er sich einfach beworben nach dem Motto "Mal gucken, wie weit ich komme". Nach ein paar Telefonaten mit der Produktionsfirma ist er zu den Dreharbeiten, die Mitte März stattfanden, eingeladen worden. Für den 34-Jährigen sei das eine "Challenge" gewesen und die Möglichkeit, seine Grenzen auszutesten. Denn: Der Goldenstedter leidet unter Magersucht.

Früher hat er seine Kuchen nie probiert

Wie will das denn zusammenpassen? Backen und Magersucht? "Das passt nicht zusammen, das sagt jeder", sagt Feldhaus und lacht. Aber er habe schon immer gerne gebacken. Als Jugendlicher habe er immer wieder gemeinsam mit seiner Oma klassische Kuchen und Torten gebacken. Mit den Jahren habe er weiter experimentiert und speziellere Dinge ausprobiert, erzählt er.

Für ihn sei Backen immer ein Ausgleich nach der Arbeit gewesen, erzählt der Sozialpädagoge. Dabei könne er abschalten. Aber da ist ja noch die Krankheit. Wie hält er es denn mit dem Probieren der Kalorienbomben? "Seit etwa eineinhalb Jahren traue ich mich zu probieren", erzählt Feldhaus. Vorher habe er das nie gemacht. "Es scheint aber immer geschmeckt zu haben", berichtet er von dem Feedback und lacht.

Heiko Feldhaus ist sehr dünn – das ist nicht zu übersehen. Auf 1,84 Meter Körpergröße kommen – mittlerweile – 68 Kilogramm Körpergewicht. Der Goldenstedter geht sehr offen mit seiner Erkrankung um, macht es seinem Gegenüber leicht, mit ihm darüber zu sprechen. Es wirkt nicht so, als sei es ihm besonders unangenehm, danach gefragt zu werden. "Ich stehe dazu", sagt er.

"Ich habe mal 130 Kilo gewogen."Heiko Feldhaus

Der Goldenstedter weiß, dass Leute hinter seinem Rücken darüber sprechen. Ihm missfällt das. "Ich will, dass Leute mir direkt sagen ,Heiko, du siehst scheiße aus‘." Ihm etwas vorzuheucheln, um eventuell seine Gefühle nicht zu verletzen – davon halte er nichts. Es helfe ihm auch nicht, sagt er, ganz im Gegenteil. "Wenn mir jemand sagt, dass ich besser aussehe, obwohl dem nicht so ist, dann klammert man sich daran", erzählt er. Die Magersucht sei eine "scheiß Krankheit", aber genauso auch eine "Freundin", die Kontrolle verspricht. Auf die "Freundin" könne man sich im Zweifel verlassen.

Der 34-Jährige ist in Therapie. Allerdings sind viele Jahre vergangen, bevor er sich seiner Erkrankung überhaupt bewusst war. Seit 11 Jahren sei er magersüchtig, erzählt er. "Ich habe mal 130 Kilo gewogen." Nach dem Abitur habe er viel Stress gehabt, habe zudem immer abnehmen wollen. Mithilfe von Diäten, Sport und vor allem Verzicht kamen die Erfolgserlebnisse. Doch: "Man fängt an, alles abzuwiegen. Heute sind es 12 Gramm. Morgen darf es noch ein Gramm weniger sein." Er wisse, das sei absurd. Aber mit der Zeit sei er so in die Magersucht gerutscht.

Krankenhaus-Aufenthalt war Weckruf

Vor etwa einem Jahr, da wurde ihm erst klar, dass es so nicht mehr weitergehen kann. Er kam ins Krankenhaus. In seiner Lunge klaffte ein Loch – Verdacht auf Tuberkulose. Tatsächlich war es ein Darmkeim, der aufgrund seiner Magersucht in die Lunge geraten war und dort ein Loch "hineingefressen" hat, wie Feldhaus erzählt. Nach seinem Krankenhaus-Aufenthalt habe er 43 Kilogramm gewogen. Das Erlebnis sei ein Weckruf für ihn gewesen, gesteht der 34-Jährige.

In den vergangenen Monaten habe sich sein Zustand verbessert, berichtet Feldhaus. Auch, wenn es ihm schwerfalle zuzunehmen. "Man fühlt sich schlecht", sagt er. Immer sei da die Angst, irgendwann wieder 130 Kilogramm zu wiegen. Dabei sei das Backen für ihn wie eine Therapie, so Feldhaus. Die Freude daran habe er nie verloren und das helfe ihm. Von seiner Familie erhalte er zudem viel Unterstützung. Dafür sei er sehr dankbar.

Auch die Teilnahme an der TV-Show sei "eine Art Therapie für mich" gewesen. Schließlich musste er sich dort der großen Hürde des Probierens stellen. "Du musst dich dem Essen stellen", sagt Heiko Feldhaus. Seine Magersucht werde auch in der Sendung thematisiert. Aber das sei für ihn kein Problem gewesen. "Ich stehe ja dazu."

Das Auge isst mit: Heiko Feldhaus gibt sich bei der Dekoration viel Mühe. Foto: FeldhausDas Auge isst mit: Heiko Feldhaus gibt sich bei der Dekoration viel Mühe. Foto: Feldhaus

Der Hobby-Bäcker teilt sein Talent nicht nur im Fernsehen, sondern auch bei Social Media. Auf seinem Instagram-Account heikofeldhaus postet er regelmäßig seine ausgefallenen Kreationen. Er backt auf Wunsch auch auf Bestellung. So manches Geburtstagskind und Hochzeitspaar dürfte sich schon an seinen Kuchen und Torten erfreut haben. Dabei kann der Fantasie freien Lauf gelassen werden. Heiko Feldhaus versucht selbst ausgefallene Back-Wünsche zu erfüllen, indem er verschiedene Rezepte kombiniert und daraus etwas Neues zaubert. Allerdings, so gesteht er, arbeite er nicht gerne mit Fondant. "Das ist für mich rausgeschmissenes Geld", sagt er und lacht. Die meisten essen das Fondant ja doch nicht.

Und was ist der Lieblingskuchen des Goldenstedters? Er überlegt kurz. "Streuselkuchen. Und Käsekuchen." Ziemlich bodenständige Wahl. "Seit der Sendung auch die Cupcakes von Lilly", ergänzt er schnell. Lilly Kürten ist ebenfalls Teilnehmerin der neuen Backshow auf Vox. Und gewinnt eine oder einer von den beiden auch am Ende? Das will Heiko Feldhaus dann doch nicht verraten.

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