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Funklöcher in Lohne: Stadt und Landkreis wollen Druck auf Mobilfunkanbieter erhöhen

Die Netzbetreiber wissen um den schlechten Empfang auf dem Hamberg, in Südlohne und Zerhusen. Aber sie reagieren nicht. Die Anwohner sind verzweifelt – und erhalten jetzt kommunale Unterstützung.

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Kein Empfang: In der Südlohner Bergmark wie auch in den weiteren Straßen auf dem Hamberg und in Südlohne ist die Mobilfunkversorgung miserabel. Stadt und Landkreis wollen das Problem nun gemeinsam angehen. Foto: Tombrägel

Kein Empfang: In der Südlohner Bergmark wie auch in den weiteren Straßen auf dem Hamberg und in Südlohne ist die Mobilfunkversorgung miserabel. Stadt und Landkreis wollen das Problem nun gemeinsam angehen. Foto: Tombrägel

Wenn Melanie Lauxtermann zu Hause mit ihrem Handy telefonieren will, muss sie sich ans Küchenfenster stellen. Steht sie etwas weiter links, bricht die Verbindung ab; weiter rechts ist der Gesprächspartner nur noch bruchstückhaft zu verstehen. Ihr Mann, seit einem Jahr im Homeoffice, ist mittlerweile zum Arbeiten ins Dachgeschoss ihrer Eltern gezogen, die nebenan wohnen. Bei Meike Schlarmann ist es noch schlimmer. Sie hat in ihrem Haus und im Garten überhaupt kein Netz – sowohl beim Telefonieren als auch beim Datenempfang. 

Den beiden Frauen geht es wie vielen Menschen, die auf dem Hamberg, in Südlohne oder Zerhusen wohnen: kein Netz, kein Empfang – gefangen im Funkloch. Die Anwohner haben sich bereits mehrfach bei den Mobilfunkanbietern beschwert. Bisher ohne Erfolg. Doch jetzt schalten sich die Stadt Lohne und der Landkreis Vechta ein. Gemeinsam wollen sie den Druck auf die Netzbetreiber erhöhen, nach Lösungen suchen und die Funklöcher stopfen.

Maik Bakenhus, stellvertretender Leiter des Amtes für Wirtschaftsförderung, Grundstücksverwaltung und Finanzen, betreut das Thema im Lohner Rathaus. Er berichtet, dass Anwohner in der Vergangenheit immer wieder Hinweise zum schlechten Mobilfunkempfang an die Stadt herangetragen hätten.

Machen gemeinsam Front gegen die Mobilfunkbetreiber: (von links) Maik Bakenhus, Markus Fischer, Meike Schlarmann, Herbert Winkel, Melanie und Matthis Lauxtermann sowie Tobias Gerdesmeyer. Foto: TimphausMachen gemeinsam Front gegen die Mobilfunkbetreiber: (von links) Maik Bakenhus, Markus Fischer, Meike Schlarmann, Herbert Winkel, Melanie und Matthis Lauxtermann sowie Tobias Gerdesmeyer. Foto: Timphaus

Auch aus diesem Grund habe Lohne im Jahr 2018 im Stadtgebiet eine eigene Datenerhebung durchführen lassen. Dabei sei an zahlreichen Stellen eine Unterversorgung beim Mobilfunk festgestellt worden. Die Anbieter wurden über die Ergebnisse informiert. Diese reagierten mit der Installation stärkerer Antennen beim Motorpark, im Fang und Witten Dresch. "Wir haben den Netzbetreibern auch aktiv städtische Flächen zur Errichtung eines Funkmasts angeboten."

Die Situation auf dem Hamberg, in Südlohne und Zerhusen hat sich dadurch aber gar nicht oder nur marginal verbessert. Auch ein neuer Funkmast in Mühlen schaffte keine Abhilfe. "Das hängt mit der Topografie zusammen. Der Hamberg liegt in einer Senke", sagt Bakenhus. Nach seinen Worten meldeten auch der Bauhof, die Feuerwehr und die Rettungsdienste regelmäßig Verbindungsprobleme.

Anwohner haben Schreiben an Anbieter verschickt

Lohnes Bürgermeister Tobias Gerdesmeyer ärgert dieser Missstand, schließlich gehe es um eine "nennenswerte Anzahl von Haushalten". Er sagt, dass er Mobilfunk wie Glasfaser als wichtigen Teil der Daseinsvorsorge erachte. "Funklöcher sind nicht unser Anspruch." Nun wolle man gemeinsam mit dem Landkreis "im Rahmen unserer Möglichkeiten den Druck auf die Anbieter erhöhen", kündigt er an.

Schlarmann freut sich über diese Ansage. Sie hat ein Schreiben an die Mobilfunkanbieter verfasst, in dem sie eindringlich ihre Situation und die ihrer Nachbarn schildert. Sie appelliert darin, dass die Netzbetreiber ihrer vertraglichen Pflicht nachkommen. "Ich zahle jeden Monat meine Vertragsgebühren, kann das mobile Netz in meiner Wohngegend, in der ich mich zum Großteil der Zeit aufhalte, aber nicht nutzen." 

Vechtas Landrat Herbert Winkel zeigt Verständnis für den Unmut der Bürger. Auch er kennt laut eigener Aussage das Problem wegbrechender Telefonate auf dem Bergweg zur Genüge. Winkel führt aus: Um die Breitbandversorgung zu verbessern, baut der Landkreis Vechta ein kreiseigenes Glasfasernetz in unterversorgten Gebieten auf, in denen weniger als 30 Mbit/s zur Verfügung stehen. Als Betreiber fungiert das Telekommunikationsunternehmen Vodafone. 

"Die Mobilfunkanbieter haben die besten Daten. Die wissen ganz genau, wo Funklöcher sind."Markus Fischer, Leiter des Eigenbetriebs "Breitbandinitiative Landkreis Vechta"

Im Zuge dieses Projekts soll auch die Mobilfunkversorgung von Vörden bis Visbek verbessert werden. Dazu baut Vodafone an 25 bis 30 Mobilfunkstandorten im Landkreis ein 5G-Netz auf und vergrößert auch sein LTE-Netz (=4G). Dies geschieht Zug um Zug.

Der Landkreis Vechta hat sich außerdem mit 12 Landkreisen aus Weser-Ems sowie den Landkreisen Diepholz, Celle und Rothenburg in der „Mobilfunkinitiative Weser-Ems“ zusammengeschlossen, um die Mobilfunkversorgung in der Region zu verbessern. Ziel ist es, den Mobilfunkanbietern Vorschläge zur Aufrüstung vorhandener Sendeanlagen und zur Errichtung neuer Standorte zu machen.

Mobilfunk-Förderrichtlinie könnte Lösung bringen

Stadt und Landkreis sind nach eigenen Angaben bereit, sich noch stärker bei diesem Thema zu engagieren. Dazu könnte auch die neue Mobilfunk-Förderrichtlinie des Landes beitragen, die im vergangenen Monat in Kraft getreten ist, wie Markus Fischer mitteilt. Mit diesem Zuschuss wäre es theoretisch möglich, dass der Landkreis oder die Stadt selbst einen Funkmast baut.

Der Leiter des Eigenbetriebs „Breitbandinitiative Landkreis Vechta“ sagt, dass die Probleme im Süden Lohnes bekannt und kommuniziert seien. Er stützt sich bei seiner Aussage auch auf eine Online-Umfrage des Landkreises zu dem Thema. 

Doch nun kommt die Krux: Um als förderfähiges Gebiet anerkannt zu werden, müssten der Hamberg, Südlohne und Zerhusen im Mobilfunkatlas Niedersachsens, der die Netzabdeckung im 2G (GSM) und LTE-Bereich darstellt, als unterversorgt gekennzeichnet sein. Sind sie aber nicht. Aber warum tauchen die Lohner Funklöcher nicht auf, obwohl die Anbieter doch Bescheid wissen?

Bau eines Funkmasts kostet etwa 500.000 Euro

Fischer zuckt mit den Schultern. "Wir wissen es nicht. Das könnte wirtschaftliche Gründe haben", mutmaßt er. Der Atlas sei vom Breitbandzentrum Niedersachsen-Bremen (BZNB) in Zusammenarbeit mit den Netzbetreibern erstellt worden. "Die Mobilfunkanbieter haben die besten Daten. Die wissen ganz genau, wo Funklöcher sind." Es scheitere am Unwillen der Netzbetreiber.

Nach seinen Angaben müsse es nun zunächst das Ziel sein, die nachweislich unterversorgten Gebiete in den Mobilfunkatlas zu bekommen. Zudem regt er an, Kontakt mit dem Funkturmbauer American Tower aufzunehmen. Etwa 500.000 Euro kostet der Bau eines Sendemasts. Eine weitere Option: Die EWE betreibt einen Funkmast auf dem Grevingsberg. Dort könne man wegen einer gemeinsamen Nutzung anfragen.

Winkel will mit Bürgermeistern über Thema sprechen

Gerdesmeyer sagt, die Stadt wäre bereit, einen erneuten Beleg für die Unterversorgung zu erbringen – wenngleich die Preise für eine Datenerhebung mittlerweile drastisch gestiegen seien, wie Bakenhus anmerkt. Der Bürgermeister stellt klar, dass das Problem nicht allein mit Geld gelöst werden könne. Er sagt, dass zunächst die Zuständigkeit zwischen Stadt und Landkreis geklärt werden müsse.

Winkel stimmt ihm zu. Der Landrat kündigt an, das Thema in der nächsten Runde der Hauptverwaltungsbeamten anzusprechen.

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