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Fund von 850 toten Schweinen in Garrel soll politisches Nachspiel haben

Die Grünen wollen im Agrarausschuss des Landtages eine lückenlose Aufklärung des Falls verlangen - und prinzipiell die aktuelle Situation der Schweinehalter in Niedersachsen hinterfragen.

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Tiermediziner untersuchen einem Schweinestall. Foto: Jan Woitas / dpa

Tiermediziner untersuchen einem Schweinestall. Foto: Jan Woitas / dpa

Die Grünen im niedersächsischen Landtag fordern Aufklärung über den Fund hunderter toter Schweine in Garrel. Wie bereits berichtet, richten sich die Ermittlungen gegen einen ehemaligen Landwirt aus Garrel, der inzwischen im Landkreis Oldenburg lebt. Auf seinem ehemaligen Hof im Garreler Ortsteil Nikolausdorf sind in zwei Ställen 850 Schweinekadaver entdeckt worden. Nach derzeitigem Ermittlungsstand, sind die Tiere bereits im Jahr 2012 ihrem Schicksal selbst überlassen worden. 2018 zog der Landwirt weg, seitdem blieb der Hof verlassen.

Die Grünen wollen jetzt eine Unterrichtung im kommenden Agrarausschuss beantragen. Dabei soll geklärt werden, welche Konsequenzen die Landesregierung aus dem Fall in Garrel zieht, wie die Fraktion der Deutschen Presse-Agentur in Hannover mitteilte.

Strafrechtliche Ermittlungen gegen den ehemaligen Landwirt laufen noch

Unabhängig davon laufen die strafrechtlichen Ermittlungen gegen den ehemaligen Landwirt weiter. Der 49-Jährige muss sich wegen Verstößen gegen das Tierschutz- und Tierkörperbeseitigungsgesetz verantworten. Außerdem muss er dafür Sorge tragen, dass die Kadaver sachgerecht und zeitnah beseitigt werden, erklärte die Polizei Cloppenburg/Vechta in dieser Woche.

"Wir brauchen jetzt konkrete Maßnahmen zur geordneten Verringerung der Schweinebestände statt ein ruinöses Höfesterben."Miriam Staudte, agrarpolitische Sprecherin der Grünen

In der Unterrichtung im Agrarausschuss verlangt die Oppositionspartei ebenfalls Klarheit über die Situation der Schweinehalter. In diesem Monat wurde erst auf Landesebene, dann auf Bundesebene darüber beraten. «Agrarministerin Otte-Kinast hat tatenlos zugesehen wie die Schweinebranche in den Ruin treibt. Wir brauchen jetzt konkrete Maßnahmen zur geordneten Verringerung der Schweinebestände statt ein ruinöses Höfesterben», sagte Miriam Staudte, agrarpolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion. Die Tierhalter würden nicht an ihren Tieren verdienen, sondern draufzahlen müssen. Dies führe unweigerlich zu Tierschutzproblemen.

Allerdings auch zu psychischen Problemen der Familien in der Landwirtschaft. Viele Landwirte stünden heute jedoch unter Druck, bestätigt die Geschäftsführerin der ländlichen Familienberatung Oesede, Constanze Brinkmann. Die Bundesarbeitsgemeinschaft der Landwirtschaftlichen Familienberatungen bietet ihnen einen Sorgentelefon an. Darüber berichten wir am Samstag auch auf OM Online.

Landwirtschaftliche Branche leidet aus mehren Gründen

Die Schweinehalter haben seit längerer Zeit mit schwierigen Bedingungen zu kämpfen. Wegen der Corona-Pandemie fallen etwa viele Veranstaltungen aus oder Gastronomen kaufen weniger Fleisch an. Zudem haben zahlreiche Länder wegen der Afrikanischen Schweinepest Handelsbeschränkungen für deutsches Schweinefleisch verhängt. Dadurch fallen wichtige Absatzmärkte weg, etwa in Asien.

Obwohl der Schweinefleischkonsum seit 2010 in Deutschland zurückgehe, hätten weder Bundesagrarministerin Julia Klöckner noch Landesagrarministerin Barbara Otte-Kinast (beide CDU) reagiert, als die Branche einseitig angefangen habe, den Export auszubauen, bemängelte Staudte. «Es war allen Beteiligten klar, dass es nur eine Frage der Zeit ist bis die Afrikanische Schweinepest in Deutschland ankommen wird und der Export schlagartig zusammenbricht.»

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