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Für katholische Provinz war Oldenburg das "geringere Übel"

Mit dem Reichsdeputationshauptschluss von 1803 werden Vechta und Cloppenburg Teil von Oldenburg. Nachdem Napoleon Gebiete in Deutschland annektiert hatte, wurden geistliche Staaten zum Teil aufgelöst.

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Kirche früher: St. Cäcilia Bösel im 19. Jahrhundert nach einer Zeichnung von Pfarrer Joseph Götting (1810 bis 1900). Zeichnung: Archiv Pille

Kirche früher: St. Cäcilia Bösel im 19. Jahrhundert nach einer Zeichnung von Pfarrer Joseph Götting (1810 bis 1900). Zeichnung: Archiv Pille

Was war passiert vor 200 Jahren, dass die "untertänigsten Diener und Knechte" aus Bösel und Osterloh sich ausgerechnet an den "durchlauchtigsten Großherzog Paul Friedrich August" in Oldenburg wandten. Gehörte Bösel nicht seit 1400 zu Münster?

Durch den Neubau der Kapelle ab 1836 waren sie "klamm" geworden und baten daher "seine Durchlaucht" um ein Altarbild für das noch schmucklose Gotteshaus. Gattin Großherzogin Cäcilie von Oldenburg hatte bereits den Grundstein gelegt. Der "erzevangelische" Landesherr tat in "landesväterlicher Huld und Gnade" einen Griff in seine umfangreiche Gemäldesammlung und unterstrich damit bereits den Beginn der modernen ökumenischen Bewegung.

Um diesen Schritt zu verstehen, muss erinnert werden an den Reichsdeputationshauptschluss im Reichstag in Regensburg im Jahre 1803, heute vor genau 220 Jahren. Der löste ein "Länderschacher im großen Stil" aus, der die regional- und kirchengeschichtliche Konstellation ordentlich erschütterte, so auch das Land Oldenburg und die Ämter Cloppenburg und Vechta – und auch Bösel.

Reichsdeputationshauptschluss von 1803 entschädigt deutsche Fürsten

Der Reichsdeputationshauptschluss entschädigte die Fürsten, die ihre linksrheinischen Gebiete an Frankreich abtreten mussten. Napoleon stand vor der Tür, 1811 annektierte er das Herzogtum. Für diese Entschädigung wurden geistliche Staaten aufgelöst und den weltlichen Staaten einverleibt. Oldenburg erhielt als Entschädigung für den Verlust des Elsflether Weserzolls aus der Verfügungsmasse des säkkularisierten Hochstiftes Münsters das Hannoversche Amt Wildeshausen sowie aus dem aufgelösten Hochstift Münster die Ämter Vechta und Cloppenburg. Das Hochstift Lübeck wurde in ein erbliches Fürstentum umgewandelt.

Was bekam der protestantische Großherzog? Eine katholische Provinz als "terra incognita", die seit Jahrhunderten von den Bischöfen in Münster regiert wurde. Und er erhielt zunächst eine "Streusandbüchse" mit Moor, Heide und Wehsandflächen, "Schaopsdonnerland", wie man geringschätzig sagte. Der Anschluss wurde in Cloppenburg und Krapendorf "mit 14 Triumphbögen und unter dem Donner der Kanonen und dem Läuten aller Glocken" gefeiert. Denn sie wollten „überall hin, nur nicht nach Preußen“ (doch die Preußen hatten zuvor das Land besetzt). Oldenburg war da das „geringere Übel“.

Der Begriff "Oldenburger Münsterland", als Markenzeichen Cloppenburgs und Vechtas geprägt, tauchte als "Oldenburgisches Münsterland" indes bereits ab 1824 auf. Die Altoldenburger erlebten mit dem neuen Landesteil eher ein Stück "Exotik im eigenen Land", denn die Bevölkerung, die da angedockt wurde, war fast ausnahmslos katholisch. Der Großherzog beschnitt nach und nach herrschaftliche Privilegien und tolerierte die katholische Konfession.

Aus St. Martin wird die Pfarrgemeinde St. Cäcilia Bösel

Der Widerstand des Klerus gegen die materielle Entmachtung indes war schwach. Dennoch: Auch nach 1803 und in der napoleonischen Zeit gehörte das Oldenburger Münsterland kirchlich gesehen zum Bistum Münster. 1830 entstand für Südoldenburg eine seltsame Kircheninstanz, das "Bischöflich Münstersche Offizialat".

Durchlaucht war auf eine gute Stimmung bedacht und gerne bereit, in "landesväterlicher Huld und Gnade" etwas zu stiften. Eingeweiht wurde das neue Gotteshaus in Bösel dann vom damaligen Offizial Franz Joseph Herold.

Dieser war früher bereits dadurch aufgefallen, dass er immer wieder das gute Verhältnis zwischen Staat und Staatsoberhaupt durch panegyrische, also lobrednerische, Aufsätze bekundete. Er war es denn auch, der in vorauseilendem Gehorsam einen Patroziniumswechsel forcierte. So wurde aus St. Martin in Bösel St Cäcilia.

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