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Friesoythes Bürgermeister skizziert „neuen Weg“ für Wohngebiete

Für Wohngebiete der Zukunft kann sich Sven Stratmann eine Mischung aus unterschiedlichen Wohn- und Bauformen für eine bunte Mischung von Menschen aller Altersgruppen und Lebenssituationen vorstellen.

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Neu denken: Statt ausschließlich Einfamilienhäuser wie im Uhlenborgspfänder, könnten künftig größere Neubaugebiete auch Raum für eine bunte Mischung an Wohn- und Lebensformen ermöglichen. Foto: Schiwyair

Neu denken: Statt ausschließlich Einfamilienhäuser wie im Uhlenborgspfänder, könnten künftig größere Neubaugebiete auch Raum für eine bunte Mischung an Wohn- und Lebensformen ermöglichen. Foto: Schiwyair

Die Diskussion um die Äußerungen des Grünen-Politikers Anton Hofreiter gehen für den Friesoyther Bürgermeister Sven Stratmann in die falsche Richtung. „Es geht doch nicht darum, Einfamilienhäuser zu verbieten, auch wenn Hofreiter das so gar nicht gefordert hat“, sagt er auf eine Anfrage von OM-online nach seiner Einstellung zu Hofreiters Vorstoß. „Wir müssen vielmehr einen neuen Weg für neue Formen des gemeinschaftlichen Wohnens finden.“

Für das städtische Wohngebiet der Zukunft sieht Stratmanns Vision kurz gesagt eine Mischung aus unterschiedlichen Wohn- und Bauformen vor. Neben Einfamilienhäusern könne er sich in einem größer angelegten Wohngebiet auch Reihenhäuser sowie Gebäude mit altersgerechten Wohnungen oder mit kleinen Wohneinheiten vorstellen.

Wohngebiet als Abbild der Gesellschaft

„Und all das kann sich um ein naturnah belassenes Zentrum gruppieren“, sagt Stratmann. „Warum muss ein Regenrückhaltebecken immer am Rand eines Wohngebietes liegen? Das kann genauso als Teich in der Mitte eines Wohnareals genutzt werden.“

Ein solches Wohngebiet könnte mit einer bunten Mischung von Menschen aller Altersgruppen und Lebenssituationen ein Abbild der Gesellschaft sein. „Gerade für ältere Menschen könnte dieses Miteinander dann eben auch eine bessere Teilhabe am gesellschaftlichen Leben sein“, formuliert Stratmann eine Hoffnung. „Wenn Jung und Alt sich immer wieder begegnen, dann kümmert man sich auch.“

„Ziel wäre es, das Thema Nachbarschaft modern nach vorne zu bringen sowie Naherholung, Freizeit und Wohnbedarf in einem zu denken.“Sven Stratmann, Bürgermeister

Deshalb sei es auch wichtig, das Gebiet über das reine Wohnen hinaus zu entwickeln. Büros für Freiberufler sind für Stratmann in so einem Projekt ebenso denkbar wie eine eigene kleine Kita, ein genossenschaftlich betriebener kleiner Laden oder Wohnraum für Lehrlinge von Unternehmen. „Ziel wäre es, das Thema Nachbarschaft modern nach vorne zu bringen sowie Naherholung, Freizeit und Wohnbedarf in einem zu denken“, formuliert er seinen Anspruch.

Das notwendige Instrument habe der Stadtrat sich selbst und der Verwaltung mit dem Grundsatzbeschluss vom 8. Juli 2020 an die Hand gegeben. Dort heißt es, dass die Stadt Friesoythe „die Erschließung und Vermarktung von Bau- und Gewerbeland grundsätzlich als eigene Aufgabe“ übernimmt. So könne der Rat also auch festlegen, welche Bebauung in einem Wohngebiet zum Zuge kommen soll.

Und das, so Stratmann, müsse sich nicht allein auf die Frage Ein- oder Mehrfamilienhaus beziehen. Auch soziale oder ökologische Standards ließen sich auf diesem Wege definieren. „Man könnte beispielsweise auch die Landwirtschaft einbinden und ein Blockheizkraftwerk für das Gebiet bauen und die benötigte Energie vor Ort produzieren.“

Kein Patentrezept für alle Situationen oder Ortschaften

Er gibt indes auch zu, dass ein solches Projekt nicht überall und unter allen Bedingungen funktionieren könne. „In den Ortschaften sind die Anforderungen an Neubaugebiete ganz andere als im Kernort Friesoythe“, sagt er. „In Friesoythe spielt der Mietwohnungsbau eine größere Rolle als etwa in Thüle, Kampe oder Markhausen. Dort sind mehr die Eigenheime gefragt.“

Und nicht zuletzt sei auch der Flächenbedarf zu berücksichtigen. „Bei so einem Projekt kommt man mit zwei Hektar nicht aus“, weiß Stratmann. Gerade deshalb aber sei ein solches, ursprünglich in Großstädten entwickeltes Projekt auch in einer Flächenkommune wie Friesoythe möglich. „Man kann alles, was im großen Stil läuft, auch auf die örtlichen Gegebenheiten runterbrechen.“

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