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Friesoyther Stadtgeschichte stößt auch in Australien auf Interesse

In der Facebook-Gruppe "Friesoythe historisch" ist ein beeindruckender und vielfältiger Überblick über die Friesoyther Stadtgeschichte entstanden. Über 1700 Menschen in aller Welt sind Mitglied.

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Stadtgeschichte: Bei der Arbeit für die Facebook-Gruppe "Friesoythe historisch" stößt Stefan Kühling hin und wieder auch auf echte historische Schätze. Foto: Stix

Stadtgeschichte: Bei der Arbeit für die Facebook-Gruppe "Friesoythe historisch" stößt Stefan Kühling hin und wieder auch auf echte historische Schätze. Foto: Stix

Als er Ostern 2020 die Facebook-Gruppe "Friesoythe historisch" einrichtete, war Stefan Kühling eher unsicher. "Ich habe mit 150 Mitgliedern gerechnet", erzählt er, "denn wer soll sich schon groß für die Friesoyther Geschichte interessieren?" Heute hat die Gruppe über 1700 Mitglieder in aller Welt, die Administration teilt sich der Geschichtslehrer und begeisterte Stadthistoriker mit 2 Freunden. "Anders wäre das nicht mehr zu schaffen", sagt er.

Knapp 2 Drittel der Gruppenmitglieder kommen aus Friesoythe, rund 300 aus den anderen Orten des Landkreises. Der Rest verteilt sich auf Deutschland und 21 weitere Länder, darunter Afghanistan, Australien, Benin, Indien, Irak, Mali, Namibia und Russland. Manche, darunter die beiden in den USA lebenden Mitglieder, kennt Kühling, manchmal fragt er auch nach, woher das Interesse an dem Thema kommt. "Aus Australien hat mir daraufhin jemand geschrieben, dass er aus Friesoythe kommt und es toll findet, auf diese Weise mit der Heimat verbunden zu sein", erzählt er.

„Das erste Posting war eine Postkarte der St.-Marien-Kirche aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg.“Stefan Kühling, Historiker

Besonders spannend ist für ihn, dass von den 3 kanadischen Mitgliedern eine Frau aus Friesoythe stammt und für die kanadische Regierung arbeitet. Denn mit den Kanadiern hat alles angefangen: Kühling hat die Gruppe am 13. April 2020 zum 75. Jahrestag der Zerstörung Friesoythes durch die kanadischen Truppen am 14. April 1945 ins Leben gerufen. "Das erste Posting war eine Postkarte der St.-Marien-Kirche aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg", erzählt er. Der 3. Beitrag hat sich dann mit dem kanadischen Oberstleutnant Frederick E. Wigle beschäftigt, dessen Tod Auslöser für die Zerstörung der Stadt war. Das Thema beschäftigt Kühling nach wie vor, "und da ist es praktisch, jemanden in Kanada zu kennen, der als Wegweiser durch die staatlichen Organisationen helfen kann", sagt er.

Die Gruppe selbst dreht sich längst um andere Dinge. Kühlings Ziel ist es, zu möglichst vielen Themen Erinnerungen und vor allem Bilder zu finden. Über das Stadttor Lange Straße etwa hat die Gruppe lange diskutiert, Erinnerungen an frühere Schützenfeste werden ebenso geteilt wie an alte Kneipen und an Friesoyther Persönlichkeiten. Das Erstaunlichste aber ist, wie viele Menschen noch alte Bilder der Stadt und ihrer Einwohner besitzen, aus Fotoalben und Schuhkartons heraussuchen und in der Gruppe teilen. 

Manchmal tauchen in der Gruppe echte historische Schätze auf

Und genau dabei kommt dann die "Schwarmintelligenz" oder besser das "Schwarmwissen" des Internets zum Tragen: Wer immer Personen auf einem alten Foto nicht mehr genau benennen oder einen Platz, ein Ereignis nicht genau einordnen kann, findet in der Gruppe Antworten. "Daraus entsteht dann oft eine interessante Kommunikation zwischen einzelnen Mitgliedern", hat der Administrator festgestellt.

Manchmal tauchen dabei dann auch echte Schätze auf. "Neulich habe ich Farbbilder von der 650-Jahr-Feier der Stadt Friesoythe bekommen", erzählt Kühling. "Das war immerhin 1958, da war Farbfotografie noch nicht wirklich weit verbreitet." Insgesamt aber sei, so Kühling, die Zeit zwischen 1945 und 1960 beim Material in der Gruppe und damit auch in seinem Archiv noch stark unterrepräsentiert. "Da findet sich fast nichts", sagt er, "aber es muss aus der Zeit doch jede Menge Bilder und auch Erinnerungen geben." 

Einen Großteil der Bilder, die ihm wichtig sind, hat Kühling inzwischen auch außerhalb von Facebook gesichert. "Aus dem Fundus könnte ja vielleicht auch noch mehr entstehen", sagt er. QR-Codes an bestimmten Friesoyther Orten beispielsweise, die zu Webseiten mit alten Ansichten und historischen Informationen führen. Oder Monitore im Stadtgebiet, auf denen ein Gebäude oder eine Straße im Wandel der Zeit zu sehen sind. Vor allem aber denkt Kühling an die Zukunft. "Die Originale werden in 30 Jahren verschwunden sein", befürchtet er. "Und wer weiß, was bis dahin mit Facebook passiert."

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