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Friesoyther nutzen die Klage-Hoffnung-Mauer

In Kirchen der sechs Ortsteile werden Kritik, Wünsche und Ängste durch das Projekt des Arbeitskreises "Redezeit" in Kooperation mit den Berufsbildenden Schule deutlich.

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Vor der Neuscharreler Klage-Hoffnung-Mauer“: Maria Reiners, Maria Norrenbrock, Maria Schulte, Irene Block, Annegret Kruse, Dr. Annette Gründing und Nicole Plaggenborg (von links). Foto: Wimberg

Vor der Neuscharreler Klage-Hoffnung-Mauer“: Maria Reiners, Maria Norrenbrock, Maria Schulte, Irene Block, Annegret Kruse, Dr. Annette Gründing und Nicole Plaggenborg (von links). Foto: Wimberg

Klagen über und gegen die katholische Kirche bestimmen die Schlagzeilen. Statt um die Verkündigung der frohen Botschaft geht es um Verbrechen und Vertuschung, auch von Fortschritt kann vielfach keine Rede sein. "Es gibt Anlass zu bitteren Klagen und großen Sorgen", kritisieren auch Mitglieder des Pfarreirates der Friesoyther St.-Marien-Gemeinde, die bei aller Enttäuschung die Institution jedoch nicht als hoffnungslos verloren geben und vor allem nicht allein auf das "Bodenpersonal" reduzieren möchten.

Wie Christen in allen sechs Ortsteilen das sehen, mit ihrer Kirche ins Gericht gehen, wie sie über Strukturen denken, aber auch ganz persönlich empfinden, wollten die ehrenamtlich Aktiven herausfinden und haben ihren Mitbürgern eine Stimme gegeben. Als Arbeitskreis "Redezeit" ergriffen Pfarreiratsvorsitzende Dr. Annette Gründing, Irene Block (Seelsorgebeauftragte des Caritas-Vereins), Nicole Anneken, Maria Norrenbrock, Maria Reiners, Jessica Gabriel, Annegret Kruse, Maria Schulte, Nicole Plaggenborg und Henning Jansen die Initiative und stellten in Kooperation mit den Berufsbildenden Schulen (BBS) Friesoythe "Klage-Hoffnung-Mauern" in sechs Kirchen auf.

Team zeigt sich mit Resonanz zufrieden

In Anlehnung an die Klagemauer konnten in Jerusalem Ärger und Ängste, aber auch Wünsche und Zuversicht anonym aufgeschrieben und dann ins Mauerwerk gesteckt werden. Mit Abschlussgottesdiensten in den Gemeindeteilen wurde das umfangreiche Projekt nach 5 Monaten nun beendet und eine Auswertung der Mitteilungen und Meinungen vorgenommen. Mit der Resonanz zeigt sich das Team zufrieden, und die Chance, "einfach mal etwas loszuwerden, wurde genutzt", betonte Irene Block.

Die Themen, die bewegten, waren breit gefächert und die Forderung, dass "Kirche wieder positive Signale sendet" deutlich formuliert. "Akzeptiert die Rechte von Queer-Menschen und lasst Priester heiraten", heißt es, ebenso wie "Frauen sollten die Möglichkeit haben, den Priesterberuf auszuüben". Ökumene vor Ort intensiver zu praktizieren, war ein Wunsch, auch "mehr erfrischende und besondere Momente" in Gottesdiensten zu erleben, als ihn am Altar als reine Pflichterfüllung zu sehen, wurde formuliert.

Botschaft soll trotz abgetragener Mauer nicht verhallen

Für die einen hat sich Kirche zu einem unbeweglichen und bald bedeutungslosen "Trümmerhaufen" entwickelt, für andere bleibt sie jedoch "geistige Heimat" und nicht außer Acht lassen dürfe man, wie viele Ehrenamtliche und Hauptamtliche als "wahrer Schatz sich redlich mühen und dafür möchte ich danke sagen". Darüber hinaus baten Kinder darum, dass sie in der Schule nicht gemobbt werden und dass ihre Eltern nicht so viel streiten. Einen großen Raum nahm der Ukraine-Krieg ein, "den viele als sehr bedrohlich einstufen", unterstreicht Annette Gründing.

Die Mauern sind zwar abgebaut, aber die Botschaften sollen nicht verhallen. "Das, was unsere Pfarrei betrifft, werden wir weiterleiten", kündigen die "Redezeit"-Mitglieder an und wollen sich auch weiter intensiv im gemeindlichen Leben einbringen. Vom Niedergang möchten sie sich nicht überzeugen lassen und Kirche "lebendig" gestalten. Doch eines sei nicht wegzudiskutieren: "Unsere Kirche muss sich verändern, wenn sie unser Zuhause bleiben soll", sagt das Team und hofft auf einen erfolgreichen synodalen Weg, auf Gleichheit und Gerechtigkeit und die strikte Aufarbeitung des Missbrauchsskandals.

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