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Friesoyther Marienstift "wird zum Verlustmachen gezwungen"

Geschäftsführung und Aufsichtsrat  schreiben Brandbrief an die Politik. Eine Bürgerhospitalstiftung mit Rückendeckung der Bevölkerung soll gegründet werden.

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Frostige Stimmung zwischen Klinik und Kassen: Das Marien-Stift wirft den Krankenkassen und Interessenvertretern Strukturpolitik vor und fordert Planungssicherheit.  Foto: Claudia Wimberg

Frostige Stimmung zwischen Klinik und Kassen: Das Marien-Stift wirft den Krankenkassen und Interessenvertretern Strukturpolitik vor und fordert Planungssicherheit. Foto: Claudia Wimberg

Ihre Kritik am krankenden System ist nicht nur in der Krise klar formuliert. Geschäftsführung und Aufsichtsrat des Friesoyther St.-Marien-Stifts machen seit vielen Jahren unmissverständlich auf die Symptome und die chronisch gewordenen Konflikte mit den Kassen aufmerksam und fordern Veränderungen in Finanzierung und Planung.

Die zum Teil „unhaltbaren und unzumutbaren Zustände“ sollen nun CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak über seinen parlamentarischen Mitarbeiter Jonas Bickschlag aus Friesoythe erreichen. Mit Ziemiak, der 2019 die Klinik besuchte, möchten die Geschäftsführer Nadine Krefeld und Bernd Wessels sowie Aufsichtsratsvorsitzender Georg Litmathe einen „fairen Dialog, der Zukunft sichert“ weiterführen.

In die Klagewelle wollten sie sich nicht einreihen, aber auf unterschiedlichen Ebenen auf die Situation aufmerksam machen sowie „über die Bande“ Beziehungen in Bund und Land aufbauen und nutzen, so Wessels.

Erstes Krisenjahr "einigermaßen gut" überstanden

In einem knapp vierseitigen Brandbrief, der auch an alle örtlichen Politiker gegangen ist, beziehen sich die Verantwortlichen auf die grundsätzlichen Engpässe sowie die Auswirkungen der Coronapandemie, die nicht nur angesichts der Hygienemaßnahmen, sondern auch betriebswirtschaftlich stets neu bewertet werden müssten.

„Einigermaßen gut“ werde die Klinik das erste Jahr der Viruskrise überstehen. Kein Verdienst der Krankenkassen durch die Freihaltepauschale, auch wenn das „gebetsmühlenartig wiederholt“ werde, sondern nur möglich geworden durch die Aussetzung der „überaus scharfen“ Regelungen des Reformgesetzes des Medizinischen Dienstes. Gerade hier offenbare sich der grundsätzliche Kampf „David gegen Goliath.“

Der Vorwurf: Die Krankenkassen zeigen sich nicht als Versorgungspartner für den ländlichen Raum, sondern betreiben vielmehr als öffentliche Bundes- und Landesverwaltungen Strukturpolitik, die ihnen nicht zusteht.„Dabei wird versucht, mit wenigen zentralen Versorgungsstrukturen ökonomische Ziele zu erreichen.“ Das Ergebnis: Die Bevölkerung müsste weite Wege zurücklegen, weil die Kassen ganz bewusst weiße Flecken in Kauf nehmen. „Wir haben so viel für die Zukunftssicherung unseres kleinen Krankenhauses getan und werden durch die Kassen gefährdet, die uns am langen Arm verhungern lassen möchten“, sagte Wessels.

"Abenteuerreise und unhaltbarer Zustand."Aufsichtsratschef Georg Litmathe

Dass das Haus „zum Verstoß gegen gesetzliche Vorgaben und zum Verlust machen gezwungen“ werde, unterstrich Aufsichtsratschef Litmathe und verwies auf die nach wie vor inakzeptablen Budget-Verhandlungen. „Eine Abenteuerreise“, da es weder für 2020 geschweige denn für 2021 finanzielle Vereinbarungen gebe und das Stift für das vergangene Jahr aktuell einen Fehlbetrag von immerhin 1,9 Millionen Euro vor sich herschiebe.

Litmathe erinnert in diesem Zusammenhang an das von Geschäftsführungen einzurichtende Risikomanagementsystem, das an bestimmte Zeiträume gebunden ist. Doch dieser Pflicht könne man mit Zahlen ohne fundierte Basis nicht nachkommen und eine Abrechnung sei schlicht nicht möglich. Ein „unhaltbarer Zustand“, den der Aufsichtsrat nicht länger tolerieren will und die Politik auffordert, die Verhandlungspartner gesetzlich zu verpflichten, spätestens bis zum 30. September eines Jahres eine Einigung über das Budget des Folgejahres zu erzielen. Dadurch würden zumindest Haftungsrisiken reduziert.

Um die Wirtschaftlichkeit zu verbessern, setzt das Marien- Stift nun auf Eigeninitiative und privates Engagement: Eine Bürgerhospitalstiftung soll am 22. April im Kulturzentrum gegründet werden, die ideell und finanziell Unterstützung leistet. „Und dabei sind wir uns der Rückendeckung durch die Bevölkerung der Region sicher.“

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