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Frerichs bewahrt die Erinnerung an Verstorbene

1400 Sterbebilder hat er bereits zusammengetragen. Hinter jedem steckt eine Lebensgeschichte - sie sind ein ehrendes Andenken und eine Erinnerung an geliebte Menschen.

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Ein Stück Dorfgeschichte: Heinz Frerichs hält die Erinnerung an die Verstorbenen hoch. Seit 15 Jahren sammelt er die Totenbilder von Menschen aus Harkebrügge. Foto: Passmann

Ein Stück Dorfgeschichte: Heinz Frerichs hält die Erinnerung an die Verstorbenen hoch. Seit 15 Jahren sammelt er die Totenbilder von Menschen aus Harkebrügge. Foto: Passmann

Es ist ein außergewöhnliches Hobby, das der Harkebrügger Heimatforscher Heinz Frerichs pflegt. Es sammelt Sterbebilder - oder wie man auch sagt - Totenbilder. Dieser Leidenschaft geht der 70-Jährige seit rund 15 Jahren nach. Mittlerweile umfasst seine Sammlung etwa 1400 Stück. Sie sind ein ehrendes Andenken und eine Erinnerung an geliebte, verstorbene Menschen: Sterbebilder seien für viele Trauergäste bei Beerdigungen unverzichtbar. Viele würden die Totenzettel von den eigenen Wegbegleitern ein Leben lang auf bewahren, sagt er.

Frerichs archiviert Totenbilder bekannter Personen des öffentlichen Lebens

Auch Heinz Frerichs möchte, dass die Verstorbenen nicht aus dem Gedächtnis verschwinden. Sein Motto lautet: "Hier wird keiner vergessen". Einige haben durch tragische Unglücke den Tod gefunden oder sind gar im Krieg gefallen, andere sind ihr Leben lang ihrem Beruf nachgegangen. Er sammelt ausschließlich Harkebrügger Sterbebilder - bis auf eine Ausnahme. Das sind die Totenbilder von bekannten Personen des öffentlichen Lebens - von Bischöfen, Pastören oder Politikern, wie beispielsweise des ehemaligen Bundeswirtschaftsminister Kurt Schmücker aus Löningen. Stolz ist Frerichs auf das Totenbild des Arztes und Zahnarztes, Dr. Johann Meiners. Zur Sammlung zählen aber auch Sterbebilder der Gefallenen, die dem Zweiten Weltkrieg zum Opfer gefallen sind.  

Die Leidenschaft für das Hobby ergriff Frerichs vor gut 15 Jahren, als er ein einige Totenbilder erhielt. "Das fand ich so interessant, dass ich angefangen bin, Totenbilder zu sammeln. Einen ersten großen Schwung habe ich von Pastor Johannes Brinkmann bekommen und später dann auch noch von Jonny Meiners", berichtet Frerichs.   Sorgfältig sortierte der Rentner die Fundstücke und begann mit einer strukturierten Sammlung in einigen Mappen. "Ich habe alles nach dem Alphabet sortiert", so der Harkebrügger Heimatforscher.

"Inzwischen haben mit viele Leute ihre Trauerbilder ausgeliehen." Heinz Frerichs

"Inzwischen haben mir viele Leute ihre Trauerbilder ausgeliehen, damit ich sie bei mir ablegen kann", erzählt Frerichs. Er sammelt sowohl Einzel- als auch Doppelbilder mit oder ohne Foto. Das älteste Sterbebild, das Frerichs besitzt, ist von einem Einheimischen. Am 6. Oktober 1915 verstarb Johann Lüken. Er war im Ersten Weltkrieg in Frankreich gefallen.   Viele Personen aus seiner Sammlung, die in den vergangenen Jahrzehnten aus dem Leben schieden, kannte Frerichs persönlich. Besondere Geschichten und Erinnerungen zu den Verstorbenen hört er viele, wenn ihm Bürger Sterbebilder ausleihen oder zu einem Besuch in das Heimathaus kommen.

Beim Blick in seine Mappen fällt auf, wie sehr sich die Sterbebilder über die Zeit verändert haben. "Wenn die Ehefrau verstorben war, dann stand zunächst der Name des Ehemanns auf dem Sterbebild und darunter dann der Vorname der Verstorbenen", so Frerichs. Er habe in seiner Sammlung auch Totenbilder von Harkebrügger Familien, die zwischenzeitlich ausgestorben seien. Frerichs hält immer Leerformulare bereit. "Wenn es noch kein Totenbild gibt, wie beispielsweise jetzt mit Corona, dann trage ich dort den Namen der Verstorbenen ein. Später könnte man dann einen Austausch vornehmen", so der Heimatforscher.

Auffällig ist, dass meist die Druckerei Niehaus in Barßel mit dem der Gestaltung und dem Druck beauftragt wurden. Mittlerweile gibt es die Druckerei nicht mehr. Wer gerne noch ein Sterbebild eines Verstorbenen haben möchte, kann sich ebenfalls an Heinz Frerichs werden. Entweder gibt es das Original, wenn das Sterbebild doppelt vorliegt - ansonsten muss eine Kopie ausreichen.

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