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Freiwilliges Zurücktreten erschwert Dammer Schulen die Planung

Wechseln Gymnasiasten in Klassenstärke zur Realschule? Das wurde in der jüngsten Schulausschusssitzung behauptet. Die Schulleiter kennen das Problem; wie konkret es sei, stehe indes nicht fest.

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Foto: dpa

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Viel Lärm um nichts? Viel Aufregung über Kinder, die vermeintlich gleich klassenweise das Gymnasium Damme verlassen, um an der Realschule weiterzumachen? Entschieden widersprochen hat zumindest Dammes Realschulrektor Dieter Brockmeyer der Aussage, die Realschule müsse sich auf Schulwechsler vom Gymnasium in Klassenstärke einstellen. Brockmeyer äußerte sich in der von Natalie Schwarz (CDU) am Mittwoch geleiteten und per Videokonferenz abgehaltenen Schulausschusssitzung. 

Auf Nachfrage sagte der Schulleiter, bisher liege der Schule eine solche Anmeldung vor. Zudem seien bei der Schulleitung einige Anträge im Rahmen des sogenannten "freiwilligen Zurücktretens" eingetroffen. Diese vom Kultusministerium erlassene Regelung als Reaktion auf die Folgen der Corona-Pandemie besagt: Kinder und Jugendliche können das jetzt zu Ende gehende Schuljahr wiederholen, ohne dass es Auswirkungen hat.

Denn: Im Gegensatz zum Sitzenbleiben ist ein freiwilliges Zurücktreten in demselben Schuljahrgang und in zwei aufeinander folgenden Schuljahrgängen auch ein zweites Mal möglich. Die Regelung gilt allerdings nicht für die Oberstufe der Gymnasien.

Gymnasium hat Eltern informiert und wartet nun

Auch Ludger Kässens, Oberstudiendirektor des Gymnasiums, erklärte, er wisse nichts von einer hohen Zahl an Gymnasiasten, die zur Realschule wechseln wollen. Er habe die Eltern der Schülerinnen und Schüler per Brief über die Möglichkeit des freiwilligen Zurücktretens informiert. Bis zum 31. Mai könnten sie für ihr Kind einen entsprechenden Antrag stellen. Nun warte die Schulleitung ab, wie viele Anträge tatsächlich eintreffen werden.

Für Aufsehen hatte die vermeintlich enorme Wechslerzahl vor allem unter Eltern von Dammer Schülern gesorgt. Denn 2018 hatte der Stadtrat festgelegt, dass die Realschule, die auch von Kindern und Jugendlichen von außerhalb Dammes besucht werden kann, maximal 4-zügig sein darf. 

Jahrgangsgröße ist in der Realschule auf 120 Schülerinnen und Schüler begrenzt

Das bedeutet: Mehr als 120 Schülerinnen und Schüler pro Jahrgang sind nicht vorgesehen. Der Rat wollte mit dem Beschluss vermeiden, dass die Stadt ob steigender Schülerzahlen, die auch durch auswärtige Kinder und Jugendliche bedingt sind, immer weiter in den Ausbau des Gebäudes investieren muss.

Manche Eltern von Dammer Schülern sind in Sorge, dass es für ihre Kinder nun keinen Platz mehr geben wird, wenn sie zur Realschule wechseln wollen.

Die Mitglieder des Schulausschusses beschlossen auf Vorschlag der Verwaltung, sich bei ihrer nächsten Sitzung am 10. Juni, wenn es um die Ausstattung der Schulen geht, mit dem Thema zu beschäftigen. Zuvor soll die Verwaltung weitere Informationen bei den Schulen einholen.

Von der Stadt gekaufte Smartboards machen Unterricht einfacher

Die vermeintlich hohe Zahl an Wechslern zur Realschule war Thema einer Diskussion um Corona und die Folgen für die Schulen. Dabei stellte Nadine Fortmann, Lehrerin an der Hauptschule und Mitglied des Schulausschusses, unter anderem fest, die Lehrerinnen und Lehrer hätten während des Lockdowns und der weitgehenden Schulschließungen einen großen Teil der Schülerinnen und Schüler über Videokonferenzen erreichen können.

In der Hauptschule hätten den Jugendlichen Klassenräume zur Teilnahme an diesen Konferenzen zur Verfügung gestanden. Zudem hatten sie die Möglichkeit, Endgeräte auszuleihen, um dem digitalen Unterricht folgen zu können. Bewährt habe sich der Einsatz der Smartboards, die die Stadt gekauft hatte. 

Gelernt haben manche Schüler nachts 

Erschreckend war nach Worten Nadine Fortmanns, wie viele Schüler im Rahmen des Homeschoolings nachts ihre Aufgaben erledigt hatten. Es sei vorgekommen, dass einige die Aufgaben zwischen 2 und 4 Uhr herunterluden.

Die Pädagogin, die auch auf die Mehrbelastung der Lehrerinnen und Lehrer durch das Homeschooling hinwies, sagte klar und deutlich: "Die sozialen Kontakte der Kinder und Jugendlichen untereinander bereiten Sorge."

Viele Schüler hätten sich bis zu 5 Monate in den Klassen nicht gesehen. Jetzt müssten Angebote für sie her, die es ihnen ermöglichen, ohne den Einsatz von Medien Kontakte neu aufzubauen.

Hörnschemeyer: Sommerferien müssen unterrichtsfrei bleiben

Das griff der CDU-Fraktionsvorsitzende Frank Hörnschemeyer auf. Er warnte davor, den Schülern aufzubürden, in den kommenden Sommerferien Unterrichtsstoff nachholen zu müssen. Es sei viel wichtiger, dass sich die Kinder und Jugendlichen nach Wochen großer Bewegungslosigkeit wieder bewegen, Freunde oder Freundinnen treffen. Hier sollte auch die Stadt Angebote machen und private Initiativen unterstützen.

Die Elternvertreterin im Ausschuss, Maria Pille, sprach von einem riesigen Kraftakt und gewaltigen Spagat für viele Eltern während des Lockdowns zwischen der Arbeit, dem Homeoffice und dem Homeschooling. Aber auch die Lehrer hätten vor großen Herausforderungen gestanden.

Einen Dank sagte sie in Richtung der Lehrkräfte, die sich auf neue Unterrichtsformen wie die Videokonferenzen hatten einlassen müssen. Nun bleibe die Hoffnung, dass der Inzidenzwert weiter absinkt und sich auf einem Stand deutlich unter 50 einpendelt, damit in den Schulen – wenn auch mit Testungen und dem Gebot des Mund-Nasen-Schutzes – der Alltag zurückkehren könne.

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