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Freiwillige Müller lernen in Barßel das alte Handwerk

Immer wieder lassen sich Mühlenfreunde von der Volkshochschule in Theorie und Praxis ausbilden. Ein Lernort ist die Ebkensche Windmühle.

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Kleine Einführung für die Neuen: In der Barßeler Windmühle schauten sich die zukünftigen freiwilligen Müller um. Franz Cloer (rechts) gibt Erläuterungen. Foto: C. Passmann

Kleine Einführung für die Neuen: In der Barßeler Windmühle schauten sich die zukünftigen freiwilligen Müller um. Franz Cloer (rechts) gibt Erläuterungen. Foto: C. Passmann

Längst dienen Mühlen nur noch äußerst selten ihrem ursprünglichen Zweck, sondern meist der Heimatpflege und dem Fremdenverkehr. Dabei könnten sie, weil häufig noch voll funktionsfähig, auch jetzt noch Korn zu Mehl verarbeiten. Dafür sorgen aber mittlerweile vielfach die sogenannten "freiwilligen Müller". Sie bewahren die Historie eines alten Handwerks. Immer wieder lassen sich Mühlenfreunde dafür ausbilden.

Ein Ausbildungsort ist die Ebkensche Windmühle in Barßel. Hier trafen sich am Wochenende die angehenden freiwilligen Müller zur Ausbildung. Die Volkshochschule (VHS) des Landkreises Diepholz bot diesen Ausbildungskurs an. Die Teilnehmer des Müllerlehrganges lernen dabei die Bedienung verschiedener Windmühlen in den Jahreszeiten und bei unterschiedlichen Wetterbedingungen kennen.

Ausbildung zum freiwilligen Müller umfasst 160 Stunden

Die Kursteilnehmer waren nun zu Gast in Barßel und schauten sich in der Ebkenschen Windmühle aus dem Jahre 1717 genau um. Sie trafen sich, um ihr Wissen in Praxis und Theorie zu vertiefen. Durch die Barßeler Windmühle führte Franz Cloer. Die Mühlenfreude kamen aus Hessisch Oldendorf, Osterholz-Scharmbeck, Lübberstedt oder Barsinghausen. Die Ausbildung zum freiwilligen Müller umfasst rund 160 Stunden.

"Barßel hat eine wunderbare Mühle, die es unbedingt zu erhalten gilt. Die Mühle hat sehr viele Einrichtungen", sagt Müllermeister und Dozent Johann Hüneke aus Syke. Die späteren freiwilligen Müller sollen Pflege- und Wartungsarbeiten einer Wind- und Wassermühle selbstständig ausführen können. Daher schaue man sich bei der Ausbildung verschiedene Mühlentypen an, so Müllermeister Hünke. Erfahrene Müllermeister leiten die meist an Wochenenden stattfindende Ausbildung in Praxis und Theorie. Zu den Inhalten gehören physikalische und technische Grundlagen des Systems Mühle, Getreidekunde, Mühlen und Müller in Gesellschaft und Geschichte, Unfallverhütung und Arbeitsschutz sowie Wetterkunde. 

Ölgang nach 90 Jahren Stillstand wieder flott gemacht

Nach erfolgreichem Bestehen der Müllerprüfung erhält jeder Kursteilnehmer ein Zertifikat, das ihm bestätigt, Kenntnisse und Fähigkeiten zur sicheren Bedienung einer Wind- oder Wassermühle in einer theoretischen und praktischen Prüfung nachgewiesen zu haben. In diesem Zusammenhang erklärt Franz Cloer, dass es den Barßeler Mühlenfreunden gelungen ist, den Ölgang nach über 90 Jahren des Stillstandes wieder flott zu machen.

Die Ölschlaganlage diente zur Herstellung von Öl aus Rübsamen. "Wir hoffen, dass wir dieses Verfahren in der Barßeler Windmühle wieder demonstrieren können", sagt Franz Cloer. Dafür seien aber noch einige Arbeiten erforderlich. Auch die zwei großen Mahlsteine im Erdgeschoss möchten die Barßeler Müller wieder zum Drehen bringen. Schon seit Jahren kümmern sich Cloer und Kollegen um den Erhalt des Baudenkmals, das sich seit einigen Jahren im Besitz der Gemeinde Barßel ist.

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