Das Nachrichtenportal vonMünsterländische Tageszeitung MT undOldenburgische Volkszeitung OV

Freistellung sinnvoller als früherer Rentenbeginn

Beim Malteser Hospizdienst, der fast ausschließlich auf ehrenamtliche Kräfte setzt, stößt die Idee der Bundesinnenministerin auf Skepsis. Auch ein soziales Pflichtjahr sei keine Hilfe.

Artikel teilen:
Suchen Nachwuchs: Gerd Dumstorff (von links), Margot Ohms, Marlen Schmidt, Silke Bührmann und Miriam Tebben-Fastje vom Hospizdienst der Malteser haben eigene Ideen, wie das Ehrenamt attraktiver werden könnte. Foto: Stix

Suchen Nachwuchs: Gerd Dumstorff (von links), Margot Ohms, Marlen Schmidt, Silke Bührmann und Miriam Tebben-Fastje vom Hospizdienst der Malteser haben eigene Ideen, wie das Ehrenamt attraktiver werden könnte. Foto: Stix

Die Idee der Bundesinnenministerin Nancy Faeser, langjährige ehrenamtliche Arbeit mit einem früheren Renteneintritt zu belohnen, kommt bei der Malteser Ortsgruppe in Friesoythe nicht besonders gut an. "Ich glaube, das wäre kein sinnvoller Anreiz", sagt der Stadtbeauftragte Gerd Dumstorff. "Die Motivation muss schon in einem selbst liegen."

Dabei sucht der Malteser Hilfsdienst händeringend nach neuen ehrenamtlichen Mitarbeitern, vor allem im ambulanten Hospizdienst sowie im Kinder- und Jugendhospiz. Mehrere freiwillige Mitarbeiterinnen fallen momentan aus, ohne neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werde es schwierig, die steigende Zahl der Anfragen zu bewältigen, sagt Dienststellenleiterin Marlen Schmidt. "Uns fehlt, auch wegen Corona, der Nachwuchs."

Auch ein soziales Dienstjahr wäre im Hospizdienst keine Hilfe

Das vom Bundespräsidenten vorgeschlagene verpflichtende soziale Jahr allerdings würde den Maltesern – zumindest im Hospizdienst – keine Entlastung bringen. "Niemand kann ein Jahr lang 8 Stunden täglich Sterbe- und Trauerbegleitung machen", versichert Schmidt. "Danach ginge man selbst psychisch am Stock." Denn die Begleitung sterbender und trauernder Menschen ist eine emotional herausfordernde Aufgabe.

Im Ehrenamt ist zudem auch zeitlich ein gewisses Engagement erforderlich. Der Hospizhelfer-Kurs etwa, der am 23. September startet, umfasst rund 120 Stunden, der anschließende zeitliche Aufwand für eine Begleitung hingegen lässt sich nicht abschätzen. "In der Endphase schaut man vielleicht täglich kurz bei einem Sterbenden vorbei", erzählt Margot Ohms, die selbst als ehrenamtliche Sterbebegleiterin arbeitet. "Davor vielleicht auch nur ein Mal in der Woche." Da aber könnten auch mal 2 Stunden für ein Gespräch anfallen. Und manchmal müsse man auch ad hoc zu einem Sterbenden oder seiner Familie.

Malteser schlagen Gleichstellung mit der Freiwilligen Feuerwehr vor

Und genau deswegen haben Dumstorff, Schmidt und die ehrenamtlich Mitarbeitenden einen ganz anderen Wunsch an die Politik als ein soziales Dienstjahr, einen früheren Rentenbeginn oder eine Ehrenamtskarte. "Rund die Hälfte unserer Ehrenamtlichen steht noch im Berufsleben", sagt Schmidt. Denen müsste man jetzt die Zeit für ihr Ehrenamt geben, nicht erst mit einem früheren Renteneintritt. "Es wäre toll, wenn es – wie etwa bei der Feuerwehr – auch für die Hospizarbeit eine Freistellung vom Arbeitgeber geben würde."

Damit ließen sich akut notwendige Besuche, aber auch Maßnahmen wie das Kinderprojekt "Gib mir Sicherheit" besser mit dem Berufsleben vereinbaren. "Ich spreche dreimal im Jahr mit Drittklässlern, um ihnen das Thema Tod und Sterben näherzubringen", erzählt die ehrenamtliche Mitarbeiterin Silke Bührmann. "Das sind 1,5 Urlaubstage, die dafür draufgehen." Ähnliches gilt für die vorbereitenden Kurse. "Es wäre toll, wenn es auch dafür Bildungsurlaub geben würde", sagt Miriam Tebben-Fastje, die bei den Maltesern hauptamtlich als Hospiz-Koordinatorin arbeitet. "Und sei es nur für einen Teil der Stunden."

Und dann ist da natürlich auch noch das Geld. 75 Prozent der Kosten tragen die Krankenkassen, ein Viertel seiner Arbeit muss der Hosipizdienst selbst finanzieren. Eine zusätzliche staatliche Förderung wäre deshalb wünschenswert. "Wir müssen um Spenden betteln, um den Ehrenamtlichen die Benzinkosten erstatten zu können", sagt Dumstorff. Die Trauerarbeit mit Angehörigen müsse sogar gänzlich ohne Zuschüsse auskommen. "Denn", so Schmidt, "mit dem Tod hört die Förderung auf."


Hintergrund:

  • Der nächste Kurs für Hospizhelfer startet am 23. September. Er richtet sich an Menschen, die sich mit dem Thema Tod und Sterben auseinandersetzen wollen.
  • Die Kursgebühr von 280 Euro wird bei einer anschließenden Mitarbeit im ambulanten Hospizdienst erstattet.
  • Anmeldung und Information bei Marlen Schmidt unter 04491/40063-10 oder malteser-friesoythe@malteser.org.

Der neue Newsletter für Friesoythe. Immer am Donnerstag das Wichtigste aus der Eisenstadt in ihrem Postfach. So verpassen Sie nichts mehr.  Jetzt hier kostenlos anmelden

Das könnte Sie auch interessieren

Hier klicken und om-online zum Start-Bildschirm hinzufügen

Freistellung sinnvoller als früherer Rentenbeginn - OM online