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Frauengemeinschaft Holdorf feiert 100-jähriges Bestehen mit einem Festakt

Die Mitglieder schauen auf die Geschichte des Müttervereins zurück. Zur Gründung 1921 konnte ein "ärgerlicher Lebenswandel" noch zum Ausschluss führen.

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Symbolische Kopfbedeckungen: Diese tragen die Vorstandsmitglieder Jutta Landwehr (von links), Inge Börgerding, Marita Kampers, Ursula Koldehoff, Elisabeth Hugenberg, Hanneliese Heitmann und Monika Siefke.   Foto: Schmutte

Symbolische Kopfbedeckungen: Diese tragen die Vorstandsmitglieder Jutta Landwehr (von links), Inge Börgerding, Marita Kampers, Ursula Koldehoff, Elisabeth Hugenberg, Hanneliese Heitmann und Monika Siefke.   Foto: Schmutte

1921 als Mütterverein gegründet, feierte die Frauengemeinschaft Holdorf, wie sie heute heißt, am vergangenen Sonntag ihr 100-jähriges Gründungsjubiläum. Nach dem Festgottesdienst wurde zu einer Feier in das "Hotel zur Post" geladen. Das sich nicht nur der Vereinsname, sondern auch das Bild der Frau in Kirche und Gesellschaft im Verlauf der 100 Jahre geändert hat, wurde im Verlauf der Feierlichkeiten deutlich.

Besonders festlich war der Gottesdienst, den die Frauengemeinschaft am Sonntag in der mit üppigem Blumenschmuck herausgeputzten Kirche St. Peter und Paul gefeiert hat. Statt einer Predigt präsentierten sich die Damen des Vorstands mit unterschiedlichen Hüten, vom Bauhelm, Pudelmütze über Narrenkappe, Mitra, bis hin zu eleganten, alten oder Fantasiehüten. Mit ihnen, in Verbindung mit kurzen Statements, wurden Aufgaben, Tätigkeiten, Unternehmungen, Einstellungen, die Zeit und Zukunft ihrer Vereinigung symbolisiert.

Mit den Hüten symbolisiert der Vorstand Aufgaben

Zu dem anschließenden Empfang konnte Vereinsvorsitzende Inge Börgerding neben dem Präses der Gemeinschaft, Pater Ansgar Koch, weitere Geistliche, Bürgermeister Dr. Wolfgang Krug, die Bezirkshelferinnen und die Frauengemeinschaften der Nachbargemeinden mit ihren Bannerabordnungen begrüßen. Für ein flottes musikalisches Rahmenprogramm sorgte der Musikverein Holdorf.

Bannerabordnung: Die Frauengemeinschaften der Nachbargemeinden und Holdorfer Vereine gratulierten.  Foto: SchmutteBannerabordnung: Die Frauengemeinschaften der Nachbargemeinden und Holdorfer Vereine gratulierten.  Foto: Schmutte

Hanneliese Heitmann und Jutta Landwehr gewährten mit ihrem Vortrag einen Einblick in die Geschichte der Gemeinschaft. Gegründet wurde der Mütterverein 1921 von dem damaligen Pfarrer Freese. Aus dieser Zeit stammen auch die ersten Dokumente, so etwa die „Satzung für den Frauen- und Mütterverein der Pfarrgemeinde Holdorf i.O.“. Ziel war der Zusammenschluss der Frauen, um religiöse Traditionen zu pflegen und den Glauben zu vertiefen.

Früher sollten Mütter die Sichtenwächterinnen sein

Zur damaligen Zeit waren die Versammlungen des Müttervereins für die Frauen so ziemlich die einzige Möglichkeit, „vom Herd“ wegzukommen. Zu den Pflichten heißt es in der Gründungssatzung unter anderem: „In Bezug auf die heranwachsenden Kinder und Dienstboten haben die Mitglieder gewissenhaft zu beachten: a) daß sie ihren Kindern nicht erlauben dürfen, ohne gehörige Aufsicht an Lustbarkeiten teilzunehmen.... b) daß sie ihren Kindern Bekanntschaften ohne ernste Absicht und ohne begründete Absicht auf baldige Heirat zu untersagen haben, daß sie auch die erlaubten Bekanntschaften streng zu überwachen verpflichtet sind, ..., daß sie alles aufbieten müssen, ihre Kinder vor der Eingehung einer gemischten Ehe zu bewahren, ..., daß sie gefährliche Zusammenkünfte junger Leute verschiedenen Geschlechts nicht zulassen... dürfen“. Auch konnten Mitglieder, die „einen ärgerlichen Lebenswandel führen“, vom Präses ausgeschlossen werden.

Genehmigt wurde die Vereinssatzung am 25. November 1921 von Johannes, Bischof von Münster. „Wir sind froh, dass sich über die Jahrzehnte die Stellung der Frau gewandelt hat“, so die Vortragenden. Satzung und Vereinsname wurden im Laufe der Zeit angepasst. Hieß es in der ersten Satzung der Gemeinschaft noch: „Jede katholische Ehefrau oder Witwe, welche einen unbescholtenen Lebenswandel führt, kann in den Verein aufgenommen werden“, sind heute alle Frauen willkommen.

1963 lebte die Frauengemeinschaft wieder auf

1963 wurden die zum Erliegen gekommenen Aktivitäten der Frauengemeinschaft von Pfarrer Karl Tepe neu belebt. Die Gemeinschaft traf sich wieder regelmäßig. Es wurden Glaubensfragen und alle Probleme des täglichen Lebens diskutiert. Die Mitglieder richteten einen Besuchsdienst für alte und kranke Mitbürger ein.

Im Laufe der Jahre bildeten sich innerhalb der Frauengemeinschaft 2 Gruppen, die der Blumenschmuckfrauen, sie sorgen in der Kirche für den Blumenschmuck, und die der alleinstehenden Frauen. Sie treffen sich regelmäßig unter ihrem Motto „viel Gemeinsamkeit gegen die Einsamkeit“ zu den unterschiedlichsten Unternehmungen, damit ihnen die „Decke nicht auf den Kopf fällt“.

Gemeinsam statt einsam: Alleinstehende treffen sich 

Aus dem Gründungsjahr stammt die erste Vereinsfahne der Frauengemeinschaft. In den 1960er Jahren ist eine weitere, von Holdorferinnen bestickte, angeschafft worden. 2015 wurde eine neue, leichtere Fahne erworben, da die alten Fahnen marode und zu schwer waren.

Pater Ansgar Koch bedankte sich als Präses der Gemeinschaft für die geleistete soziale Arbeit und das Wirken in der Gemeinde. Das Jubiläum sei Anlass, den Blick in Dankbarkeit zurückzuwerfen, aber auch voll Zuversicht in die Zukunft. Die Frauen hätten zu den Veränderungen in Kirche und Gesellschaft beigetragen.

Vor der Vereinsfahne: Vorsitzende Inge Börgerding trägt die Mitra als symbolische Kopfbedeckung.   Foto: SchmutteVor der Vereinsfahne: Vorsitzende Inge Börgerding trägt die Mitra als symbolische Kopfbedeckung.   Foto: Schmutte

Bürgermeister Dr. Wolfgang Krug gratulierte mit einem lockeren und heiteren Grußwort. Er überreichte ein Gästebuch mit dem Logo der Frauengemeinschaft. Als persönliche Anmerkung äußerte er die Überzeugung, dass Frauen in Führungspositionen der katholischen Kirche eine Bereicherung wären.

Eine lebendige Erinnerung an das Jubiläum hat sich die 412 Mitglieder starke Frauengemeinschaft bereits im letzten Winter geschaffen: Es wurde an der Kirche, neben der Sakristei ein Baum gepflanzt.

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