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Frau "erfolgreich" abgewehrt

Gästebuch: Fast wäre es soweit gekommen, fast wäre eine Frau in den Magistrat der Schützengilde vorgerückt. Die Friesoyther Oberschützen haben es verhindert – wo kämen wir denn da hin?

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Die Friesoyther Schützen haben es jetzt noch einmal abwenden können, dass das jahrhundertealte Gerüst einstürzt. Eine Frau sollte in den Magistrat der Schützengilde rücken, die stellvertretende Bürgermeisterin gar. Ja, wo sind wir denn? Seit 1337 hat's das nicht gegeben. Und? Hat's den Frauen geschadet? Und jetzt 'ne Gilde-Quote? Dabei hat auch der General nichts gegen Frauen, sagte er dem Fernsehen. Hauptsache, der Ausgehcut sitzt und Bibi, der Zylinder, bildet den rechten Winkel, ergänzt die Gilde-Gattin und streicht den Gehrock glatt. So hat der Schützen-Magistrat gemäß seinen Statuten über Jahrhunderte Unheil von der Stadt gewendet.

Einst war Friesoythe nur Friesoythe, die Hansestadt Friesoythe. Man war und blieb gerne unter sich, trieb Handel, war der auch noch so klein, brachte er doch mehr als Arbeit ein. Man freite quer über die Straße und war sich selbst genug. Erst der März 1974 stellte die Welt auf den Kopf. Man musste sich unter Stand vermehren. Altenoyther, Markhüser und Neuscharreler, sogar Gehlenberger und Menschen aus Neuvrees saßen plötzlich mit am Tisch und wollten dazugehören, gar mitreden und sogar mitwählen. So hatten die Hansestädter, die sich ja als etwas Bessres dünkten, nicht gerechnet. Kult-Wirt Onkel Heini vom Grünen Hof wanderte aus, vielleicht auch, weil seine Zeit reif war. Die schönsten Töchter der Stadt verzogen sich nach Münster oder anderswo hin. Franky bereicherte die Maitage und brachte einen Schuss Wildworld mit.

"So wurde aus dem ehedem tiefschwarzen Eigengewächs die erste Kreis-Cloppenburger Stadt mit einem roten Bürgermeister. Frau erfolgreich abgewehrt, Auftrag erfüllt."Otto Höffmann

Aus Handel wurde mehr und mehr Wandel. So war es nicht verwunderlich, dass bei der Kommunalwahl vor einigen Jahren eine Frau für das Bürgermeisteramt kandidierte. Okay, die Jahre, während derer man sich aus dem eigenen Topf bedienen konnte, waren passé. Und ein Graf hatte unbemerkt über die Jahrzehnte in beharrlicher Kärrnerarbeit einen sozialdemokratischen Boden beackert. Und plötzlich stand es spitz auf Knopf, das Momentum war da: Kandidatin Nr. 1: Richtiges Parteibuch, falsches Geschlecht. Kandidat Nr. 2: Falsches Parteibuch, richtiges Geschlecht.

Da stehst du zwischen Pest und Cholera und musst dich zwischen Not und Elend entscheiden. So wurde aus dem ehedem tiefschwarzen Eigengewächs die erste Kreis-Cloppenburger Stadt mit einem roten Bürgermeister. Frau erfolgreich abgewehrt, Auftrag erfüllt. Auch wenn eine fähige und talentierte Kommunalpolitikerin dabei auf der Strecke blieb.

Nun sollte erstmals eine Frau in den Magistrat der Gilde. Aber es ist noch einmal gut gegangen: Zylinder, Cut und Gehrock atmen durch. Die Töchter bleiben glücklich in Münster oder anderswo. Andere werden Königin und sitzen stolz in der Kutsche. Die Gilde wartet auf den ersten weiblichen Bürgermeister und der General kündigt für diesen Fall neues Nachdenken an. Da sage noch einer, es bewege sich nichts.


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