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Fondue? Raclette? Kartoffelsalat! Das kommt Heiligabend auf den Tisch

Unsere Weihnachtstipps – Teil 1: Die Kollegen der OM-Medien-Redaktion gewähren einen Blick auf den Teller: Für die einen ist das weihnachtliche Festmahl Tradition. Die anderen suchen die Abwechslung.

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Symbolfoto: dpa

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Während sich die einen Jahr für Jahr den Kopf zerbrechen, welche Delikatessen dieses Mal an Heiligabend gespeist werden sollen, gibt es für die anderen gar keine Diskussion: Tradition ist Tradition. Was kommt Weihnachten auf den Tisch? Die Kollegen der OM-Medien-Redaktion lassen sich auf den Teller schauen.

Das Nonplusultra: Die gute Pute (von Matthias Bänsch)

Kein Heiliger Abend ohne opulenten Broiler auf dem Tisch. Das ist mir schon als Kind mit auf den Weg gegeben worden. Die Tradition habe ich meinem Vater zu verdanken – verbunden mit einem Prozedere, dass ich in meinem Gedächtnis eingebrannt hat. Schon zwei Tage vor dem Fest begann "die Jagd" nach der richtigen Pute. Die Vorbereitung wurde auch nur kurzzeitig aus der Hand gegeben: Meine Mutter durfte sich um die Füllung kommen. Ab dann war es hoheitliche Chefsache. Während meinem Vater am Morgen des 24. Dezember im wahrsten Sinne des Wortes das Wasser im Mund zusammenlief, wurde der Backofen angeschmissen. Das Geflügel wurde liebevoll betreut. Gefühlte 100-mal wurde die Backofentür geöffnet, die Pute beträufelt. Mit dem Ziel, eine krosse Kruste zu bekommen. Für meinen Vater gab es keine Diskussion, ob es jemals ein anderes Essen geben könnte. Pure Verständnislosigkeit, dass es bei meiner Großmutter schlichten Kartoffelsalat und warme Würstchen an Heiligabend gibt, weil sie keine Lust hatte, in der Küche zu stehen. Für meinen Vater wohl die willkommene Ausrede, niemals den Heiligabend bei Schwiegermuttern feiern zu müssen. Auch die Beilagen waren gesetzt: Selbst gemachte schlesische Kartoffelklöße, Rotkohl und mehrere Salate.


In Wechselstimmung (von Anke Hibbeler)

Vom Ragout fin, da komme ich her. Ich muss Euch sagen: Früher weihnachtete es nur mit diesem Gericht an Heiligabend für mich sehr. Zur Vorspeise gab es eine Hühnersuppe; dem Federvieh hatte meine Tante persönlich den Garaus gemacht. Als Hauptgang landete am 24. Dezember mehr als 3 Jahrzehnte Ragout fin auf meinem Teller. Wobei meine Mutter es "Pastete" nannte. Deren Innenleben, das Ragout, kochte sie selbst; zwecks Wahrung einer alten Familientradition mit Hühnerfleisch und Champignons. Die Hülle aus Blätterteig wurde beim Bäcker in unserer Siedlung gekauft. 2008 dann habe ich mich erstmals an Heiligabend abgesetzt. Partner, Nachwuchs, eigener Tannenbaum: Es war Zeit für einen Wechsel. In Wechselstimmung bin ich geblieben. Fondue, Raclette, Fisch, schlesische Weißwürste ... alles schon gehabt. Nur Ragout fin nicht. Das schmeckt sowieso nur an Mamas Esstisch.


"Was soll's? Heiligabend ist nur einmal im Jahr."Florian Ferber

Ein Cocktail als Vorspeise (von Florian Ferber)

Geschüttelt? Gerührt? Egal, aber ein Cocktail gehört für mich an jedem Heiligabend dazu. Und bevor Sie jetzt denken: Der Ferber erträgt seine Familie an Weihnachten wohl nur im Vollrausch, sei hinzugefügt, dass von einem alkoholfreien Krabbencocktail die Rede ist. Woher diese Vorspeisen-Tradition bei uns stammt, kann ich nicht sagen. Doch egal, ob's Fondue, Raclette oder Geflügel als Hauptgang gibt, immer steht vorher ein Sektschwenker mit dieser verdauungsanregenden Mischung aus Krabben und Ananasstücken in einem Crème fraîche/Sahne-Gemisch, garniert mit Petersilie, für jeden auf dem Tisch. Wenn dann noch zum kulinarischen Finale Mousse au Chocolat serviert wird, findet die Bescherung für Menschen wie mich, die einen sensiblem Magen haben, auch schon mal vorzeitig auf dem Klo statt. Aber was soll's? Heiligabend ist nur einmal im Jahr. 


Der Klassiker (von Sandra Hoff)

Laaaaaaangweilig. Raclette zu Weihnachten. Laaaaaaaangweilig. Ja! Aber auch so lecker. Einmal im Jahr, natürlich an Heilig Abend,  stellen wir uns die Frage: Wo ist eigentlich der Raclette-Grill? Panisch werden sämtliche Schränke geöffnet, alles herausgeräumt, was monatelang keine frische Luft bekommen hat, um das Küchengerät dann doch völlig verstaubt auf dem Dachboden zu finden. Liebevoll werden bei einem ersten Gläschen Sekt alle Zutaten klein geschnippelt, das Fleisch mariniert, die Dipps zubereitet und der Tisch mit dem Goldrand-Geschirr gedeckt. Und jedes Jahr fällt auf: Die schicken Porzellan-Schälchen reichen einfach nicht aus. Wenig stilvoll müssen Mais, Paprika, Champignons und Co. in der guten alten Tupperware beheimatet werden. Während dann beim Festessen anfänglich jedes Familienmitglied denkt, nicht satt zu werden, weil die Pfännchen doch viel zu klein sind, endet der kulinarische Genuss damit, dass sich alle insgeheim wünschen, den oberen Knopf der Hose aufmachen zu können. Ein Tipp an alle Frauen an dieser Stelle: Strumpfhose tragen. Die passt sich dem wachsenden Futterkoma-Bauch perfekt an. 


Ein bisschen Spaß zum Nachtisch (von Kerstin Köhne)

Weihnachten ist eine ernste Sache. Bei allen Strophen „O du fröhliche“ nicht auszuscheren und die falschen Textzeilen zu schmettern – alle Jahre wieder eine Herausforderung, an der immer eines von uns Kindern scheiterte, die anderen zum Giggeln und meinen Vater zu missbilligende Blicke brachte. Den festlichen Albernheiten setzte aber viele Jahre der Nachtisch die Krone auf: Vanilleeis mit feinem Kakaostaub überzogen. Wer den spaßigen Reigen eröffnete und unabsichtlich mit braunen Zähnen in die Runde grinste, ist nicht überliefert. In lebhafter Erinnerung ist aber, dass wir etliche Jahre einen Riesenspaß hatten, uns mit dunklen Hauern anzulachen. Nur meine Mutter fand es sagenhaft kindisch. Irgendwann führte der Laden ihres Vertrauens das Eis mit dem dunklen Überzug angeblich nicht mehr – fanden wir gar nicht komisch.


"Nur der besondere Salat meiner Mama ist der einzig wahre Heilabend-Kartoffelsalat."Janine Sieger

Der perfekte Kartoffelsalat (von Janine Sieger)

Heiligabend ohne Kartoffelsalat? Möglich, aber sinnlos! Denn wir beide bilden an diesem besonderen Tag im Jahr ein untrennbare Symbiose. So wie die Spaghetti bei Susi und Strolch, oder die Schokolade bei Charlie und die Schokoladenfabrik. Und ich spreche da nicht von irgendeinem Kartoffelsalat. Nein, nur der besondere Salat meiner Mama ist der einzig wahre Heilabend-Kartoffelsalat – mit Gürkchen, Ei, Speck und etwas Mayo. Diese Familientradition begleitet mich seit 37 Jahren. Obwohl ich nun selbst schon eine Familie habe, gehört sie weiterhin zu meinem Klassiker am 24. Dezember. Da mussten sich auch Mann, Kinder und Schwiegerfamilie fügen. Keine Diskussionen. Nur einen Kompromiss habe ich ihnen zugestanden. Zum Kartoffelsalat dürfen sie – das sei ihnen gestattet – Haxen essen. Ich bleibe natürlich bei meinen Wiener Würstchen zum Salat.


"Schlesische Bratwurst! Die weiße mit Kalbfleisch, mit ein bisschen Zitronenschale gewürzt."Giorgio Tzimurtas

Schlesische Bratwurst, die mit Zitrone (von Giorgio Tzimurtas)

Meine Tante ruft mich wenige Tage vor meinem Weihnachtsbesuch an. Das Telefonat verläuft alle Jahre wieder ungefähr so:

Tante: "Was wünschst Du Dir denn Heiligabend für ein Essen?"
Ich: "Bratwurst. Schlesische Bratwurst. Wie damals bei Oma und Opa."
Tante: "Ach, immer Bratwurst. Jedes Mal Bratwurst. Warum denn? (Knappe Pause) Und was soll es dazu geben?"
Ich: "Na, Sauerkraut mit Speck und Zwiebeln. Und Kartoffelbrei. Oder: Kartoffelsalat, dann aber kein Sauerkraut. Wie damals bei Oma und Opa."
Tante"Also,…eine gefüllte Gans ist doch auch ein typisches Weihnachtsessen."
Ich: "Nee, viel zu aufwändig. Für mich gehört Bratwurst zum Heiligen Abend. Schlesische Bratwurst. Wie bei Oma und Opa."
Tante: "Wir können auch auswärts essen gehen. Da lade ich Dich ein..."
Ich: "Äh, das ist nett,...aber ich hätte viel lieber Schlesische Bratwurst…"
Tante: "...wie bei Oma und Opa. Ja, ja, ich verstehe. Also gut, Bratwurst.“
Ich: "Schlesische Bratwurst! Die weiße mit Kalbfleisch, mit ein bisschen Zitronenschale gewürzt. Auch Nelken, Koriander, Ingwer und Kardamom machen den Geschmack aus, habe ich nachgelesen."
Tante: "Aha. Wo soll ich denn so eine Bratwurst herbekommen? Oma und Opa haben die Bratwurst zum Heiligen Abend immer bei einem Fleischer gekauft, der wie sie aus Schlesien stammte. Der war auch ein Vertriebener. So einen Fleischer kenne ich hier in Hannover nicht."
Ich: "Weißt Du: Hauptsache, es ist eine helle und gut gewürzte Bratwurst, in Butter zubereitet. Es kann auch eine sein, die so schmeckt wie die Bratwürste aus dem Osnabrücker Land. Die sind auch sehr gut. Vergangenes Jahr hattest Du jedenfalls so eine Bratwurst gekauft…"
Tante: "Hm. Wo war das denn nochmal?"
Ich: "Ich könnte ja in Osnabrück Bratwürste besorgen…"
Tante: "Dafür hast Du doch gar keine Zeit. Ich finde schon eine Bratwurst, wie Du sie willst."
Ich: "Ich möchte den Heiligen Abend einfach gern so verbringen wie damals, wie bei Oma und Opa."
Tante: "Das hast Du ja auch immer."


"Was wollen wir eigentlich essen?" (von Oliver Hermes)

Jedes Jahr vor Heiligabend stellen wir uns die eine Frage: "Was wollen wir eigentlich essen?" In diesem Jahr haben wir uns gemeinschaftlich auf Kartoffelsalat und Frikadellen geeinigt. Ein ganz bestimmtes Menü steht dabei nicht auf dem Plan, Hauptsache es geht schnell. Schließlich liegen ja die Weihnachtsgeschenke unterm Baum, die schleunigst ausgepackt werden wollen. Eine kulinarische Tradition gibt es selbstverständlich trotzdem: die Roulade am ersten Weihnachtstag. Egal, wer der Gastgeber ist – die Rolle wechselt jährlich zwischen meinen Eltern sowie Tanten und Onkel – das eingerollte Fleisch mit Speck, Gurken, Senf und Zwiebeln darf auf keinen Fall fehlen. Dazu Rotkohl und Kartoffeln, als Dessert die Fürst-Pückler-Rolle. Bereits Monate vorher wird die Pflicht in dem ein oder anderen Nebensatz beiläufig erwähnt, dass auch ja niemand das Menü vergisst. Bislang hat es immer funktioniert. . .


"Meine Frau ist eine leidenschaftliche Organisatorin. Ich bin eher spontan."Andreas Timphaus

Ein neuer Klassiker? Vielleicht! (von Andreas Timphaus)

Ich bin überhaupt nicht festgefahren, was das Menü an Heiligabend angeht. Zeitweise gab es bei uns fast immer eine Fischplatte, natürlich von Aal- und Forellenräucherei Hoffmann in Dümmerlohausen – und immer sagenhaft lecker. Dann schwenkte meine Familie auf Kartoffelsalat mit Würstchen um. Das empfand ich ehrlich gesagt als etwas lieblos, obwohl ich die Variante meiner Mutter sehr schätze. Seit ich selbst eine Familie habe, stellt sich in jedem Jahr relativ früh in der Adventszeit die Frage nach dem Essensplan an den Feiertagen. Meine Frau ist eine leidenschaftliche Organisatorin. Ich bin eher spontan. Das beißt sich mitunter. 2021 gibt es nun zum zweiten Mal innerhalb von 3 Jahren ein Rumpsteak, diesmal mit Gnocchi al Forno. Das könnte man eine Serie nennen – und den Beginn eines neuen Klassikers. Die Zeit wird's zeigen. . .

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