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Flüchtlingshilfe macht sich an die Arbeit

Vielerorts können die Helfer auf den Erfahrungen aus 2015 aufbauen. Das gilt besonders für Löningen. Neu ist die Pandemiesituation. Deshalb müssen jetzt auch Impfangebote geschaffen werden.

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Ungewisse Zukunft: Die Menschen in der Ukraine machen eine schlimme Zeit durch. Viele fliehen vor dem Krieg ins Ausland.  Foto: dpa/Brandt

Ungewisse Zukunft: Die Menschen in der Ukraine machen eine schlimme Zeit durch. Viele fliehen vor dem Krieg ins Ausland.  Foto: dpa/Brandt

Wie viele Menschen aus der Ukraine in den kommenden Tagen und Wochen in den Landkreis Cloppenburg kommen, weiß derzeit niemand. Ziemlich sicher ist aber: Die haupt- und ehrenamtlichen Flüchtlingshelfer werden nach 2015 erneut mit allen Kräften gefordert sein. Die Vorbereitungen sind überall in vollem Gange.

In Löningen hat sich die Steuerungsgruppe der Flüchtlingshilfe am Freitagvormittag getroffen. In ihr finden sich die Stadt, die Sozialeinrichtungen der beiden großen Kirchen, das katholische Bildungswerk, der VfL Löningen und zahlreiche Ehrenamtliche zusammen. Als vor 7 Jahren Geflüchtete aus dem Nahen Osten in der Hasestadt ein Obdach benötigten, erwies sich die Flüchtlingshilfe der Aufgabe gewachsen. Die Erfahrungen aus dieser Zeit stimmen jetzt auch Elisabeth Pohlmann zuversichtlich. "In Löningen ist damals vieles richtig gelaufen", bestätigt die Leiterin der Gemeindecaritas. "Ganz entscheidend war die dezentrale Verteilung", betont sie.

40 Ukrainer sind bei Bekannten untergekommen

Bis zum Wochenende haben sich im Rathaus rund 40 Ukrainer gemeldet. Sie sind privat bei Freunden oder Verwandten untergekommen. Erster Stadtrat Thomas Willen glaubt aber an eine höhere Dunkelziffer. Wie es den aus dem Kriegsgebiet Geflohenen  geht, können die Helfer nur vermuten. "Wichtig ist, dass sie sich spätestens dann anmelden, wenn sie medizinische Hilfe benötigen", sagt Willen. Nicht alle wollen offenbar bleiben. So wurde im Steuerungskreis über eine Mutter berichtet, die ihre beiden Kinder bei einer Tante in Löningen in Obhut gibt, um danach in die Ukraine zurückzukehren. Die Frau habe einen Pflegeberuf, ihr Mann kämpfe derzeit in Kiew. 

Nahm die Arbeit auf: Die Steuerungsgruppe der Flüchtlingshilfe Löningen kam zu einem ersten Treffen im Bildungswerk zusammen.  Foto: G. MeyerNahm die Arbeit auf: Die Steuerungsgruppe der Flüchtlingshilfe Löningen kam zu einem ersten Treffen im Bildungswerk zusammen.  Foto: G. Meyer

Die Suche nach Wohnraum läuft jetzt ebenfalls rund um die Uhr. Inzwischen hätten sich Löninger gemeldet, die eine Wohnung oder sogar ein leer stehendes Haus anbieten wollen, berichtete Thomas Willen. Daneben müssten den Ankommenden dringend Impfangebote gemacht werden. Noch ist die Pandemie nicht bewältigt und keiner wisse, wie viele Ungeimpfte aktuell einreisten.

Um die Hilfe in die richtigen Bahnen zu lenken, haben die Beteiligten sich Schwerpunkte gesetzt. Wer sich ehrenamtlich engagieren möchte, kann sich an die Gemeindecaritas wenden (Telefon 05432/30780). Fragen zur Antragstellung beantwortet die Caritas unter Telefon 5969-02 oder -09. Sprachkurse und Dolmetscherdienste vermittelt das Bildungswerk. Für Sachspenden ist der Soziale Briefkasten zuständig (Telefon 58994). Gesucht werden vor allem Betten und Matratzen. Die Lenkungsgruppe möchte auch das Patensystem wieder aktivieren. Dabei nehmen Löninger einzelne Geflüchtete an die Hand und tragen so zu ihrer Integration bei. Aktualisierte Informationen gibt es im Internet ab sofort unter www.flüchtlingshilfe-löningen.de

Kleidung ist zurzeit weniger wichtig

In Lastrup haben das Rathaus und die Pfarrgemeinde St. Petrus einen gemeinsamen Spendenaufruf gestartet. Unter dem Motto "Gemeinsam ist man stärker" bitten sie um gut erhaltene Betten, Matratzen, Lattenroste und Bettwäsche. Benötigt werden aber auch Fahrräder, Handtücher, Geschirr, Besteck, Töpfe, Pfannen und Spielzeug. Wer größere Gegenstände abgeben will, meldet diese bei  Verena Lampe an (vlampe@lastrup.de oder Telefon 04472/890024). Die übrigen Spenden können am Mittwoch (16. März) zwischen 15 und 16 Uhr sowie am Freitag (18. März) von 8 bis 12 Uhr zum Bauhof an der Hammeler Straße 10 gebracht werden. "Kleidung wird momentan aber nicht angenommen", betont Verena Lampe. Sie sucht Freiwillige, die bei der Abgabestelle aushelfen möchten.  

Die Verwaltung klopft die Gemeinde inzwischen nach leer stehenden Immobilien ab. Und die gebe es selbst in den kleineren Bauerschaften, weiß Josef Pahls. Sollten Sammelunterkünfte benötigt werden, dürfte die Kommune zunächst auf Gewerbehallen zurückgreifen. Sporthallen oder Dorfgemeinschaftshäuser würden nur im äußersten Notfall zu Quartieren umfunktioniert. Es werde aber niemand auf der Straße stehengelassen, betont der Allgemeine Vertreter des Bürgermeisters. 

Pahls sieht die Gemeinde in der Pflicht, wenn nötig eigenes Geld in die Hand zu nehmen, um die Geflüchteten ordentlich unterzubringen. Grundsätzlich möchte er die Hilfe möglichst unbürokratisch anbieten. Ein "Zuständigkeitsgerangel" sei das Letzte, was die Menschen jetzt bräuchten. Pahls geht davon aus, dass viele länger bleiben werden und möchte deshalb auch die Vereine mit ins Boot holen. Beim Thema Corona sei man allerdings auch auf die Ehrlichkeit der Leute angewiesen, sagt er.

Wollen helfen (von links): Pater Joby, Verena Lampe und Josef Pahls rufen die Lastruper zum Spenden auf.   Foto: G. MeyerWollen helfen (von links): Pater Joby, Verena Lampe und Josef Pahls rufen die Lastruper zum Spenden auf.   Foto: G. Meyer

Die Kriegsangst sei jetzt besonders bei den älteren Lastrupern groß, weiß Pater Joby. "Einige haben den Zweiten Weltkrieg noch in Erinnerung und berichten mir davon", sagt der indische Geistliche. In seiner Heimat ist der Krieg in Europa ebenfalls ein großes Thema. "Viele Leute dort haben – ehrlich gesagt – keine Ahnung, wo sich die einzelnen Länder befinden. Meine Familie weiß aber, dass es bei uns ruhig ist." Wie alle katholischen und evangelischen Kirchen in Niedersachsen widmet auch die Pfarrgemeinde St. Petrus ihre Kollekte am Wochenende der Flüchtlingshilfe.

OM-hilft -  Helfen Sie mit! Das Oldenburger Münsterland hilft den Geflüchteten aus der Ukraine. Hilfsinitiativen, Wohlfahrtsorganisationen und viele mittelständische Unternehmen sind bereits dabei, die Hilfe vor Ort zu koordinieren. Und auch Sie können sich beteiligen. Wie und Wo? Das sagt Ihnen  die Webseite om- hilft.org

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