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Flexibler Musikunterricht in alter Bank

Chris Bruns plant eine Musikschule für Molbergen. Darin will der 29-Jährige ein – nach eigener Aussage – deutschlandweit einzigartiges Konzept umsetzen.

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Platz für 10 Klaviere, 10 Schlagzeuge und 10 Gitarren: Das ehemalige Volksbank-Gebäude will Chris Bruns zu einer Musikschule machen. Foto: Schrimper

Platz für 10 Klaviere, 10 Schlagzeuge und 10 Gitarren: Das ehemalige Volksbank-Gebäude will Chris Bruns zu einer Musikschule machen. Foto: Schrimper

Dort, wo viele Molberger früher ihre Geldgeschäfte erledigt haben, soll ab Anfang September quasi Zukunftsmusik erklingen. Der Musiker, Gitarrenlehrer und gelernte Betriebswirt Chris Bruns aus Lindern will im leerstehenden Gebäude der Volksbank an der Kirchstraße in Molbergen eine Musikschule mit einem – nach eigener Aussage – deutschlandweit einzigartigen Konzept einrichten. „Es ist ein Modellprojekt“, sagt der 29-Jährige – erstaunt, dass noch niemand vor ihm auf diese Idee gekommen ist.

Darum geht es: Die Musikschule soll weitestgehend ohne Lehrer auskommen. Bruns nennt das „Prinzip Fitnessstudio“. Die Musikschüler bringen sich nach einmaliger Einweisung das Instrument – Klavier, Gitarre oder Schlagzeug – mithilfe der App „music2me“ selbst bei. In der Musikschule sollen auf rund 230 Quadratmetern dann jeweils 10 E-Pianos, Gitarren und E-Drums mit dieser App synchronisiert und jeden Tag von 13 bis 21 Uhr bespielt werden können.

Wann immer es dem Schüler passt, kann er sich in das System einloggen und loslegen. Eine Aufsichtsperson soll stets anwesend sein und etwa bei technischen Problemen helfen. Per iPad und Kopfhörer werden die Musikschüler mit der App durch den Unterricht geführt. Bei Bedarf, etwa wenn man bei einer Übung nicht weiterkommt, könne eine Stunde mit einem Lehrer hinzugebucht werden, erläutert Bruns.

Durchspielen statt durchzahlen

„Dieses Konzept hebelt alle Nachteile einer Musikschule aus“, ist der 29-Jährige überzeugt und nennt einige Beispiele. In einer traditionellen Musikschule sei es üblich, dass in der unterrichtsfreien Ferienzeit durchgezahlt werden müsse. In Molbergen könne stattdessen durchgespielt werden. Zum einen fielen die Anschaffungskosten für ein Instrument weg, weil man ja vor Ort eines nutzen könne, zum anderen werde der Unterricht ohne Lehrer auch günstiger und flexibler. Pro Monat wären bei diesem Hybridmodell 49 Euro zu zahlen.

Auch für sich selbst erhofft Bruns Erleichterungen. Als Betreiber von Musikschulen in Lindern, Löningen und Lehe (Dörpen) habe er derzeit rund 100 Anfragen von Interessierten, die er nicht verplanen könne. Mal fehle es am Personal, dann an den Räumen. Das neue Konzept schaffe Flexibilität.

„Die Unterrichtsqualität bleibt aber bestehen“, betont Chris Bruns. Die dem Konzept zugrundeliegende App sei von studierten Musikern entwickelt worden. „Das sind keine Heiopeis“, macht er deutlich. Im vergangenen Jahr habe er die Entwickler in Aschaffenburg besucht und sich von ihrem Produkt überzeugt. „So ein Konzept kann nur funktionieren, wenn die App funktioniert.“ Die spezielle Anordnung der Instrumente im Kreis und auf Plateaus sowie ihre Verkabelung mit den iPads habe er sich per Patentanmeldung schützen lassen.

Mehr als 250 Unterrichtseinheiten pro Jahr möglich

Er sei sich bewusst, dass man eine Sechsjährige für den Musikunterricht nicht an ein iPad setzen könne, so Bruns. Deshalb werde es die herkömmlichen Unterrichtsmethoden wie Einzel- und Gruppenunterricht sowie musikalische Früherziehung weiterhin geben. „Wir wollen möglichst vielen Menschen ermöglichen, Musik zu machen“, sagt Bruns. Bei einem klassischen Musikschulkonzept stünden Schülern in der Regel 36 Unterrichtseinheiten (30 Minuten pro Woche) im Jahr zu. Mit dem App-basierten Selbstlernmodell wären es bis zu 8 Stunden an mehr als 250 Werktagen, rechnet der 29-Jährige vor.

Bruns ist überzeugt, dass sein Konzept für Molbergen Erfolg haben kann, es müsse nur ein Umdenken stattfinden. Und wenn er mit seiner Idee auf dem Land Erfolg habe, dürfte es damit später sicher auch in großen Städten klappen, schätzt der Linderner. Er könne sich auch vorstellen, dass viele andere Musikschulen in Deutschland darauf aufmerksam werden.  2 Neubauten für Musikschulen – mit dem neuen Konzept – habe er bereits in Planung: Ende dieses Jahres in Löningen und Mitte nächsten Jahres in Garrel. „Es wird spannend“, freut sich Chris Bruns.

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