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Fledermausbrücke zwischen Emstek und Cappeln geplant

Eine bedeutende Wanderroute für die Säugetiere haben Experten an der Stelle ausgemacht. Die bestehende Brücke wird im Zuge des E233-Ausbaus abgerissen. Sie dient bislang als Orientierungshilfe.

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Eine Fledermausbrücke in Biberach an der Riß. Ein ähnliches Bauwerk könnte auch zwischen Emstek und Cappeln entstehen, wenn die E233 ausgebaut wird.  Foto: dpa/Felix Kästle

Eine Fledermausbrücke in Biberach an der Riß. Ein ähnliches Bauwerk könnte auch zwischen Emstek und Cappeln entstehen, wenn die E233 ausgebaut wird.  Foto: dpa/Felix Kästle

Eine Fledermausbrücke soll künftig an der Stelle über die Umgehungsstraße führen, an der heute noch die Dr.-Niemann-Straße zwischen Emstek und Cappeln verläuft (wir berichteten). Das bisherige Bauwerk wird laut Plan für den4-spurigen Ausbau der E233 weichen und das, so meinen Experten, stellt die Fledermäuse vor ein Problem.

Der Bereich ist als Wanderroute für Fledermäuse ermittelt worden. Da sich die Tiere mittels Ultraschall im Dunkeln orientieren, würden sie sich bei einer plötzlich fehlenden Brücke zu dicht über dem Erdboden bewegen und könnten entsprechend vom Straßenverkehr erfasst und getötet werden. Dieses Sterben der streng geschützten Arten soll unbedingt verhindert werden.

Im Planungsabschnitt wurden insgesamt 8 Fledermausarten beziehungsweise Artenpaare erfasst, heißt es auf Nachfrage von der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr. "Im Bereich der geplanten Fledermausbrücke wurden unter anderem hohe Aktivitäten der Zwergfledermaus und der Gattung Myotis verzeichnet."

Massive Bauwerke oder Drahtseile möglich

Die Ausführungen solcher Fledermausbrücken können unterschiedlich sein. Sie reichen von tatsächlichen Brücken, die aber keine langen Rampen benötigen, bis hin zu Drahtseilen mit Reflektoren, die über Bahnstrecken oder Autobahnen gezogen werden.

Vorgesehen ist in Westeremstek eine 8 Meter breite Querungshilfe, die mittig mit einem Gehölzstreifen als Leitlinie bepflanzt wird. Das Bauwerk wird beidseitig mit einer 2 Meter hohen Irritationsschutzwand ausgestattet, um Lärm- und Lichtimmissionen der Straße abzuschirmen. Zu den zu erwartenden Kosten gab es seitens der Landesbehörde keine Informationen. Die können aber je nach Ausführung erheblich sein

Am Bodensee wurden 1,6 Millionen Euro ausgegeben

Bei Radeberg in Sachsen wurden für 2 Brücken rund 3 Millionen Euro ausgegeben. Über die B31 bei Friedrichshafen am Bodensee geht ein Bauwerk, das mit 1,6 Millionen Euro zu Buche schlägt und in die gleiche preisliche Kategorie fällt eine Überquerung der Bahnlinie bei Müllheim in Baden-Württemberg. Es geht aber auch günstiger. 2013 wurden für 2 Vollmetallbrücken in Biberach an der Riß 400.000 Euro ausgegeben. Dem Bund der Steuerzahler war dies seinerzeit deutlich zu viel und er listete die beiden Brücken in seinem Schwarzbuch auf.

Meinungen zur Akzeptanz gehen auseinander

Wie weit derlei Hilfen von den Fledermäusen akzeptiert werden, da gehen die Meinungen auseinander. In Biberach wurde mittels Infrarotkameras der Nachweis erbracht, dass die flatternden Säugetiere tatsächlich den künstlich geschaffenen Korridor nutzen.

Die CDU im Rat der Gemeinde Emstek hat sich dafür ausgesprochen, das Bauwerk an der Grenze zur Nachbarkommune nicht ausschließlich den Fledermäusen vorzubehalten, sondern auch für Radfahrer tauglich zu gestalten. Mindestens in einer Breite von 2,5 Metern, besser noch so breit, dass es den Ansprüchen eines Radschnellweges genügt.

Arten sind besonders beziehungsweise streng geschützt

Laut Wikipedia wurden in Deutschland bisher 24 Fledermausarten aus insgesamt 9 Gattungen und 2 Familien – allesamt Hufeisennasen oder Glattnasen – nachgewiesen. Jede dieser Arten zählt zu den nach dem Bundesnaturschutzgesetz und der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie seit 1992 sowohl zu den besonders als auch streng geschützten Arten. Als solche dürfen ihre Lebensstätten unabhängig ihrer Lage nicht beeinträchtigt oder zerstört werden.

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