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Feuerwehr kehrt in den Übungsbetrieb zurück

Die mehrwöchige Zwangspause ist vorbei. Die Aktiven der Ortsfeuerwehr Vechta freuen sich auf die regelmäßigen Dienstabende.

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Bei ihrem ersten Übungsdienst proben mehrere Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Vechta die Bergung eines Unfallfahrzeugs. Foto: Speckmann

Bei ihrem ersten Übungsdienst proben mehrere Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Vechta die Bergung eines Unfallfahrzeugs. Foto: Speckmann

Auf diesen Moment haben die Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Vechta gewartet: Endlich können sie wieder in ihre Uniform schlüpfen, ohne gleich zum Einsatz ausrücken zu müssen. Es ist Übungsdienst. Der erste nach der langen Zwangspause. Auch Florian Warnking ist dabei. "Man freut sich, dass man wieder üben darf und die Kameraden nach langer Zeit wiedersieht", sagt der Vechtaer, der seit drei Jahren in der Truppe aktiv ist und sich gut integriert fühlt: "Die Kameraden sind mittlerweile Freunde geworden."

An diesem Abend ist die Begeisterung für das Feuerwehrwesen deutlich spürbar. Etwa 20 Mitglieder sind gekommen, um nach der achtwöchigen Unterbrechung endlich wieder in den gewohnten Übungsbetrieb zurückzukehren. In großem Kreis stehen sie zusammen und unterhalten sich. Dann wird es ruhig. Ortsbrandmeister Christian Heitmann tritt vor seine Kameraden und stellt zur Begrüßung fest: "Wir alle haben uns auf diesen Abend gefreut."

Laut der Niedersächsischen Verordnung zur Bekämpfung der Corona-Pandemie ist der Ausbildungs- und Übungsdienst seit dem 15. Mai wieder zulässig, wenn der Mindestabstand von eineinhalb Metern und weitere Vorgaben gewährleistet sind. Allerdings haben sich im ersten Moment viele Feuerwehren zurückgehalten. Vechta gehört nun zu den ersten im Kreis, weitere Wehren dürften Schritt für Schritt folgen.

"Im Ernstfall müssen wir uns mischen."Christian Heitmann, Ortsbrandmeister der Freiwilligen Feuerwehr Vechta

"Es gibt ein klares Regelwerk", erläutert der Ortsbrandmeister. In Abstimmung mit den Behörden seien Richtlinien aufgestellt worden, an die sich die Feuerwehrmitglieder zu halten hätten. Dabei geht es nicht nur um Hygiene, sondern vor allem auch um Abstand. Rudelbildungen sind unerwünscht. Es werde in kleinen Gruppen gearbeitet, unterstreicht Heitmann. Wohlwissend, dass die Situation eine andere ist, wenn die Wehr gefordert wird. "Im Ernstfall müssen wir uns mischen."

Beim Übungsdienst gilt es derweil, schwere körperliche Anstrengungen zu vermeiden. Wer sich nicht fit fühlt, soll zurzeit ohnehin fernbleiben. Auch Kameraden, die aufgrund von gesundheitlichen Vorbelastungen zur Risikogruppe zählen, müssen vorsichtig sein. Heitmann weiß: Wenn das Virus sich in der Truppe ausbreiten würde, könne die gesamte Wehr ausfallen. Was das für die Stadt bedeutet, möchte sich der Kommandochef gar nicht ausmalen.

Als Pflegedienstleiter im St. Marienhospital ist Heitmann nur zu gut mit den Gefahren und Risiken vertraut, die die Pandemie mit sich bringt. Darum hat er auch Verständnis für die allgemeinen Einschränkungen, mit denen die Feuerwehr zurechtkommen muss. "Wir haben früh und richtig reagiert", sagt der 46-jährige Vechtaer. Als sich die Lage im März verschärft habe, sei im Schulterschluss mit der Verwaltung ein Pandemie-Plan erstellt worden.

Einsatzbereitschaft hat sich in der Krise verbessert

Die Arbeitsgruppe hat sich insbesondere damit befasst, wie sich die Feuerwehr aufstellen muss, um auch in der Krise die Einsatzbereitschaft zu gewährleisten. Das ist offenbar gelungen, wie ein Blick in die umfangreiche Einsatzstatistik zeigt. Seit Ende März hat die Ortsfeuerwehr Vechta mehr als 20 Alarmierungen verzeichnet. Das Spektrum reichte von Moor- und Waldbränden über Verkehrsunfälle bis zum Sturmschaden.

Zur eigenen Überraschung stellte das Kommando fest, dass die Einsatzbereitschaft der mit etwa 120 Aktiven größten Feuerwehr im Landkreis Vechta zuletzt besser war als vor dem Beginn der Corona-Krise. Der Grund: Mitglieder befinden sich in Kurzarbeit oder Homeoffice, haben also einen anderen Arbeitsrhythmus und stehen zur Tageszeit eher zur Verfügung. "Davon profitieren wir im Einsatzleben. Wir hatten überhaupt keine Schwierigkeiten in dieser Phase, Feuerwehrleute zu bekommen", berichtet Heitmann.

Die regelmäßigen Übungsdienste sind ein wichtiger Bestandteil des Feuerwehrwesens. Foto: SpeckmannDie regelmäßigen Übungsdienste sind ein wichtiger Bestandteil des Feuerwehrwesens. Foto: Speckmann

Dass die Truppe seit Ende März nicht an ihren wöchentlichen Übungsdiensten festhalten konnte, ist für den Ortsbrandmeister noch zu verschmerzen: "Wir haben einen guten Ausbildungsstand." Gleichwohl weist er auf die grundsätzliche Bedeutung der Dienste für die Kameraden hin, die über ganz unterschiedliche Wissensstände verfügen. Einige arbeiten in der Berufsfeuerwehr, andere kommen aus der Nachwuchsabteilung oder nehmen seltener an den Treffen teil. Heitmann: "Wir leben davon, dass Dinge geübt werden!"

Um größere Menschenansammlungen zu vermeiden, üben nicht alle Mitglieder gemeinsam. Nur jeweils zwei von vier Löschgruppen treffen sich am Abend. Beim ersten Wiedersehen schwärmt Thomas Helmke mit einigen Leuten ins Stadtgebiet aus, um Ansaugstellen wie Löschbrunnen und Regenrückhaltebecken zu überprüfen. Die übrigen Kameraden bleiben am Standort. Hier wird unter der Regie von Peter Chardon und Nils Triphaus der Umgang mit der Seilwinde an einem Unfallwagen simuliert.

Nach dem offiziellen Teil sitzen die Mitglieder normalerweise noch zusammen, trinken ein Bier oder eine Cola. Aber dieser Austausch fällt aufgrund der Pandemie vorerst aus. Das ist schade für die ehrenamtlichen Helfer, denn der Gesprächsbedarf ist groß. Florian Warnking und seine Kameraden müssen sich also noch in Geduld üben. Aber immerhin können sie wieder üben. Das ist ein Fortschritt in diesen Zeiten.

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